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Georg Menting
Die kurze Geschichte des Waldes – Plädoyer für eine drastische Kürzung der nacheiszeitlichen Waldgeschichte
Mantis Verlag – Gräfelfing 2002, 164 S.

Da der Autor nicht zugleich der Rezensent sein sollte, folgt hier die Besprechung eines unverdächtigen, d. h. der Chronologiekritik nicht verbundenen Rezensenten. Dr. Hans-Gerd Michiels ist Mitarbeiter der Abteilung Waldökologie in der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg. Die Rezension ist im August 2003 in den Mitteilungen des Vereins für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung erschienen.

»Das Buch hat den Anspruch, die bisherigen Vorstellungen über die zeitliche Abfolge der nacheiszeitlichen Waldgeschichte in Mitteleuropa auf den Prüfstand zu stellen. Mit den Ergebnissen will der Autor den Beweis führen, dass die zeitlichen Abschnitte des Holozäns insgesamt wesentlich kürzer waren, als es bisher in der wissenschaftlichen Lehrmeinung dargestellt wurde.

In einem Abschnitt »Grundlagen und Methoden« beschreibt das Buch verschiedene Arbeitsweisen der Paläoökologie und der Paläobotanik, auf denen die gängigen Ansichten über die prähistorische Waldgeschichte beruhen. Neben der Pollen- und Großrestanalyse ist auch die Radiokarbon-Datierung und der Dendrochronologie ein eigener Abschnitt gewidmet. Gemäß seiner Intention beleuchtet der Autor vorrangig die Schwächen aller dieser Verfahren bei der Erstellung absoluter Chronologien und kommt zu dem Ergebnis, dass das für frühe Postglazial noch keine verlässliche Methode zur absoluten Altersbestimmung von Pollenkörnern und sonstigen Pflanzenresten zur Verfügung steht.

In den zwei folgenden Kapiteln werden die Ansichten über den Ablauf der nacheiszeitlichen Waldgeschichte diskutiert, die der konventionellen Interpretation der vorliegenden Daten entstammen. Die fokussierten Themen sind in erster Linie die vermuteten eiszeitlichen Refugien und die Ausbreitungsgeschichte einiger heimischer Baum- und Straucharten. Dabei ist der Autor auf verschiedene Merkwürdigkeiten gestoßen, die im Widerspruch zu sonstigem Faktenwissen aus der Erdgeschichts- oder der Ökosystemforschung stehen. Dann versucht er zu belegen, warum Klimaschwankungen oder der frühe Einfluss des Menschen als Erklärung für diese Phänomene nicht in Betracht kommen.

Im letzten Kapitel beleuchtet der Verfasser schließlich bisher ungeklärte Vorgänge wie Ulmenfall, Buchen-Stagnation und rätselhaftes Wanderverhalten von Gehölzen im Licht seiner eigenen Theorie einer verkürzten nacheiszeitlichen Waldgeschichte, und leitet daraus Argumente für die Richtigkeit dieser seiner Hypothese ab. Im Anhang findet sich dann ein allgemeiner Teil zur Historie naturgeschichtlicher Erklärungsmodelle und ein Glossar.

Das vorliegende Werk vermittelt anschaulich und verständlich Grundwissen zur Methodik der Vegetationsgeschichtsforschung. Weiterhin handelt es sich um eine sehr breit angelegte Zusammenstellung und Diskussion von verschiedenen waldhistorischen Daten und Erklärungsmodellen ohne originäre wissenschaftliche Beiträge. Verständlicherweise wird dabei auf die Tiefe in der Auseinandersetzung mit den Einzelthemen verzichtet, zumal der Verfasser bewusst eine deutliche Kontraposition zu hergebrachten Auffassungen besetzen wollte.

Nach der Lektüre bleibt dem Leser der Eindruck zurück, dass die Chronologie der nacheiszeitlichen Waldgeschichte doch noch für Überraschungen gut sein könnte. Das Buch ist geeignet, den an der Waldgeschichte Interessierten neue Aspekte zu vermitteln, auch wenn man der Schlussfolgerung des Autors, das Holozän gleich um mehrere Jahrtausende zu verkürzen, nicht sofort folgen möchte.«

   

 
   


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