Kritische Naturgeschichte > Über Größen [Dr. Heribert Illig]


 
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  • Illig und kein Ende
  • Der Dodo, Illig und die Pinguine
  • Das große Jubiläumsheft

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    Majestätsbeleidigung

    Dr. Heribert Illig – versierter Karlsleugner und langjähriger Herausgeber des chronologiekritischen Zeitensprünge-Bulletins – kopiert seine ärgsten Gegner. Seit Jahren prangert Illig an, dass die etablierten Mediävisten ihn zensieren, weil sie eine faire Auseinandersetzung mit seiner Phantomzeitthese in allen halbwegs seriösen Publikationen unterdrücken. Um den Mediävisten zu demonstrieren, dass er sich davon nicht entmutigen lässt, dokumentiert Illig trotzig und mit unermüdlichem Eifer jede auch noch so belanglose Erwähnung seiner These in der berüchtigten Zeitensprünge-Rubrik »Fortsetzung der Mittelalterdebatte«. Das Ergebnis liest sich dann häufig wie folgt: ›Neues Buch zur Völkerwanderung mit unterschwelligem Rempler gegen Illig in der zweiten Zeile der vorletzten Fußnote auf Seite 397 unten‹ oder ›Gastkommentar mit subliminalem Querverweis zu Illig im Lokalteil Sulzbach des unterfränkischen Dorfboten‹.

    Jetzt ist Illig selbst unter die Zensoren gegangen. Der folgende Leserbrief (»Stachelloser Gesang«), der den Niedergang der naturgeschichtlichen Berichterstattung im Zeitensprünge-Bulletin auf amüsante Weise Einhalt gebieten wollte, wurde empört zurückgewiesen, weil der Herausgeber ihn als Majestätsbeleidigung betrachtet. Auf Nachfrage betonte Illig, dass er im Bulletin keinen Zweifel an seiner historischen Universalkompetenz duldet und der Leserbrief für ihn ein üble Beleidigung und Verspottung des Herausgebers darstellt. Es bleibt abzuwarten, ob Illig nach dieser, für die wissenschaftliche Reputation seines Bulletins nicht unbedingt zuträglichen Geschichte mehr Verständnis für die ignorante Verweigerungshaltung seiner mediävistischen Widersacher aufbringt. Dies könnte ihm helfen, sich von dem Zwang zu befreien, täglich sämtliche Printmedien nach seinem Namen zu durchforsten. Als erwünschte Nebenwirkung hätte er dann wieder mehr Zeit, sich ernsthafter mit naturgeschichtlichen Themen auseinander zusetzen.

    »Stachelloser Gesang«

    (Vom Herausgeber zurückgewiesener Leserbrief zum Zeitensprünge-Artikel »Bienen im Angriff auf den Sauriertod-Impakt«, 3/2004)

    Heribert Illig referiert unter der Überschrift »Bienen im Angriff auf den Sauriertod-Impakt« den Artikel »Bienen mit Beweiskraft. Die etablierte Theorie über das Ende der Saurier wankt« von Bernward Gesang in der Süddeutschen Zeitung vom 09.11.04. Mit diesem Beitrag ist die Talsohle der naturgeschichtlichen Berichterstattung im Zeitensprünge-Bulletin erreicht. Ich interpretiere ihn daher als Provokation des Herausgebers, um naturgeschichtlich interessierte Leser aus der Reserve zu locken.

    Zur Sache: Jacqueline Kozisek, eine graduierte Studentin der Paläontologie an der Universität von New Orleans, hatte auf der Jahrestagung der Geologischen Gesellschaft der USA in Denver ein Stück Bernstein präsentiert, in dem eine tropische stachellose Honigbiene der Art Cretotrigona prisca eingeschlossen war. Diese Honigbiene lebt sowohl vor als auch nach dem großen Einschlag und lässt sich morphologisch von modernen tropischen Bienen kaum unterscheiden. Von diesen rezenten Bienen weiß man, dass sie keine Honigvorräte anlegen und daher ständig auf blühende Pflanzen in der Umgebung angewiesen sind. Für ihr Überleben benötigt sie Temperaturen zwischen 31 und 34 Grad Celsius. Daraus folgerte Kozisek, dass die globale Durchschnittstemperatur nicht wie in bisherigen Szenarien angenommen nach dem Kometeneinschlag um 7 bis 12 Grad Celsius, sondern höchstens um 2 bis 7 Grad gesunken ist.

    Um sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, betonte Kozisek gegenüber der Presse, die ihre Hypothese sofort aufgegriffen und einen breiten Öffentlichkeit präsentiert hatte: »Ich sage nicht, dass der Einschlag nicht stattfand. Ich versuche lediglich, seine Auswirkungen besser abzuschätzen.« Der ›Wissenschaftsjournalist‹ der Süddeutschen Zeitung Bernward Gesang ist nicht so vorsichtig. Er resümiert die Geschichte wie folgt [zit. nach ZS]: »Der wichtigsten Theorie über das Aussterben der Dinosaurier droht nun selbst der Garaus. [...] Allerdings sind etablierte Theorien widerstandsfähig. Den Honigbienen dürfte es daher schwer fallen, die alten Erklärungsgewohnheiten zu verändern«. Doch damit nicht genug, Heribert Illig überbietet Gesangs Resümee noch, in dem er mit Hinweis auf das geringe Alter der Impakttheorie kommentiert: »Insofern darf man sich wohl bei 200 bis 300 Jahren alten Denkverhärtungen, nicht über das zähe Beharrungsvermögen, wie im Fall mittelalterlicher Urkunden wundern«.

    Dazu ist einiges zu bemerken und richtig zu stellen:

    Bernward Gesang ist habilitierter Philosoph, der sich mit erkenntnis- und gesellschaftstheoretischen sowie ethisch-moralischen Problemen beschäftigt. Seit 2003 arbeitet er nach eigener Darstellung als freier Journalist mit den Schwerpunkten »Umweltjournalismus« und »Bioethik«, wobei er bisher im wesentlichen zu gentechnisch-ethischen und wirtschaftsökologischen Fragestellungen publiziert hat. In seiner im Internet veröffentlichen Biographie weist nichts darauf hin, dass er von naturgeschichtlicher Forschung und insbesondere von stachellosen Bienen und dem Sauriertod-Impakt mehr versteht, als er aus Kinderbüchern kennt oder gerade auf dem populistischen Online-Ticker eines Wissenschaftsmagazins gelesen hat. In einem Interview mit »German Watch« hat er mit einer Empfehlung an die Leser indirekt sein Geheimnis preisgegeben, wie man sich in einem fremden Sachgebiet auf die Schnelle zu einem Experten machen kann: »Man braucht ja nur ›Ökologisches Investment‹ in die Suchmaschine werfen, schwups, ist man ein informierter Bürger«.

    Gesang bezeichnet die Theorie über den Dinosaurier-Impakt (und Impaktwinter) in dem o. a. Zitat als »etabliert«. Dies wäre vertretbar, wenn er damit auf ihre durch zahllose Untersuchungen gefestigten und sicher gegründeten Inhalte hinweisen will. Gesang will aber mit seiner Begriffswahl etwas ganz anderes betonen, nämlich dass es sich bei der Impakttheorie um eine statische, d. h. konventionell verfestigte Theorie handelt. Damit zeigt Gesang, dass er von dem heftigen Streit über die Ursachen des massiven Niederganges der Lebewelt an der Kreide/Tertiär-Grenze, der 1980 durch eine Veröffentlichung der Impakt-Hypothese in der führenden amerikanischen Wissenschaftszeitschrift »Science« ausgelöst wurde, keinen blassen Schimmer hat.

    Sonst wüsste er nämlich, dass es wenige geologische Hypothesen gibt, denen soviel Widerstand von den Verfechtern scholastischer Theorien entgegengebracht wurde, wie die Theorie vom endkreidezeitlichen Impakt. Der Grund dafür waren nicht etwa unzureichende Belege, sondern ihre Unvereinbarkeit mit den zu Beginn der 1980er Jahre noch dominierenden gradualistischen Vorstellungen. Der amerikanische Astrophysiker John S. Lewis [1997] kommentiert wie folgt: »...im Jahre 1985 waren die Inquisitoren von Beruf Paläontologen«. Dass die Impakt-Hypothese sich trotzdem relativ schnell durchsetzen konnte, lag an ihrer evidenten Erklärungskraft und daran, dass einer der Hauptverfechter der Theorie ›zufällig‹ ein Nobelpreisträger war.

    Die seit etwas mehr als einem Jahrzehnt »etablierte« Theorie vom endkreidezeitlichen Boliden-Impakt und Impakt-Winter ist daher ein ganz schlechtes Beispiel für eine einflussreiche Theorie, die sich weigert, durch eine »schmutzige kleine Tatsache« (so die berühmte Formulierung von T. H. Huxley) zu Fall gebracht zu werden. Zudem ist fraglich, ob es sich die Geschichte von den tropischen Honigbienen, die den Sauriertod-Impakt überlebt haben, überhaupt eignet, um ein kleines ›hässliches‹ Totschlagargument für eine an sich überzeugende Theorie zu sein. Die Idee das Ausmaß der endkreidezeitlichen Umweltveränderungen nicht über die Zahl der ausgestorbenen, sondern über die Umweltansprüche einer überlebenden Art zu bestimmen, hat nämlich einige Schwachstellen:

    Erstens kann von dem Überleben einer in tropischen Klimaten vorkommenden Art nicht auf globale, sondern nur auf regionale oder lokale Umweltbedingungen geschlossen werden. Der amerikanische Geologe Matthew Huber hält in diesem Zusammenhang lokale Variationen innerhalb größerer globaler Temperaturänderungen für durchaus möglich. Im Fall der von Kozisek diskutierten stachellosen Bienen könnten dies nach seiner Auffassung küstennahe Gebiete in den Tropen sein [http://www.geotimes.org/current/NN_honeybee.html]. Huber ist Koautor einer empirischen Studie [Galeotti et al. 2004] über die K/T-Grenze, in der die prognostizierten Auswirkungen der Impakt-Winter-Hypothese bestätigt wurden.

    Zweitens kann man von der morphologischen Ähnlichkeit von Bienen, die Impakt überlebten, mit heutigen Formen nicht unbedingt schließen, dass sie auch das gleiche Verhalten haben. Aus der Beobachtung, dass moderne stachellose Bienen ohne Vorratshaltung leben, folgt daher nicht zwangsläufig, dass dies auch für ihre fossilen Vorfahren gilt. Rezente Bienen finden in tropische Regionen ganzjährig unzählige Blütenpflanzen vor. Ob dies auch in der kreidezeitlichen oder tertiären Regenwäldern so war, ist zwar nicht auszuschließen, lässt sich aber nur schwer abschätzen.

    Drittens kann man das Ausmaß von Umweltveränderungen besser mit Untersuchungen abschätzen, die das Aussterben quantifizieren, als mit Unersuchungen, die das Überleben einzelner Arten dokumentieren. Das Überleben einer einzelnen Art kann durch ein zufälliges Zusammenwirken günstiger Umstände (»Überleben des Glücklichsten«) bedingt sein, also einer Faktorenkonstellation, die im Nachhinein nur schwer zu rekonstruieren ist. Demgegenüber kann man aus dem Forschungsergebnis, dass 70 % der hochspezialisierten und 30 % der mäßig spezialisierten phytophagen (pflanzenfressenden) Insekten am K/T-Übergang ausgestorben sind, die plausible Schlussfolgerung ziehen, dass es zu einem schnellen und katastrophalen Zusammenbruch der terrestrischen Ökosysteme gekommen ist [vgl. Labandeira et al. 2002].

    Welches Resümee ist nun aus dieser Geschichte zu ziehen: Der jungen Forscherin, die vermutlich selbst von der überwältigenden Presseresonanz anlässlich ihres Vortrages überrascht war, ist zu raten, dass sie den Medienrummel nicht als Beleg für ihre etwas forsche These verbucht. Dem Philosophen Gesang sei empfohlen, seine Finger von stachellosen Honigbienen zu lassen und seine zweifelsfrei vorhandenen wissenschaftstheoretischen Kenntnisse nicht auf Phänomenbereiche anzuwenden, von denen er keine Ahnung hat. Schon Alexander von Humboldt soll über den Philosophen Hegel gesagt haben: »Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben« [zit. nach Osten 1999]. Und Heribert Illig tut sich keinen Gefallen, wenn er leichtfertig Denkverhärtungen wie im Fall mittelalterlicher Urkunden mit dem berechtigten Selbstbehauptungsvermögen dynamischer Theorien wie der Theorie vom Sauriertod-Impakt und dem impaktbedingten Temperatursturz in Verbindung bringt.

    Literatur

    Galeotti, S., Brinkhuis, H. & Huber, M. (2004): Records of post-Cretaceous-Tertiary boundary millennial-scale cooling from the western Tethys: A smoking gun for the impact-winter hypothesis? Geology 32 (6), 529-532.

    Labandeira, C.C., Johnson, K.R. & Wilf, P.(2002): Impact of the terminal Cretaceous event on plant-insect associations. Proceedings of the National Academy of Sciences, USA, 99 (4), 2061-2066.

    >Lewis J.S. (1997): Bomben aus dem All - Die kosmische Bedrohung. – Basel, Boston & Berlin

    Osten, M., Hrsg. (1999): Alexander von Humboldt: Über die Freiheit des Menschen. – Frankfurt/M. & Leipzig

    Nachgesang:

    Heribert Illig stutzt mit den Lesern, »dass die späten Saurier nicht nur zwischen Schachtelhalmen wandelten, sondern auch an Blüten schnuppern konnten«. Solcherlei Irritationen sind häufig semantisch begründet, denn wer Saurier sagt, assoziiert eher »Schachtelhalm« als »Blütenpflanze«. Muttersprachlich rühren sie oft von altem Liedgut her. Solche Lieder sind allerdings – wie das folgende alte Studentenlied von Joseph Victor von Scheffel (1867) zeigt – allemal informativer als philosophischer Gesang:

    Der Ichthyosaurus

    Es rauscht in den Schachtelhalmen,
    Verdächtig leuchtet das Meer,
    Da schwimmt mit Tränen im Auge
    Ein Ichthyosaurus daher.

    Ihn jammert der Zeiten Verderbnis,
    Denn ein sehr bedenklicher Ton
    War neuerlich eingerissen
    In der Liasformation.

    Der Plesiosaurus, der Alte,
    Er jubelt in Saus und Braus,
    Der Pterodaktylus selber
    Flog neulich betrunken nach Haus.

    Der Iguanodon, der Lümmel,
    Wird frecher zu jeglicher Frist,
    Schon hat er am hellen Tage
    Die Ichthyosaura geküßt.

    »Mir ahnt eine Weltkatastrophe,
    So kann es länger nicht gehen;
    Was soll aus dem Lias noch werden;
    Wenn solche Dinge geschehn?«

    So klagte der Ichthyosaurus,
    Da ward es ihm kreidig zumut';
    Sein letzter Seufzer verhallte
    Im Qualmen und Zischen der Flut.

    Es starb zu derselbigen Stunde
    Die ganze Saurierei,
    Sie kamen zu tief in die Kreide,
    Da war es natürlich vorbei.

    Und der uns hat gesungen
    Dies petrefaktische Lied,
    Der fand's als fossiles Albumblatt
    Auf einem Koprolith.

    (Als Koprolithe, d. h. Kotsteine bezeichnet man die vielfach gefundenen versteinerten Exkremente der Saurier.)

    G.M., 10.01.05


     

    Illig der Große

    Wahre Größe I

    »Im frühen Mittelalter sind die Menschen erstaunlich groß geworden.« wissenschaft-online [Kein Wunder bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 350 Jahren..., G.M.]

    Wahre Größe II

    »Macht besitzen und nicht ausüben ist wahre Größe.« Friedl Beutelrock

    Wahre Größe III

    »Wahre Größe offenbart sich im Dienen.«Lao-tzu Tao Te Ching

    Wahre Größe IV

    »Kompetenz schafft wahre Größe.«
    Continental Industriereifen

     

    ›Lex Illig‹

    Dr. Heribert Illig will es seinen Kritikern noch mal zeigen. Im neuen Zeitensprünge-Bulletin (01/2005) gibt er sich redlich Mühe, seine angeschlagene naturgeschichtliche Reputation (siehe Artikel »Majestätsbeleidigung«) aufzubessern. Gestützt auf den Artikel »Bombe oder Blindgänger« aus der Süddeutschen Zeitung von Axel Bojanowski und eine »namenlose« VOX-Sendung über den Chicxulub-Impaktkrater versucht sich Illig trotzig erneut am Aussterben der Saurier. Um diesmal keinen Zweifel an seiner Souveränität im Umgang mit der diffizilen Thematik aufkommen zu lassen, legt er sich mit bilderschwangerer Kommentierung richtig ins Zeug. So lässt er das »Präzisionsuhrwerk moderner high-tech-Forschung wie das ausgeschlagene Lager eines alten Schiffsdiesels rattern« und die Asteroiden »Saurier meucheln«.

    Da sein Hauptgewährsmann diesmal ein studierter Geologe (und kein Philosoph) ist, ist das fachliche Ergebnis einigermaßen erträglich. Nur die Literaturangaben wirken etwas zusammengestümpert und wären in einem mediävistischen Artikel vom Herausgeber sicherlich so kaum akzeptiert worden. Dies ist aber hinnehmbar, weil es in dem Beitrag nur vordergründig um das Sauriersterben und die strittige Interpretation von Sedimentschichten im Chicxulub-Impaktkrater¹) auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko geht. Dies deutet sich schon in dem doppelsinnigen Titel »Saurier-Impakt in Turbulenzen« des Beitrages an, denn die Formulierung ›turbulenter Impakt‹ ist zweifelsfrei auch eine Anspielung auf den aus Sicht des Herausgebers ›meuchlerischen‹ Angriff auf seine universale Autorität in allen historischen Fragen.

    Das wird spätestens in der Schlusspassage endgültig deutlich, in der Illig nach erfolgter Darstellung der vordergründigen Thematik glaubt feststellen zu können, dass der wissenschaftliche Diskurs in allen Fachdisziplinen von den gleichen »Finten und Fallen« bestimmt ist, und dass in den ›Sedimentschichten‹ nirgends überliefert ist, dass »Naturwissenschaftlicher eine andere species als wir sein müssten«. Mit dem Pluralis majestatis »wir« meint der Herausgeber selbstredend vor allem sich als ›Geisteswissenschaftler‹ und irrt hier fundamental. Aus der Erkenntnis, dass der naturwissenschaftliche Diskurs ähnlich dem geisteswissenschaftlichen auch von »menschlichen Schwächen« bestimmt ist, folgt nämlich nicht, dass jeder über alles fachlich angemessen mitreden, sondern bestenfalls, dass jeder über alles mitplappern kann.

    Fazit:

    Nur wer sich mit der komplexen Fachliteratur zu einer Problematik aus möglichst vielen Quellen intensiv auseinandergesetzt hat, kann darüber urteilen, wo evidente Empirie und Theorie und wo »Finten und Fallen« im Spiel sind. Diese simple Einsicht bleibt, das macht der Schlussakkord des neuerlichen Beitrages über das Sauriersterben deutlich, dem Herausgeber aber weiterhin verborgen. Und so hat er die für Leser und Bulletin unselige ›Lex Illig‹, die vorgibt, dass der Herausgeber über alles urteilen und mitschreiben kann, weiter einsedimentiert und verfestigt. Vor solcherlei Kritik aus den eigenen Reihen kann er sich – dank engagierter Mitstreiter – auch nicht schützen, in dem er seinem derzeit ärgsten Kritiker das aktuelle Bulletin trotz pünktlich bezahltem Abonnement bis zum Beginn des Jahrestreffens in Zürich vorenthält.

    ¹) Der Maya-Begriff »Chicxulub« kann übrigens bezeichnenderweise mit »Schwanz des Teufels« übersetzt werden!

    G.M., 03.05.05


     

     

    Erfreuliche Flaute

    Dr. Heribert Illig – versierter Karlsleugner und langjähriger Herausgeber des Zeitensprünge-Bulletins – gibt sich redlich Mühe, seinen Kritikern aus den eigenen Reihen den Wind aus den Segeln zu nehmen. In der neusten Ausgabe des Bulletins (2/2005) ist kein (im Sinne von überhaupt kein) Beitrag enthalten, der den Niedergang der naturgeschichtlichen Berichterstattung fortsetzen könnte, wurde auf die nervende Rubrik »Chronik der Mittelalterdebatte« verzichtet (ihre Neuauflage wird allerdings angedroht), kann bei fünf veröffentlichten Leserbriefen und Repliken von Zensur kaum noch die Rede sein und erschien erstmals seit langer Zeit sogar von Dr. Peter Winzeler (weiter so Peter!) ein lesbarer Beitrag. Chronologiekritiker wissen, dass dies nicht unbedingt als positiver Trend zu interpretieren ist, da zumindest die wirkliche Geschichte nun mal ein Abfolge einmaliger Ereignisse ist.

    Woher zukünftig der Wind wehen wird, deutet der Herausgeber ziemlich unverblümt im Editorial an. Er hat sich nicht nur zum Ziel gesetzt, sein Bulletin noch mindestens bis zum Jahre 2043 alleine zu produzieren, sondern hofft sogar, insoweit vom internetverursachten Periodikasterben zu profitieren, dass er schlussendlich mit seinem chronologiekritischen Bulletin eine Monopolstellung einnimmt. Bereits jetzt arbeitet der Herausgeber an dieser kühnen Vision. Die verlagseigene Internetseite ist so langweilig, inhaltsarm und schlecht gepflegt, dass für jeden ernsthaft an der Chronologiekritik interessierten Leser dieser Seite der Kauf des Bulletins schon jetzt unverzichtbar ist. Mit Blick auf die etwas fernere Zukunft scheint uns hier allerdings ein spannender (wenn auch etwas unfairer) Wettlauf zwischen der unvermeidlichen Vergreisung des Herausgebers und dem ewigen Jungbrunnen Internet bevorzustehen.

    G.M., 31.07.05


     

     

    Illig und kein Ende

    – Der Herausgeber, der Streitpunkt Evolution, die Buntbarsche und der Sinn des Leben –

    [Text als PDF-DATEI 84 KB]

    Prolog über Zufälle oder dreimal Kutschera im April 2006

    Im Januar 2005 verlor in den Redaktionsräumen der Zeitschrift »Laborjournal« ein meterhoher Papierstapel sein Gleichgewicht und stürzte in sich zusammen. Zum Vorsch(w)ein kam ein Rezensionsexemplar des Buches »Streitpunkt Evolution« von Ulrich Kutschera. Der zuständige Redakteur Hubert Rehm (alias Siegfried Bär auch Autor des wissenschaftsbetrieb-pessimistischen Standardwerkes: »Die Zunft – Das Wesen der Universität, dargestellt an der Geschichte des Professorwerdens...«) hielt das für ein »Wink Gottes« machte sich an die Lektüre (des bereits in 2004 zugesandten Buches) und veröffentlichte das Ergebnis in der April 2006 Ausgabe des Laborjournals.

    Dr. Heribert Illig, den nach eigenem (fast schon verdächtig häufigem) Bekunden weder »Kreationismus noch Intelligent Design als wissenschaftlichen Ansatz beeindrucken« kann, greift, nachdem er Anfang Februar 2006 während des Vesperns in einer Sendung des Deutschlandfunks vom Nachweis eines neuen (bisher umstrittenen) Mechanismus der Artbildung bei ›Buntbarschen‹ erfahren hatte, nicht etwa zur Flasche..., sondern zur Feder und dem »einschlägigen« Werk »Streitpunkt Evolution« von Ulrich Kutschera – dem nach Einschätzung von Illig »wohl engagiertesten Biologen in Deutschland«. Er bespricht das Werk in der April 2006 Ausgabe seines Zeitensprünge-Bulletin.

    Der Website-Betreiber Georg Menting eröffnet Anfang Februar 2006 in dem Forum des Internationalen Bundes der Konfessionslosen u. Atheisten e. V. »Freigeisterhaus« eine neue Front zur Beförderung und Verbreitung der Evolutions- und Chronologiekritik. Bis Ende April 2006 schreibt er rund 390 provokante Beiträge. Durch seine heftigen Attacken auf die innovationsfeindliche und irrtumsanfällige Schulwissenschaft im Allgemeinen sowie den sich ›inquisitorisch‹ aufführenden Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera im Speziellen avanciert er innerhalb kürzester Zeit zum meist beschimpften Forumsmitglied in der Rubrik »Wissenschaft und Technik«.

    Hauptabteilung über was dabei herauskommt, wenn der Herausgeber selber in die Bresche springt

    Dr. Heribert Illig, der designierte ›Nestor‹ der deutschen Chronologiekritik und eifrige evolutionäre Laienprediger, hat wieder einmal versucht, die offene naturgeschichtliche Flanke in seinem Zeitensprünge-Bulletin zu schließen. Trotz seines von ihm immer wieder beklagten, äußerst angespannten Zeitbudgets – als völlig überlasteter Herausgeber, Autor und Redakteur des Zeitensprünge-Bulletins sowie äußerst penibeler Chronologist in eigener Sache – hat er nicht gezögert, den Mangel an qualifizierten Autoren dazu zu nutzen, selbst in die Bresche zu springen. Das Ergebnis seiner umfangreichen, 26 Seiten füllenden Anstrengungen hat er mit der Überschrift »Gerät der Evolutionismus ins Abseits?« in sein Bulletin gestellt. Wo aber die Hauptüberschrift höchste inhaltliche Erwartungen weckt, holt einen der Untertitel des Beitrages schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Statt »Von Charles Darwin bis Ernst Mayr – Ein kritische Bilanz oder… – ein Vergleich der Fakten mit den Theorien« kündigt der von Illig gewählte Untertitel »Ulrich KutscheraHermann Müller-Karpe« Verwirrung oder zumindest Stückwerk an. Wer sind diese beiden von Illig vereinten Hauptakteure und was mag sie außer Illigs Evolutionismus-Artikel verbinden?

    »karrierebewusster Hüter der reinen darwinistischen Lehre«

    Der Pflanzenphysiologe und Vorsitzende der AG Evolutionsbiologe im Verband deutscher Biologen (vdBiol) Prof. Dr. Ulrich Kutschera profiliert sich seit einigen Jahren als eine Art missionarischer und zugleich karrierebewusster Hüter der reinen darwinistischen Lehre und darüber hinaus als lautstark agierender Verteidiger der universitären Wissenschaften vor kreationistischer Unterwanderung oder gar Bevormundung. In meiner Rezension seines Lehrbuches »Evolutionsbiologie« konnte ich zeigen, dass er der Glaubwürdigkeit des Wissenschaftsbetriebes mit seinem von Eigennutz und Empörung getragenen ›Kreuzzug‹ gegen – von ihm zumindest für die deutsche Wirklichkeit völlig überzogen herbeigeredete – kreationistische Bedrohungen eher schadet als nützt. Dies liegt erstens an seiner Neigung zum verwegenen weltanschaulichen Herumschwadronieren, zweitens an seinem schlichten Bild vom wissenschaftlichen Fortschritt, drittens an seiner erstaunlich geringen Kenntnis von evolutionsbiologischen Forschungsfronten und viertens auch an einer kaum übersehbaren Angst vor einer direkten Konfrontation mit den führenden Vertretern seines kreationistischen Feindbildes.

    »weitgehend unbeabsichtigte Ausarbeitung eines ›Altersticks‹«

    Von ganz anderem Kaliber (und Alter) ist der Prähistoriker und Urnenfelderzeit-Spezialist Prof. Dr. Hermann Müller-Karpe. Im Unterschied zu Kutschera ist er bereits seit Jahrzehnten ein verdienter – wenn auch ausgesprochen scholastisch agierender – Nestor der vorgeschichtlichen Forschung. Von Evolution oder gar Artbildungsmechanismen hat er allerdings – vielleicht abgesehen von einer gewissen Kenntnis der spätpleistozänen Menschheitsgeschichte – keinen blassen Schimmer. Was Müller-Karpe da in seinem von Illig diskutierten Artikel »Geschichtlichkeit des paläolithischen Menschen. Fakten und Anschauungen« zur übersinnlichen Herkunft der menschlichen Geistnatur zum Besten gegeben hat, darf man als wohl weitgehend unbeabsichtigte Ausarbeitung eines ›Altersticks‹ beschreiben. Solche Ticks sind zuhauf von renommierten, während ihrer beruflichen Karriere völlig naturalistisch arbeitenden Physikern, wie z. B. Max Planck bekannt. In die Jahre gekommen, neigen sie zur ›Altersfrömmelei‹ und entdecken plötzlich ›übersinnliche‹ oder ›hochgeistige‹ Wirkmechanismen in ›der Natur‹. Und nähert sich der Zeitpunkt der ›Letzten Ölung‹ scheuen sie sich nicht, diese Wirkmechanismen sogar mit einem (christlichen) ›Gott‹ zu identifizieren. Von anständigen Biographen werden solche ›Altersticks‹ in der Regel übergangen oder in einer Randnotiz vermerkt. Für Kreationisten sind sie eine äußert beliebte Berufungsinstanz.

    »kein großer Wurf, sondern ein ›Kessel Buntes‹«

    Illig, der von der Zeitschrift »Erwägen Wissen Ethik« (EWE) um Stellungnahme zu Müller-Karpes Artikel gebeten wurde, hat für solche Befindlichkeiten und Hintergründe wenig Gespür. Dies mag daran liegen, dass sein Sachverstand arg leidet, wenn er sich wie hier – ausgelöst durch die Anfrage einer Zeitschrift – unerwartet hofiert fühlt. Getragen von dem Ziel endlich die Anerkennung zu erlangen, die seinem chronologiekritischem Wirken angemessen wäre, neigt er mit der ihm eigenen Gründlichkeit dazu, nicht nur sich selbst, sondern auch die ›Ergüsse‹ derer, die überhaupt auf ihn eingehen, ernster zu nehmen als es der Sache förderlich ist. (Von solcher Art Motivlage kann sich natürlich kaum jemand freisprechen, nur dass die meisten eine erheblich höhere Hemmschwelle haben, die Produkte solcher Motivlagen öffentlich auszubreiten). Wie immer kommt dabei in Abhängigkeit von der tatsächlichen Sachkompetenz mal mehr und mal weniger Originelles und Erträgliches heraus. Illig hat in seinem Evolutionismus-Artikel den Bogen weit gespannt. Er versucht, seine Gedanken zu neu entdeckten Artbildungsmechanismen, seine Stellungnahme zu Müller-Karpes ›Altersfrömmeleien‹, seine Besprechung von Kutscheras »Streitpunkt Evolution« und auch noch seine Auseinandersetzung mit den Gedanken des Biophilosophen Franz M. Wuketits zur Sinnfrage in einen großen evolutionskritischen Zusammenhang zu stellen. Herausgekommen ist kein großer Wurf, sondern ein ›Kessel Buntes‹, in dem Stümperarbeit überwiegt.

    »thematisch arg verdächtiges Signalwort ›billig‹«

    Wie gelingt es Illig, den ihm viel zu großen Schuh auszufüllen, ohne dass dem braven Zeitensprünge-Leser die Mogelpackung sofort ins Auge sticht? Ein hilfreicher Blick ins Literaturverzeichnis seines Evolutionismus-Artikel zeigt, dass er die Aufgabe nur bewältigen kann, indem er quellenmäßig aus zweiter oder gar dritter Hand in den Mund lebt. Illig ernährt sich also überwiegend sekundär bis tertiär und muss dabei in Kauf nehmen, dem Leser ungewöhnlich großzügige Einblicke in sein Alltagsleben zu geben. Wir erfahren, dass Illig das meinungsbildende und ziemlich geschwätzige Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« (wohl auch in der verzückten und nach all den Jahren vielleicht schon etwas vergilbten Hoffnung, eines trüben Montagmorgen seines eigenes Konterfei auf dem Titel zu erblicken) liest, als bajuwarischer Patriot, die nicht gerade durch ihren Wissenschaftsteil bekannte Süddeutsche Zeitung abonniert und regelmäßig das durch seine eher oberflächlich-spektakuläre Berichterstattung glänzende Wissenschaftsblättchen »Bild der Wissenschaft« konsumiert. Ferner dürfen wir vermuten, dass er gelegentlich die »FAZ« (z. B. wenn in einer Überschrift das thematisch arg verdächtige Signalwort ›billig‹ auftaucht) kauft und dass er beim Vespern schon mal (vor allem wenn es um sein Steckenpferd »Evolution« geht) die Sendung »Forschung aktuell« im seriösen Deutschlandfunk hört.

    »ein reichlich verstaubtes Werk des übergroßen Altmeisters‹

    Vor diesem sekundären Hintergrunde kann und will Illig uns nicht verbergen, dass er stolz darauf ist, schon seit über einem Jahrzehnt Eigentümer eines relativ aktuellen evolutionären Werkes zu sein, das vielleicht noch am Ehesten den Titel ›Primärquelle‹ in seiner Literaturliste verdient, nämlich das Buch: »...und Darwin hat doch recht. Charles Darwin, seine Lehre und die moderne Evolutionstheorie« von dem im letzten Jahr in hohem Alter verstorbenen Apostel Darwins »Ernst Mayr«. Dieses in 1994 in deutscher Übersetzung erschienene, rund 230 Taschenbuchseiten füllende kleinformatige Buch wendet sich nach eigener Darstellung an »alle gebildeten Leser, nicht nur an Biologen«. Da hat es mit Illig gerade den richtigen Leser gefunden, denn gebildet ist er allemal, auch wenn es ihm substanziell an biologischem Sachverstand mangelt. Hinsichtlich seines eigenen sachlichen Nährwertes ist das Büchlein allerdings zwischenzeitlich reichlich verstaubt. Trotzdem scheint das Werk des übergroßen Altmeisters der Evolutionslehre unserem Herausgeber so ans Herz gewachsen zu sein, dass er es bei passender Gelegenheit immer wieder gerne in Hand nimmt, um daraus fachkundig zu zitieren und sich daran krittelnd zu profilieren.

    »sichtlich bemüht aber doch ziemlich einfältig agierend«

    Man könnte dies als verzeihliche ›Marotte‹ abtun, wenn es da nicht z. B. meine – für Illig mindestens ebenso gut wie sein verstaubtes Buch zugängliche – Internetseite geben würde, die er aus verständlichen oder doch zumindest bekannten Gründen vor seiner Zeitensprünge-Leserschaft vorenthält. Darin sind alle von ihm in seinem Evolutionismus-Artikel angeschnittenen Fragen vom ›Rätselraten um den Artbegriff‹, zu ›sympatrischer, allopatrischer oder wie auch immer Artbildung‹ und ›Irritationen über (wechselnde) Evolutionsgeschwindigkeiten‹ bis hin zu den ›geläufigen Weginterpretationsversuchen der lückenhaften fossilen Überlieferung‹ schon außerordentlich differenziert, kritisch und aktuell abgehandelt. Und zwar auf einem weit höherem Niveau als es ›unser‹ zwar sichtlich bemühter aber bezüglich evolutionärer Forschungsfronten doch ziemlich einfältig und bruchstückhaft agierender Herausgeber jemals zu schaffen vermag. Kurz: Menting statt Mayr! Und an dieser Einschätzung wird sich auch dann nichts ändern, wenn die noch verbleibende Restlebenszeit ›unseres‹ Herausgebers – vergleichbar dem im Methusalemalter von 100 Jahren verstorbenen Evolutionsbiologen Ernst Mayr – sehr großzügig bemessen wird! Weshalb so harte Worte?

    »sturer Herausgeber und rigider Lektor«

    Bereits während unserer ersten Krise in der redaktionellen Zusammenarbeit in 2001 hatte ich Illig gebeten, mich in seinen ›kritischen‹ Beiträgen zur Evolution möglichst nicht mehr, d. h. vor allem nicht als Gewährsmann zu zitieren. Schon damals war mir klar, dass es Illig hier an Substanz und Verständnistiefe fehlte. Seine Beiträge wiesen regelmäßig Schieflagen auf und verwässerten oder entstellten meine Argumentation. In seinem neuerlichen Evolutionismus-Artikel ist Illig meiner Bitte (und durchaus eigennützigen Warnung), sich nicht auf mich zu berufen, wieder einmal nicht gefolgt. In seinen einleitenden Einlassungen zu neu entdeckten oder bestätigten Artbildungsmechanismen ohne räumliche Trennung verweist er auf meinen Artikel zur explosiven Artbildung bei ostafrikanischen Buntbarschen. Selbstgefällig und stur wie unser Herausgeber nun mal ist, zitiert er nicht die brandaktuelle Fassung auf meiner Website oder die immerhin schon aktualisierte Fassung in der Naturwissenschaftlichen Rundschau, sondern die zwischenzeitlich ziemlich veraltete ursprünglich in seinem Bulletin veröffentlichte Version. Dies kann man wohlwollend als Zugeständnis an bequeme Zeitensprünge-Leser oder auch weniger wohlwollend als fahrlässige oder gar gezielte Provokation interpretieren. Ich befürchte aber noch Schlimmeres, nämlich dass Illig sich für die älteste Version entschieden hat, weil – wie er schon einmal bemerkte – alles was unter seinem rigiden Lektorat im Bulletin erschienen ist, so gut wie kein Verfallsdatum hat.

    »wenn die ebay-Software einfach nur ›-arsch‹ versteht«

    Auf eine detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung mit Illigs neuerlichen Einlassungen zu Artbildungsmechanismen verzichte ich hier, weil dabei nur herauskommen kann, was ich auf meiner Internetseite schon pointiert herausgearbeitet habe. Ich versuche daher, die Bauchschmerzen, die mich bei Illigs Bearbeitung der Evolutionsthematik regelmäßig befallen, an einer kleinen Anekdote zu verdeutlichen. Bei meinen ersten Versuch, mich bei ebay einzuloggen, machte ich folgende Erfahrung: Zu Beginn des eigentlich narrensicheren Vorganges wurde ich von der ebay-Software wiederholt freundlichst darauf hingewiesen, dass Mammut, Wollnashorn, Säbelzahntiger, Dodo und andere spektakuläre ausgestorbene Arten als Benutzername schon vergeben wären. Als relativ versierter Naturkundler habe ich es dann – in der Gewissheit das Programm zu überlisten, mit meinem ›Flaggfisch‹ Buntbarsch versucht. Ziemlich überraschend wurde auch dieser Begriff von dem Anmeldeprogramm abgelehnt, aber diesmal aus einem anderen Grund, nämlich mit dem Kommentar »ordinär«! Wie das? Die ebay-Software hatte einfach nur »-arsch« verstanden, weil sie kein elementares Verständnis vom Buntbarsch als artenreiche Fischfamilie oder erfolgreiches Evolutionsvehikel hat. Nicht viel besser ist es um Illigs hauseigene ›Software‹ in Sachen »Evolutionsmechanismen« bestellt. Für das ebay-Anmeldeprogramm wäre sie aber sicherlich eine sinnvolle Erweiterung...

    »ahnungsloser Herumschwadronierer in theologischen Sachfragen«

    Bei aller Neigung zur schonungslosen Kritik können und wollen wir hier nicht verschweigen, dass Illigs Evolutionismus-Artikel auch gelungene Passagen enthält. Zu diesen zählt neben dem Kapitel »Wasserschlauch und Automobil« zweifellos das Kapitel »Christentum und Naturwissenschaften«. Hier macht sich Illig die lohnende Mühe, Kutscheras Analyse der Christlichen Glaubenslehre, Kirchengeschichte und religiösen Symbolik zu hinterfragen. Kutschera gibt sich auch in diesem – ihm eigentlich fachfremden – Themenbereich demonstrativ als »logisch-nüchtern-sachlich« denkender Wissenschaftler. Illig gelingt es hier überzeugend, Kutschera als ahnungslosen Herumschwadronierer in theologischen Sachfragen zu entlarven. Z. B. interpretiert Kutschera eine auch für Experten kaum überzeugend zu deutende Adler/Fisch-Abbildung aus dem ersten Jahrtausend ohne Literaturbezug aus dem hohlen Bauch heraus als Versinnbildlichung der »Wiedergeburt durch die Taufe und Christi Himmelfahrt«. Kutschera praktiziert hier genau das, was er den Kreationisten immer wieder unterstellt, nämlich ›saudumm‹ über Sachen daher zu reden, von denen er zwar ›null‹ Ahnung, aber dafür umso mehr anmaßende Gewissheit hat. Und so dürfen wir uns mit Illig wundern, »wie kraus und unbedarft sich ein reiner Verstandesmensch geben kann, wenn er die Grundzüge abendländischer Religion skizzieren will«.

    »von maßloser Selbstgefälligkeit motivierter Herausgeber«

    Meine Zustimmung gilt jedoch nicht fürs ganze Kapitel, denn was Illig da an dessen Ende fabriziert, untermauert das Bild eines immer wieder von maßloser Selbstgefälligkeit motivierten Herausgebers. Aber der Reihenfolge nach: Kutschera hatte meinen in der Naturwissenschaftlichen Rundschau (NR) erschienenen Buntbarschartikel – worauf mich erst Illigs Evolutionismus-Artikel aufmerksam machte – in seinem Buch »Streitpunkt Evolution« im Unterkapitel »Infiltration von Fachzeitschriften« - zitiert und zwar als erstklassiges Beispiel für die »subtile Strategie der zwar kaum bekannten aber sehr aktiven deutschen Kreationisten«, »Einfluss auf Schule und Universität zu gewinnen«. (Im Übrigen ein schönes Beispiel für die Paranoia orthodoxer Evolutionisten gegenüber Kreationisten oder auch nur Evolutionskritikern.) Wie kam ich zu der Ehre? In meinem bereits erwähnten, in der NR erschienenen Übersichtsbeitrag zur Buntbarschevolution hatte ich mir (mit Einverständnis der Redaktion) erlaubt, neben anderen Evolutionsmodellen auch kurz das kreationistische Grundtypenmodell zu erwähnen. Der zum biologischen Wissenschaftsaberglauben neigende Wissenschaftstheoretiker Dr. M. Mahner hatte darauf hin in einem empörten Leserbrief dagegen protestiert, dass in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift kreationistische Pseudowissenschaft beworben wird.

    »genussvolle Reinwaschung von einem selbstkonstruierten Verdacht«

    In Mahners Leserbrief und meiner später veröffentlichten Replik wird auch auf meine Autorentätigkeit für das Zeitensprünge-Bulletin Bezug genommen, Illig aber namentlich nicht erwähnt. Kutschera hat sogar in seiner Rezeption des Konfliktes im »Streitpunkt Evolution« sorgfältigst die Verweise auf das Bulletin herausgeschnitten. Der Grund für diese ›Schnibbelarbeit‹ liegt auf der Hand: Kein Leser seiner wissenschaftseuphorischen Streitschrift sollte mehr als unbedingt erforderlich auf ›pseudowissenschaftliches‹ Gedankengut aufmerksam gemacht werden. Trotzdem zeigt sich Illig in seiner Funktion als Verleger von Mentings kurzer Geschichte des Waldes im höchstem Maße betroffen. Schließlich war eine Ursprungsversion des Buntbarschartikels in seinem Zeitensprünge-Bulletin erschienen. Für Illig ist dies Anlass genug, sich von dem – ›freilich‹ von ihm selbst konstruierten – Verdacht reinzuwaschen, auch er habe in seinem Bulletin kreationistisches Gedankengut beworben. Anhand eines äußerst ›dürftigen‹ Textvergleiches der Passage meines Buntbarschartikels, in der es um das kreationistische Grundtypenmodell geht, kommt er zu folgendem verblüffenden Ergebnis: Aufgrund der Auslassung des relativierenden Wörtchens »sollen« in der Version, die in der NR erschienen war, soll sich der entsprechende Passus im Zeitensprünge-Bulletin »entscheidend [!] anders«, d. h. weniger Kreationismus bewerbend lesen.

    »Wahn, der sich schon erheblich von der Realität gelöst hat«

    Das grenzt zweifellos an Wahn im fortgeschrittenem Stadium, also Wahn, der sich schon erheblich von der Realität gelöst hat. Ich darf hier ›ungefragt‹, d. h. ohne vorliegendes Einverständnis des Absenders, aus einer an mich gerichteten Mail von Prof. Dr. Werner Kunz (Institut für Genetische Parasitologie der Universität Düsseldorf) zitieren. Kunz teilte mir mit, dass er zwar mit Mahners Ablehnung des kreationistischen Gedankengutes übereinstimmt, in meinem in der NR veröffentlichten Buntbarschartikel aber »nichts« entdecken konnte, worauf sich Mahners Verdächtigungen beziehen könnten. Für Zweifler darf ich hinzufügen, dass Kunz schon deshalb ein vertrauenswürdiger Gewährsmann ist, weil er mit dem Ankläger Mahner befreundet ist. Von den Realitäten nun wieder zu den Wahnvorstellungen: Wie meistens entwickeln sich diese aus sehr pragmatischen Ängsten: Illig musste sich von Beginn der Phantomzeitdebatte an heftigst (und zeitraubend) gegen den Verdacht wehren, Pseudowissenschaft zu betreiben. Daher fasst er – um böswilligen Kritikern nicht noch zusätzliche Angriffsflächen zu bieten – kreationistisches Gedankengut nur mit äußert spitzen Fingern an. Zweifelsfrei wäre er, um der Beförderung seiner Phantomzeitthese willen, sogar bereit, seine eigene Religiosität zu verleugnen.

    »hetzerische und verleumderische Antikreationismus-Kampagne«

    Angesichts der geschilderten Sachzwänge habe ich für Illigs monomanes Verhalten, sich ständig als nüchternst und objektivst denkender Wissenschaftlicher zu profilieren zu müssen, ein gewisses Verständnis. Das hört allerdings auf, wenn ihm vor lauter Genuss an öffentlichen Reinwaschungen der eigenen Haut von (selbst-) konstruierten Verdächtigungen, der eigentliche Skandal an der Geschichte verborgen bleibt. Kutschera zitiert nämlich bei seiner Schilderung des Konfliktes in seinem »Streitpunkt Evolution« zwar ellenlang aus dem empörten Leserbrief von Mahner aber nur einen (!) Halbsatz aus meiner ebenfalls veröffentlichten Replik. So gekürzt und entstellt, ist es nicht verwunderlich, dass sich der unbedarfte oder wissenschaftsgläubige Leser ein falsches Bild von meiner Position in der Kreationismus-Evolutionismus-Debatte machen muss. Tatsächlich habe ich aber in meiner Replik unmissverständlich klargestellt, »dass ich die evolutionsbiologisch engagierten Anhänger des Schöpfungsglauben gerade, wenn es um Evolution geht, zwar für höchst interessante Gesprächspartner halte, selbst aber ihren Schöpfungsglauben nicht teile«. Dies alles muss Kutschera natürlich unterschlagen, weil es nicht in seine hetzerische Antikreationismus-Kampagne und schon gar nicht unter seine verleumderische Kapitelunterschrift (kreationistische) »Infiltration anderer Fachzeitschriften« passt.

    »eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen Illig und Kutschera«

    Aber warum bleibt unserem Herausgeber der eigentliche Skandal in dieser Geschichte verborgen? Allein aus Selbstgefälligkeit? Nein, da scheint noch mehr im Spiel zu sein! Zum Einen fehlt unserem evolutionistischen Wiederkäuer Illig schlicht die Primärliteratur, um auf die wahren Untiefen der Geschichte zu stoßen. (Und selbst wenn sie ihm vorliegen würde, hätte er wegen seiner vielfältigen Verpflichtungen an den Phantomzeit-Fronten kaum Zeit, sie sorgfältig auszuwerten). Zum Anderen scheint es da, eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen Illig und Kutschera zu geben. Beide dulden nämlich keine Kritik an ihrer (fachlichen) Person und neigen dazu, diese in ihren Texten großzügig herauszuschneiden oder gleich ganz zu eliminieren. Solche Be- oder Empfindlichkeiten verbinden, trüben aber den klaren Blick und das Selbstreflexionsvermögen. Der Großinquisitor Kutschera geht als Zensor allerdings erheblich skrupelloser als Illig vor. Bei Kutschera hat die vorsätzliche Verstümmelung von kritischen Texten – wie das angeführte Beispiel zeigt – schon Züge angenommen, die den Tatbestand der Verleumdung erfüllen, während entsprechende Zensurmaßnahmen bei Illig eher unbeholfen und ehrenrührig wirken.

    »wo die legitime Zweitverwertung ihre verschwiegenen Grenzen hat«

    So zitiert Illig in seinem Evolutionismus-Artikel ziemlich ausführlich seine ursprünglich in der Zeitschrift »Erwägen Wissen Ethik« veröffentlichte und mit »Kippt die naturwissenschaftliche Weltsicht?« übertitelte Stellungnahme zu den alterswirren Einlassungen des Prähistorikers Müller-Karpe über die angeblich »nicht evolutiv« entstandene »Geistbefähigung« des Menschen. Dies geschieht sicherlich nicht nur aus reiner Eitelkeit, sondern auch aus legitimen Gründen der Zweitverwertung, d. h. hier, um auch die braven Zeitensprünge-Leser an seinen emsigen ›externen‹ chronologiekritischen Aktivitäten teilhaben zu lassen. Illigs Mitteilungsbedürfnis hat allerdings Grenzen und die fangen dort an, wo es ihm extern an den Kragen geht. Erheblich weniger ausführlich zitiert unser Herausgeber nämlich aus Müller-Karpes Replik zu seiner Stellungnahme. Die entscheidende – für ihn offenbar kritische – Passage unterschlägt er der geneigten Zeitensprünge-Leserschaft. Ich darf sie hier ergänzend anführen: »Illigs Bemerkungen zur Aussagekraft paläolithischer Hinterlassenschaften [...] zeigen, dass er mit diesem Denkmälerbestand in seiner archäologischen Erforschung und kritischen Interpretation nicht hinreichend vertraut ist«.

    »halbumfängliche Vertrautheit verbiegt den geradesten Verstand«

    Die verbreitete Strategie, kritische Texte zu unterschlagen oder zu verstümmeln, ist zwar für den informierten Leser relativ leicht zu entlarven ist, bringt aber häufig durchaus den gewünschten Erfolg. Dies zeigt auch die Rezension von Kutscheras »Streitpunkt Evolution« in dem ansonsten erfrischend kritischen Laborjournal, einem Service-Magazin für Medizin und Biowissenschaften. Der Autor der Rezension, der Redakteur Hubert Rehm gehört zweifellos zu den von der konservativen Professorenschaft am meisten gefürchteten Kritikern des deutschen Wissenschaftsbetriebes. Weil er aber wie Illig mit der Evolutionismus-Kreationismus-Debatte nur ›halbumfänglich‹ vertraut ist, kommt er in seiner Rezension von Kutscheras Machwerk zu dem überraschenden Ergebnis: »Kutschera bleibt immer fair. Bei allem Engagement lässt er die Gegenseite zu Wort kommen. Er verteufelt nicht, er bleibt kühl – [...]«. So ein hanebüchener Unsinn! Das genaue Gegenteil trifft zu. Kutschera bleibt nicht »fair«, sondern agiert inquisitorisch. Und »kühl« ist er nur bei der Verstümmelung und Unterschlagung kritischer Textpassagen, wie ich zuvor und auch schon in meiner Rezension von Kutscheras Lehrbuch »Evolutionsbiologie« zeigen konnte. (Ich habe Herrn Rehm – leider ohne jegliche Reaktion – darauf aufmerksam gemacht, dass er für mich der lebendige Beweis dafür ist, dass es auch noch dem aufrichtigsten Kritiker den Verstand verbiegt, wenn ihm Hintergrundinformationen zu einem Themenbereich fehlen.)

    »weithin das übliche chronologiekritische Standardgequatsche«

    Illig der sich – wie zu Beginn dieses Beitrages angedeutet – durch die Anfrage der Zeitschrift »Erwägen Wissen Ethik« (EWE) wohl arg hofiert gefühlt hat, ist in der Replik von Müller-Karpe nicht ganz zu Unrecht der Unkenntnis der Materie bezichtigt worden. Schon ein Blick in das Literaturverzeichnis von Illigs in EWE veröffentlichter Originalstellungnahme zeigt das bereits bekannte Bild: Dreimal »Der Spiegel« (einmal als Leserbrief), zweimal »Illig« (einmal sogar über Darwin-Finken!), einmal der »Rheinische Merkur«, einmal »Bild der Wissenschaft« und wie immer, einmal »Blöss/Niemitz’ »C14-Crash« und einmal Heinsohns »Wie alt ist das Menschengeschlecht?«. Darüber hinaus nur zweimal so etwas wie Fachliteratur; ansonsten fast ausschließlich populäre Sekundärliteratur und zwischenzeitlich reichlich in die Jahre gekommene chronologiekritische ›Inzucht‹-Literatur. Den Inhalt von Illigs mit »Kippt die naturwissenschaftliche Weltsicht?« übertitelter Stellungnahme kann zumindest ein Zeitensprünge-Leser anhand dieser Literaturliste schon fast konstruieren. Weithin das übliche chronologiekritische Standardgequatsche über verdrängte katastrophische Ereignisse, unzureichend verstandene Evolutionsmechanismen und gravierende Datierungsirrtümer im Allgemeinen sowie wissenschaftliches Intrigantentum im Speziellen.

    »sensationelle Speerfunde zerstören das ›dumpfe‹ Bild vom Homo erectus«

    Illig hätte gut daran getan, sich mit Bezug auf frische Fachliteratur auf die eigentliche Thematik, die Menschheitsgeschichte und Menschwerdung im Paläolithikum zu konzentrieren und schonungslos die Schwächen von Müller-Karpes alterswirrer Argumentation aufzudecken. Anderen von EWE angefragten Autoren, wie dem Frühgeschichtler Thomas Terberger ist dies mit ›bestechendem‹ Hinweis auf die sensationellen altpaläolitischen Speerfunde im Braunkohletagebau bei Schöningen gelungen. Diese Speere passen nicht ins konventionelle ›dumpfe‹ Bild vom Homo erectus, weil sie in ihrer Aerodynamik den Vergleich mit modernen im Hochleistungssport verwendeten Speeren nicht scheuen müssen. Und der Geologe Karl Dietrich Adam fragt erkennbar irritiert, weshalb Müller-Karpe es in seiner »inhaltschweren« und »axiomatischen« Studie eigentlich versäumt hat, den Neandertaler zu erwähnen, der zweifelsfrei ebenso wie die modernen Menschen über eine »Geistbefähigung« verfügte. Demgegenüber meint Illig, die ›gute Sache‹ der Chronologiekritik voranbringen zu können, indem er in seiner Stellungnahme neben einigen sachbezogenen Anmerkungen als ›übergroßen Rucksack‹ die Chronologiekritik von Immanuel Velikovsky über Alfred de Grazia hin zu Blöss/Niemitz und Gunnar Heinsohn und natürlich nicht zu vergessen sich selber gleich mittransportiert.

    »moralisierend dahinplätscherndes ›Wort zum Sonntag‹«

    Selbst für einen ›paläolithischen Laien‹ ist unschwer zu erkennen, dass Müller-Karpe einen Text zur Diskussion gestellt hat, der sich in seinen ›faktischen‹ Teilen in (chronologischer) Unschärfe verliert und der in seinen ›weltanschaulichen‹ Teilen fast ungekürzt als moralisierend dahinplätscherndes »Wort zum Sonntag« veröffentlicht werden könnte. Originalton Müller-Karpe: »Vielmehr ist von Anbeginn an eine menschliche Identität gegeben, da die elterlichen Ei- und Samenzellen von Menschen [von wem denn wohl sonst?, G. M.] stammen. Diese (im pränatalen Zustand allein die Mutter) verwalten treuhänderisch [!] in der frühen Entwicklungsstadien des Heranwachsenden dessen vollwertiges [!] Menschensein, so lange dieses nicht von ihm selbst wahrgenommen werden kann«. Wie sollte Müller-Karpe auch wissen, dass die Vorstellung von einer pränatalen Harmonie zwischen Mutter und Embryo nach den neusten Erkenntnissen der Genforschung zutiefst erschüttert wurde, wenn dies nach Matt Ridley nur den wenigsten Evolutionsbiologen bekannt ist? Tatsächlich stellt sich Schwangerschaft dem Genetiker heute als Schlachtfeld zwischen elterlichen und kindlichen Genen dar. Auch von der neuen ›Biologie des Geistes‹ (vgl. z. B. Eric Kandel) scheint Müller-Karpe entweder noch nie gehört oder wie viele Menschen schlicht verstört zu sein. Deren Experimente liefern gute Gründe dafür, dass unser Geist und unsere Spiritualität von nichts anderem als einem physischen Organ (gemeinhin »Gehirn« genannt) erzeugt werden.

    »willkommene Legitimation für dreiste Eigenpropaganda«

    Den letzten Teil seines Evolutionismus-Artikels widmet Illig der Frage nach der Organisation und dem Sinn des Lebens. Hier zeigt er – sich auf den umtriebigen Biophilosophen Franz M. Wuketits berufend – einmal mehr, dass er dazu neigt, den fachlichen Nährwert von Autoren falsch einzuschätzen. Dies ist mir erstmals in 2001 bei Illigs Rezension von Zillmers Bestseller »Irrtümer der Erdgeschichte« aufgefallen. Ich habe damals eindringlich versucht, ihn davon abzuhalten, Zillmers in weiten Teilen aus chronologiekritischen Versatzstücken zusammengeschustertes Werk, auf eine Stufe (oder gar noch darüber) mit Immanuel Velikovskys »Erde im Aufruhr« zu stellen. Ferner habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er der ›guten Sache‹ der Chronologiekritik mit Verbündeten vom Kaliber Zillmers nur Schaden zufügen könne. Solche zum ungezügelten ›Spektakulieren‹ neigende, aber durchaus erfolgreiche Außenseiter sollten dort brillieren, wo sie der Chronologiekritik keinen Schaden zufügen, nämlich z. B. im P.M.-Magazin. Knorrig-gekränkt teilte Illig mir daraufhin mit, ihm sei es bisher noch nicht vorgekommen, dass eine Rezension schon vorab, d. h. vor der Veröffentlichung (aus-)gebremst würde. Stur und unbelehrbar wie unser Herausgeber nun mal ist, fiel seine Besprechung dann (trotz oder auch wegen meiner Warnung) so positiv aus, dass Zillmer keine Bedenken hatte, sie ungekürzt auf seiner Internetseite zu veröffentlichen. Dort kann man sie bis heute als aus Zillmers Sicht willkommene Legitimation für seine dreiste Eigenpropaganda nachlesen.

    »Kritik, die im selbstgefälligen Lamentieren verflacht«

    Erst drei Jahre später scheint Illig seine Fehleinschätzung erkannt und bereut zu haben. Sein durchaus lesenswerter Veriss von Zillmers »Kolumbus kam als Letzter« (ZS 3/2004) endet wie folgt: »Insgesamt wirkt der Versuch eines Autors, der bislang praktisch nicht zu historischen Zeiten publiziert hat, allzu ambitioniert. Ob der strittig voranschreitenden Chronologiekritik mit diesem überaus eiligen ›großen Wurf‹ Hilfestellung oder ein Bärendienst geleistet worden ist, wird sich zeigen«. Der pfiffige Selbstvermarkter Zillmer hat diesmal natürlich darauf verzichtet, Illigs Rezension auf seine Website zu stellen, bedankt sich aber »recht herzlich« bei Illig (u. anderen) für die »Unterstützung zur Erstellung dieses Buches und für konstruktive Hinweise«. Tatsächlich hatte sich Zillmer großzügig bei diversen Autoren (und diesmal eben auch bei Illig) bedient, ohne dies im Text angemessen kenntlich zu machen. Im Nachhinein ist zu bedauern, dass sich Illigs zweifellos vorhandener kritischer Sachverstand immer erst dann einschaltet, wenn er bemerkt, von einem vermeintlichen Mitstreiter plagiiert zu werden. Illigs Kritik geht dann aber nicht in Selbstkritik über, sondern verflacht in einem selbstgefälligen Lamentieren. Auf diese Weise muss ihm verborgen bleiben, dass auch seine ›Versuche‹ über evolutionäre oder geologische Sachverhalte häufig reichlich bemüht und »allzu ambitioniert« sind.

    »schwer fassbare, unglaublich erfinderische Evolutionsmaschinerie«

    Nach Zillmer hat Illig in seinem neuen Evolutionismus-Aufsatz den Wiener Biologietheoretiker Franz M. Wuketits entdeckt. Wuketits hatte in der Oktober-2005-Ausgabe der Zeitschrift »Aufklärung und Kritik« zu einer Diskussion Stellung bezogen, die durch einen kurzen, in der New York Times veröffentlichten Artikel des konservativen Wiener Kardinal Christoph angezettelt worden war. Schönborn hatte in seinem kurzen »Finding Design in Nature« überschriebenen Artikel zwar eingeräumt, dass die Evolution im Sinne einer gemeinsamen Abstammung der Lebewesen richtig sein könnte. Die neodarwinistische Vorstellung eines ungeplant, ungerichteten Evolutionsprozesses sei aber falsch, weil hinter der komplexen Organisation und großartigen Zweckhaftigkeit des Lebens unzweifelhaft Design durch einen Schöpfer stünde. Wuketits hat sich darauf hin, ähnlich wie zuvor Mayr, Kutschera und wie die evolutionsbiologischen ›Übergrößen‹ alle heißen, relativ vergeblich darin versucht, die unglaublich erfinderische Evolutionsmaschinerie sprachlich so zu umschreiben, dass sie nicht als Resultat einer »Organisationskraft« oder einem (höheren) »Plan« erscheint. Diese Bemühungen amüsieren auch Illig und so zitiert er abschließend den offenbar doch noch über ein Mindestmaß an wienerische Ironie verfügenden Wuketits mit der (allerdings auf den begeisterten Neodarwinisten Michael Ruse zurückgehenden) Bemerkung: »Die Evolution schreitet nirgendwo hin – und das ziemlich langsam«.

    »Katastrophenbeschleuniger und evolutionäres Auslaufmodell«

    Dieser Wuketits ist mir erstmalig in 1999 begegnet, als ich mir – auf seine Einschätzung des endpleistozänen Massensterben gespannt – sein frisch erschienenes Buch »Die Selbstzerstörung der Natur – Evolution und die Abgründe des Lebens« gekauft habe. Mir kamen schon erste Zweifel als ich angesichts des abgründigen Buchtitels im Literaturverzeichnis vergeblich nach Ulrich Horstmanns heimlichen Untergangsklassiker »Das Untier« suchte. Nach kurzer Lektüre des Kapitels über das endpleistozäne Massensterben bestätigten sich meine schlimmsten Befürchtungen: Wuketits gehört zu der Sorte von Philosophen, deren Werke nicht ideologiekritischer und stichhaltiger Überlegung entspringen, sondern die weithin – wissenschaftshistorisch und sprachlich etwas aufgepeppt – nachbeten, was sie im Mainstream gelesen haben. Schlussendlich erfahren wir über unser Verhältnis zur Natur, was wir in jeder einfältigen ›Naturschutzveröffentlichung‹ schon x-mal über das ›pessimistische Bild vom Umgang des Menschen mit der Natur‹ gelesen haben: »Der Mensch ist zum größten Katastrophenbeschleuniger in der Natur geworden und schon jetzt ein evolutionäres Auslaufmodell«. Aus Verärgerung habe ich die Postkarte, auf der man höflich gefragt wird, wie man auf das Buch aufmerksam geworden ist und ob man mehr über das Verlagsprogramm erfahren möchte, gleich dazu genutzt, den Verlag auf Wuketits’ Neigung, auf der Ebene des Mainstreams Herumzuschwadronieren aufmerksam zu machen. Natürlich ohne jegliche Reaktion...

    »›Zigeuner-am-Rande-des-Universums‹-Metaphorik«

    Jetzt hat Illig, der - in »einer guten [!], strikt der ›Aufklärung und Kritik‹ verschriebenen und deshalb so benannten Zeitschrift« - auf Ratgeber Wuketits gestoßen ist, mir eine Gelegenheit gegeben, noch mal nachzulegen. Im Kapitel »Vom Sinn« zitiert Illig erneut Wuketits und zwar diesmal als wichtigen Hilfesteller bei der Sinnsuche. Einem Sinn, der den Menschen laut Illig als unerwünschte Nebenwirkung der Evolutionstheorie abhanden gekommen ist. Wuketits geht den ziemlich erbaulich formulierenden Joachim Kahl zitierend (der wiederum an Jacques Monods originelle »Zigeuner-am-Rande-des-Universums«-Metaphorik anknüpft) davon aus, dass die darwinistische Evolutionstheorie dafür gesorgt hat, dass es »keine unzerstörbare, ideale Sinnstruktur der Welt, der wir uns vertrauensvoll, gläubig, einzufügen hätten und darin geborgen wären« mehr gibt. Schon hier stutzt der Laie! Gab es da nicht schon vor Darwin Aufklärer, die diese »ideale Sinnstruktur der Welt« mit Hohn und Spott überschüttet haben? Denken wir z. B. nur an einen Voltaire, der weder einen Darwin kannte, noch einer darwinschen Evolutionstheorie bedurfte, um die damalige ›religiöse Werterepublik‹ zu karikieren. Aber damit nicht genug, der Darwinismus hat laut Wuketits nicht nur das Potenzial falsche Sinngebung zu zerstören, sondern soll uns auch noch Hilfestellung bei der Sinnsuche geben.

    »Marionetten eines letztlich undurchschaubaren Designers«

    Wuketits an die Philosophie des Ultra-Darwinisten Richard Dawkins angelehnte Argumentation lautet wie folgt: »Wäre nämlich die Evolution geplant, jeder einzelne Mensch das Ergebnis eines umfassenden Plans, dann wäre es um unsere Individualität schlecht bestellt. Wir wären Marionetten eines in seinen Absichten letztlich undurchschaubaren Designers. Hingegen gibt uns die Annahme einer sinnlosen Evolution die Möglichkeit, unseren Sinn – gemäß unseren individuellen Neigungen, Vorstellungen und Wünschen – selbst zu suchen (und zu finden) und uns dabei (selbst wenn's eine Illusion ist) frei zu wähnen«. So ein Quatsch! Wenn uns erst die Ultra-Darwinisten ermöglicht hätten, unseren Lebenssinn frei und individuell suchen können, dann hätte ich ja auch die Möglichkeit, wieder an einen großen Designer zu glauben und den Evolutionismus zu verteufeln. Womit die freiheitliche Sinnsuche ja irgendwie wieder hin wäre... Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz, d. h. die Evolutionisten müssen sich entscheiden, ob sie nun wahrheitssuchende Naturwissenschaftler oder sinnspendende Befreiungstheologen sein wollen. Im Übrigen liest, wer auf der Suche nach einem tragfähigen Sinn ist, in der Regel weder Darwin, noch Dawkins oder gar einen Wuketits, sondern schlicht gute Romane über die Abgründe und Höhenflüge des Lebens. Alternativ kann man sich natürlich auch gleich gezielt bei lebenserfahrenen und lebenstüchtigen Philosophen, wie z. B. Schopenhauer informieren.

    »keine mildernden Umstände für das Pestbakterium«

    Völlig abstrus wird Wuketits Argumentation als er behauptet, dass »Evolutionsdenken« sei auch deshalb eine der »tragenden Säulen« eines »säkularen, humanistischen Weltbildes«, weil das Wissen um den »gemeinsamen Ursprung« dazu beiträgt, uns von »rassistischen Parolen nicht blenden zu lassen«. Gibt es da im Protokoll der berüchtigten Wannsee-Konferenz, in der die »Endlösung der Judenfrage« dokumentiert ist, nicht eine sich explizit auf das »Evolutionsdenken« beziehende Passage, in der die Ausmerzung des »widerstandsfähigsten«, »verbleibenden Restbestandes« der Juden gefordert wird, damit diese nicht »eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues« fungieren können? Und ist die »natürliche Auslese« für Darwinisten nicht der zentrale Mechanismus, der den evolutiven Wandel und damit letztlich auch den »gemeinsamen Ursprung« bewirken soll? Und verbindet die Menschheit nicht auch mit dem Pestbakterium ein »gemeinsamer Ursprung«, ohne dass dies irgendwelche mildernden Umstände für unser ausgesprochen feindlich gesinntes Verhältnis zu ihm hat? Der Gedanke an den »gemeinsamen Ursprung« kann es also nicht sein, der uns zu friedlichen Wesen werden lassen könnte, dann schon eher die christliche Angst vor jüngstem Gericht, die jüdische Botschaft der Brüderlichkeit oder die laut »Kritischer Theorie« speziesneutrale, d. h. auch (Wirbel-)Tiere einbeziehende Wertsetzung eines quälbaren Körpers‹(vgl. Susann Witt Stahl).

    »offenbar nie einen deutschen Biologieunterricht besucht«

    Illig, der ja zumindest mit geschichtlichem Wissen bestens vertraut sein sollte, kommentiert Wuketits naive Sinnstiftungs-Philosophie in seinem Evolutionismus-Artikel ziemlich ›blauäugig‹ und ahnungslos wie folgt: »Solche sinnstiftenden Hilfestellungen muss die Evolutionsbiologie leisten, sonst wird sie im Wettbewerb mit anderen Erklärungen unterliegen oder ein in der Schule nicht weiter beachtetes Schattendasein führen«. Kann es sein, dass Illig nie einen deutschen Biologieunterricht besucht hat und daher nicht wissen kann, dass die Biologie aufgrund ihrer lebensweltlichen Anschaulichkeit schon jetzt zu den sinnstiftesten naturwissenschaftlichen Schulfächern zählt? Und kann es sein, dass er sich deshalb von der unter Evolutionsbiologen grassierenden Paranoia hat anstecken lassen, kreationistische Sinngebungs-Metaphorik würde deutsche Schulen infiltrieren? Erinnern wir uns, dass Illig in seinem Evolutionismus-Artikel auch die empörte Rüge des Evolutionisten Kutschera an den leider viel zu früh verstorbenen Anglisten, Philosophen und Sachbuchautor Dietrich Schwanitz kommentiert. Schwanitz hatte in seinem Bestseller »Bildung – Alles, was man wissen muss« kurz und knapp bemerkt: Naturwissenschaftliche Erkenntnisse tragen »einiges zum Verständnis der Natur, aber wenig zum Verständnis der Kultur bei«. [...] Sie »müssen zwar nicht versteckt werden, aber zur Bildung gehören sie nicht«. Illig kommentiert Kutscheras Rüge mit der Bemerkung, dass heftige Kritik am Überbringer der Botschaft nicht viele ändere und die Biologie gut beraten wäre, sich stärker darauf zu besinnen, »nun einmal sehr starke Überschneidungen mit den Aussagen der Religionen zu haben«.

    »die Wirklichkeit verzerrende, weltanschauliche Überfrachtungen«

    Wieder so ein verbrämter, aus Stückwerkwissen zusammengezimmerter Illigscher Unsinn! Von den naturtheologischen Wurzeln der Biologie einmal abgesehen, kann ich überhaupt keine Überschneidungen zwischen Religion und Biologie erkennen. Offenbar ist Illig hier mangels fundiertem naturwissenschaftlichem Wissen erneut den Ultra-Darwinisten auf den Leim gegangen. Bereits vor 20 Jahren hat der begeisterte Neodarwinist Michael Ruse deren disziplinären Größenwahn unverblümt formuliert: »With a growing number of distinguished evolutionists - including Ernst Mayr, Edward O. Wilson, and Francisco F. Ayala - I believe that Darwinism is more than just a scientific theory. It is the basis for a full world view, a Weltanschauung«. Auch der Ultra-Darwinist Richard Dawkins bezeichnet in seinem bekannten Buch »Der Blinde Uhrmacher« das darwinsche Erklärungsmodell als eine Theorie, »die es Wissenschaftlern ermögliche, intellektuell erfüllte Atheisten zu sein«. Da kein Zweifel daran besteht, dass auch der Atheismus eine Weltanschauung ist, missbraucht Dawkins hier offenbar die Evolutionstheorie zur Absicherung einer weltanschaulichen Grundeinstellung. Dies bleibt nicht ohne Konsequenzen: Ein solch fundamentales weltanschauliches Interesse an einer Theorie hat keinen günstigen Einfluss auf eine möglichst unbefangene Prüfung ihrer Tauglichkeit. Offenbar leiden Kreationisten wie Evolutionisten an der gleichen, die Wirklichkeit verzerrenden weltanschaulichen Überfrachtung.

    »kaum zu entschlüsselnde, kryptische Zitierverweise«

    Ein paar randständige Bemerkungen zur Zitierweise im Zeitensprünge-Bulletin, auf deren korrekte Beachtung (wie jeder ZS-Autor weiß) unser Herausgeber einen besonders großen Wert legt. Allein in dieser Bulletinausgabe finden wir diverse Zitiervarianten: Nur den Autorennamen, den Autorennamen mit Jahresangabe oder mit Seitenangabe sowie den Autorennamen mit beiden Angaben. Dies alles gibt es dann noch in einer weiteren Variante mit ›verstümmelten‹ Autorennamen. Im Kapitel »Kippt die naturwissenschaftliche Weltsicht?« seines Evolutionismus-Potpourri hat Illig schließlich selbst den Überblick verloren. Hier führt Illig in gekürzter Form seine Stellungnahme zu Müller-Karpes ›Altersfrömmeleien‹ an und weist vieldeutig auf eine »geänderte Zitationsweise« hin. Wie sieht diese nun tatsächlich aus? Alle von ihm in eckige Klammern gesetzten, zum Teil höchst kryptischen Zitierverweise etwa »[K.-W. ((11))]« sind im Literaturverzeichnis ohne Gegenstück. Ohne Rückgriff auf die als Einzelheft 23,00 Euro teure EWE-Zeitschrift ist die Zitation nicht zu entschlüsseln. Auch diese Posse wird der Herausgeber als lässliche Verfehlung mit Hinweis auf seine übermenschlichen Anstrengungen als Redakteur, Autor und Dienstbote in eigener Sache aussitzen. Auf eine professionelle numerische, im Literaturverzeichnis alphabetisierte Zitation werden wir wohl weiterhin verzichten müssen.

    »Autorennamen gleich Reihenweise verhunzt«

    Es gibt noch ein weiteres, eher formales Indiz dafür, dass Illig sich mit seinem evolutiven »Kessel Buntes« übernommen hat. Unser Herausgeber ist nämlich nicht nur für sein starres Festhalten an der einmal eingeführten Zitationsweise bekannt, sondern auch dafür, ausgesprochen viel Wert, auf eine korrekte Orthographie in den Bulletin-Artikeln zu legen. Da überrascht, dass er diesmal Höchstselbst gleich Reihenweise die Autorennamen verhunzt: Aus einem »Franz M. Wuketits« wird durchgängig und sogar in den Überschrift ein »Franz Wuketis«, aus einem »Niles Eldredge« ein »Niles Eldridge« und aus einem »Dietrich Schwanitz« wird ein »Dieter Schwanitz«. Im Editorial kündigt Illig schon fast rituell, d. h. hier wie immer ziemlich unbescheiden an, dass sein Bulletin dieses Mal »vom Umfang und von seiner Beteiligung her nicht zu überbieten ist«. Im ungenierten Malle-Deutsch übersetzt, heißt das: ›Ich bin so toll, das ist mir klar, so toll wie ich noch niemals war...!‹

    »das Recht des ›Contributing Editors‹ auf den ersten Beitrag«

    Noch ein Wort zum »Contributing Editor« Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Gunnar Heinsohn (das »pol.« ist dabei kein ›ehernes‹ Kürzel für ›Polska‹, der Heimat seine Gattin, sondern für ›politicarum‹...). Weil er im Wissenschaftsbetrieb gut aufgestellt ist, hat er neben dem ›contributen‹ vor allem die Funktion, das akademische Ansehen des Bulletins zu steigern. Da kann er sich schon mal – ohne Sanktionen befürchten zu müssen – erlauben, unserem Herausgeber ziemlich dahingeworfene Artikel (z. B. »Kopflaus und Hominiden-Chronologie« in ZS 3/2004) anzudienen. Mit seinem aktuellen »Tyrannosaurus rex«-Beitrag hat er dieses Mal anständige Arbeit abgeliefert. Aber muss Illig deshalb dem kaum fünf Seiten ›langen‹ Artikelchen (angesichts eines über 250 Seiten umfassenden Bulletin) gleich das Titelbild widmen? So ist unser Herausgeber nun mal: Der hofierte »Contributing Editor« bekommt völlig unabhängig von der Qualität seiner Artikel entweder das Recht des ersten Beitrages, das Titelbild oder wie in diesem Fall beides. Die Polposition hätte ich diesmal Hans-Erdmann Korths vielschichtiger »Chronologie des Abendlandes« gegönnt, die Heinsohns Kurzabriss der chinesischen Chronologie weit überragt. Wir sehen, im Prinzip herrscht in Illigs Bulletin derselbe elende Klüngel wie im akademischen Wissenschaftsbetrieb. Illig scheint hier kaum lernfähig zu sein, denn erst kürzlich war er noch selber ›Opfer‹ eines solchen Geschachers. Während Müller-Karpe seinem ›verdienten‹ Kollegen Müller-Beck eine ganzseitige Replik widmet, wird der offenbar für Müller-Karpe innerwissenschaftlich nicht satisfaktionsfähige Illig mit einem kurzen Absatz abgefertigt.

    »Tyrannosaurus rex: Sprintstarker Jäger oder feiger Aasfresser?«

    Zurück zu unserem ›titelbildenden‹ Tyrannosaurus rex, dessen Bezeichnung sinngemäß soviel wie »Furchtbare Königsechse« heißt. Das Titelbild zeigt ihn in klassischer Darstellung als schnellen und brutalen Jäger. Unser omnipotenter Herausgeber meint, dazu erläuternd bemerken zu müssen: »Sprintstarker Tyrannosaurus, wie ihn die Realität nie kannte«. Woher aber kennt Illig »die Realität>«? Wie wir zwischenzeitlich rekonstruieren konnten vor allem aus zweiter Hand in den Mund, nämlich der Süddeutschen Zeitung, dem Spiegel und dem Deutschlandfunk. Illig will uns mit seiner Bemerkung zeigen, dass er bestens über die Zweifel am Killer-Image des T-Rex informiert ist. Gegen einen schnellen Raubsaurier spricht dabei vor allem das ungeheuer große Gewicht des elefantenschweren Kolosses. Entschieden ist die Kontroverse, ob der T-Rex ein sprintstarker Jäger oder ein feiger Aasfresser war, deshalb keineswegs. Müssen wir Chronologiekritiker und Neokatastrophisten uns aber damit hervortun, aktuelle wissenschaftliche Diskussionen nachzubeten? Sollten wir nicht vielmehr eigene Positionen erarbeiten und z. B. hier darauf hinweisen, dass beide Seiten in aktualistischer Sichtweise davon ausgehen, dass damals die gleichen Schwerkraftverhältnisse wie heute herrschten? Schließlich hat schon Immanuel Velikovsky über ein von elektromagnetischen Kräften beherrschtes Universum geschrieben, in dem die ›Gravitation‹ zu einer sehr variablen Größe wird.

    »wissenschaftliche Intriganten und kreationistische Frühwarnsysteme«

    Illig gibt sich in der Evolutionismus-Kreationismus-Debatte als ausgesprochen linientreu und mehrheitsfähig, um den zahllosen und vielfach ›widerlichen‹ Gegnern seiner Phantomzeitthese nicht noch zusätzliche Angriffsflächen zu bieten. Damit er nicht zu wissenschaftskonform wirkt, empört er sich dafür um so mehr über die unglaublichen Eskapaden des dreist-schillernden Anthropologieprofessors und skrupellosen C14-Fälschers Reiner Protsch von Zieten. Protsch (der erst spät seine adeligen Wurzeln als »von Zieten« entdeckte und sich schon früh als Schüler des Nobelpreisträgers Libby stilisierte) hat über ein viertel Jahrhundert lang, offenbar völlig unbehelligt von den Kontrollinstanzen des Wissenschaftsbetriebes, sein Fälscherhandwerk ausgeübt. Erst als der Skandal öffentlich ruchbar wurde, jagte man ihn als personifiziertes wissenschaftliches Intrigantentum aus den Ämtern. Als Chronologiekritiker kann man mit Illig nur hoffen: Mehr von dieser Sorte, damit bei deren »Fallen« die »komplette Chronologie inklusive aller darauf aufbauenden Theorien in den Abgrund« gerissen wird. Wer ist diesem Protsch eigentlich als Erster mit einer gehörigen Portion Skepsis entgegengetreten? Nein, nicht der Frühgeschichtler Thomas Terberger, der sich in 2001 über die Vielzahl von Protsch datierter ›alter Schädel‹ wunderte, sondern die (Hindu-)Kreationisten Michael A. Cremo und Richard L. Thompson in ihrem 1993 erschienenen Buch »Forbidden Archeology«. Zu Protsch’ C14-Datierung eines umstrittenen, für die Fundschicht zu modernen Homo-Skelettes, beziehen sie wie folgt Stellung: »Alles in allem scheint Protsch einen erwünschten Dienst geleistet zu haben: Er brachte ›Licht‹ in eine problematische Entdeckung, und siehe da, jetzt paßte sie in die akzeptierte Evolutionssequenz«. Ohne Frage, die Kreationisten sind und waren das beste Frühwarnsystem und unbestechlichste Korrektiv für die Wissenschaftszunft.

    Epilog über Illig und Birken

    Dr. Heribert Illig schreibt im Editorial: »Die vorliegende Zeitensprünge-Ausgabe ist [...] von meiner Beteiligung her nicht zu überbieten«. Das bewahrheitet er ganz unverblümt in seinem ergänzenden Artikel »Italia praeparata« zu dem Beitrag »Italiens Phantomzeit« von Dr. Andreas Birken. Dieser hatte den unverzeihlichen Fauxpas begangen, Illig in einem Themenbereich, in dem er bereits umfängliche Vorarbeit geleistet hatte, nur einmal im Literaturverzeichnis zu erwähnen. Illig schritt darauf hin ›lektionierend‹ ein, konnte aber offenbar den störrisch reagierenden Birken nicht überzeugen, dies gehorsamst einzusehen und selbst gebührend zu ändern. Birken kam dem eifrigen Lektor in eigener Sache aber insoweit entgegen, als er Illig zugestand, die Literaturliste seines Beitrages nebst Anmerkungen eigenständig zu ergänzen. Dies ist nicht ohne Logik, denn keiner kennt die vielen fehlenden Illigs so gut wie Illig selber.... Es mag den ein oder anderen Zeitensprünge-Leser überrascht haben, dass Illig dieses Ansinnen abgelehnt hat. Weshalb? Ich denke, hier ist unserem – ansonsten bekanntermaßen ziemlich hemmungslos agierendem – Herausgeber in einem Augenblick der Selbsterkenntnis klar geworden, dass eine Umsetzung von Birkens Vorschlag, seine Selbstgefälligkeit allzu sehr bloßgestellt und einen altgedienten Autor womöglich nachhaltig vergrault hätte. Doch Illig konnte und wollte sein persönliches Anliegen dennoch nicht aufgeben und findet den Ausweg in einem umfänglichen Ergänzungsartikel. Dieser soll dem geneigten Leser ohne Eingriff in Birkens Artikel, sein Vergehen oder genauer gesagt Übergehen Illigs in aller Deutlichkeit vor Augen führen. Und so stammen dann auch in diesem Artikel nicht weniger als 16 der insgesamt 24 Literaturtitel von Illig. Illig und kein Ende...

    Literatur

    Adam, Karl Dietrich (2005): Nosce te ipsum – die Sonderstellung der Gattung Homo in der menschlichen Geschichte. – In: Erwägen Wissen Ethik (EWE)16 (1), 92-95

    Bär, Siegfried (2003): Die Zunft – Das Wesen der Universität, dargestellt an der Geschichte des Professorwerdens und des professoralen Liebesleben. – Merzhausen

    Cremo, Michael A. & Thompson, Richard L. (1996): Verbotene Archäologie – Sensationelle Funde verändern die Welt. – Essen

    Dawkins, Richard (1987): Der blinde Uhrmacher – Ein Plädoyer für den Darwinismus. – München

    Heinsohn, Gunnar (2006): Tyrannosaurus rex und seine taufrischen Blutgefäße. – In: ZS 18 (1), 208-212

    Horstmann Ulrich (1985): Das Untier – Konturen einer Philosophie der Menschflucht. – Frankfurt/M.

    Illig, Heribert (2005): Kippt die naturwissenschaftliche Weltsicht? – In: EWE 16 (1), 119-120

    – (2006): Gerät der Evolutionismus ins Abseits? Ulrich Kutschera – Hermann Müller-Karpe. – In: ZS 18 (1), 213-238

    Kahl, Joachim (2001): Die Frage nach dem Sinn des Lebens. – In: Aufklärung und Kritik 8 (1), 63-71

    Kampe, Norbert, Hg. (2000): Villenkolonien in Wannsee 1870 – 1945, Großbürgerliche Lebenswelt und Ort der Wannsee-Konferenz. Berlin

    Kandel, Eric (2006): Auf der Suche nach dem Gedächtnis – Die Entstehung einer neuen Wissenschaft des Geistes. – München

    Korth, Hans-Erdmann (2006): Zur Chronologie des Abendlandes. – In: ZS 18 (1), 164-184

    Kutschera, Ulrich (2004): Streitpunkt Evolution – Darwinismus und Intelligentes Design. – Münster

    Mayr, Ernst (1994): ...und Darwin hat doch recht. Charles Darwin, seine Lehre und die moderne Evolutionstheorie. – München & Zürich

    Menting, Georg (2001): Explosive Artbildung bei ostafrikanischen Buntbarschen. In: Naturwissenschaftliche Rundschau 54 (8), 401-410

    Monod, Jacques (1996 zuerst 1970): Zufall und Notwendigkeit – Philosophische Fragen der modernen Biologie. – München & Zürich

    Müller-Karpe, Hermann (2005): Geschichtlichkeit des paläolithischen Menschen. Fakten und Anschauungen. – In: EWE 16 (1), 85-92

    – (2005): Replik – Anthropologisches oder humanes Weltbild. – In: EWE 16 (1), 136-146

    Müller-Karpe (1999): Zur frühen Menschheitsgeschichte. – In: Sitzungsberichte der wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

    Rehm, Hubert (2006): »Spannend und amüsant aber auch anspruchsvoll« – Rezension von Ulrich Kutscheras »Streitpunkt Evolution«. – In: Laborjournal – Service-Magazin für Medizin und Biowissenschaften, H. 4, 101

    Ridley, Matt (2000): Alphabet des Lebens – Die Geschichte des menschlichen Genoms. – München

    Ruse, Michael (1986): Taking Darwin seriously – A naturalistic approach to philosophy. New York

    Schönborn (Kardinal), Christoph (2005): Finding Design in Nature. – In: New York Times vom 07.07.2005

    Schopenhauer, Arthur (1988, zuerst 1851): Parerga und Paralipomena II. – Zürich

    Schwanitz, Dietrich (2002): Bildung – Alles, was man wissen muss. München

    Terberger, Thomas (2005): Der Speerwerfer und Feuerhüter – Mensch oder nur biologisch determinierter Hominide. – In: EWE 16/1, 130-133

    Velikovsky, Immanuel (1946 ): Cosmos without gravitation – Attraction, repulsion and electromagnetic circumduction in the solar system.– In: http://www.varchive.org/ce/cosmos.htm

    Witt Stahl, Susann (2005): Kirchenkritiker Karlheinz Deschner im Interview: »Eine Revolution wäre nötig«. – In: natürlich vegetarisch H. 3, 9-12 (www.deschner.info/de/person/interviews/vebu.pdf)

    Wuketits, Franz M. (1999): Die Selbstzerstörung der Natur: Evolution und die Abgründe des Lebens. – Düsseldorf

    – (2005): (Un-)Intelligent Design? Bemerkungen zur aktuellen Diskussion über Evolution und Sinn. – In: Aufklärung und Kritik 12 (2), 7-17; (www.gkpn.de)

    G.M., 12.06.06


     

     

    Der Dodo, Illig und die Pinguine

    Dr. Heribert Illig – versierter Karlsleugner und langjähriger Herausgeber des chronologiekritischen Zeitensprünge-Bulletins - juckt es in den Fingern. Da es ja bekanntlich schwer fällt, nicht zu kommunizieren, ist jede neue Zeitensprünge-Ausgabe für mich immer auch ein willkommener Anlass zu prüfen, ob wir noch kommunizieren.

    In der neusten Ausgabe seines Bulletins (3/2006) ist es wieder so weit. Illig versucht sich erneut an der Naturgeschichte und als ob dies nicht schon genug wäre, auch noch an meinem naturgeschichtlichen Steckenpferd, dem »Dodo«. Unter der blumigen Artikelüberschrift »Nachtarock zu Themen im Heft« finden wir den Kurzbeitrag »Der immens schwimmfähige Dodo«.

    Illig problematisiert darin - in Anlehnung an Gunnar Heinsohns Artikel über die rätselhafte Herkunft der Meeresleguane auf dem Galápagos-Archipel - wie es den Vorfahren des Dodo eigentlich gelungen ist, »die äonenweite Reise durch Zeit und Raum« (also übers Meer!) nach Mauritus zu bewältigen? Eine durchaus überraschende, weil eigentlich überflüssige Frage, denn sie ist bereits ziemlich schlüssig beantwortet: Die äußerst flugfähigen Vorfahren des Dodos haben die abgelegene Insel fliegend erreicht!

    Wie dem auch sei, Illig konnte sich denken, dass ich einen Beitrag zum Dodo nicht unkommentiert lasse. Ich ging daher bei der ersten Lektüre seines Artikels davon aus, dass er besonders sorgfältig recherchiert ist. Doch was muss ich da zu Beginn des zweiten Abschnittes lesen: »Der im 17. Jh. auf Mauritius ausgestorbene flugunfähige Dodo lässt sich per DNA von Pinguinen herleiten.«

    Mein erster Gedanke, jetzt will dich aufs Glatteis führen und dir eine Falle stellen, denn zweifelsfrei ist der Dodo nicht mit Pinguinen, sondern mit der (sehr flugfähigen) ostasiatischen Kragentaube (Caloenas nicobarica) verwandt. Mein zweiter Gedanke, Illig meint es wirklich ernst und irgendwo in der ihm zugänglichen Sekundärliteratur muss sich ein übler Fehler eingeschlichen haben.

    Wo konnte Illig gesucht haben? Da unwahrscheinlich ist, dass er über aktuelle Literatur zum Dodo verfügt, vermutete ich sofort im Internet. Und was steht heute an oberster Stelle, wenn man einen Begriff in Google eingibt? Natürlich ein Link auf die freie Enzyklopädie WIKIPEDIA! Erstaunlicherweise enthält (bzw. enthielt) der dortige Dodo-Artikel nur einen Hinweis auf DNA-Abgleiche und nicht deren Ergebnisse. Aber es gibt einen internen Link auf Beth Shapiro, eine US-amerikanische Evolutionsbiologin, deren Forscherteam die DNA- Untersuchungen vorgenommen hat.

    Und was steht in diesem Artikel über das Ergebnis der DNA-Abgleiche von Dodo-Knochen mit anderen Vogelarten? »Der DNA-Vergleich zeigte eine enge Verwandtschaft zu dem ebenfalls ausgestorbenen Rodrigues-Solitär und dem Pinguin«. Wie ist dieser Unsinn in WIKIPEDIA gekommen? Ein eifriger User hatte wohl aufgrund des englischen Namen »Nicobar pigeon« für die ostasiatische Kragentaube »Pinguin« assoziiert. Da ich selbst in WIKIPEDIA aktiv bin, habe ich den peinlichen Fehler – Illig sei Dank – schnell korrigiert.

    Natürlich zu spät für Illig, der aufgrund der falschen Abstammungsverhältnisse meint, über den »immens schwimmfähigen Dodo« spötteln zu müssen. Dieser Spott ist sogar in mehrfacher Hinsicht nicht durchdacht: Pinguine sind vorrangig keine Schwimmer, sondern immens gute Taucher, die durchaus in der Lage sind, im Meer, weite Strecken zu überbrücken. Dies zeigt auch die am Weitesten nördlich lebende Art, die wie das Schicksal so will, auch noch zufällig auf dem von Heinsohn angeführten Galápagos-Archipel (also vom Breitengrad her einige 1.000 km weiter nördlich als Mauritius!) lebt.

    Illig hätte zur Absicherung nur auf meine Internetseite den selbstredenden Artikel »Vom Dodo lernen[!]« lesen müssen; aber diese Website meidet er ja bekanntlich (oder auch verständlich) wie der Teufel das Weihwasser. Das eigentliche Problem liegt aber wohl grundsätzlicher: Illig maßt sich in der Nachfolge des großen Dr. Immanuel Velikovsky an, jegliche Thematik chronologiekritisch erhellen zu können. Das war zu Zeiten als die Chronologiekritik noch in den Kinderschuhen steckte, vielleicht noch möglich und sinnvoll. Aber heute weht ein anderer Wind:

    Erstens hat die Chronologiekritik sich zwischenzeitlich so ausdifferenziert, dass eine einzelne Person nicht mehr alle Themenbereiche abdecken kann, zweitens mangelt es Illig an fundierten naturgeschichtlichen Grundkenntnissen (und auch qualifizierten Gesprächspartnern, die ihm diese vermitteln könnten), drittens ist er so in die erfolgversprechende und zukunftsträchtige Mittelalterdebatte verstrickt, dass er gar keine Zeit dazu hat, einen naturgeschichtlichen Beitrag gründlich zu recherchieren und ›last but not least‹ hat Illig, der sicherlich nicht nur in seiner Selbstinterpretation, sondern in diversen Themenbereichen auch objektiv eine ›Übergröße‹ ist, doch nicht ganz das Format eines Velikovsky!

    Von diesem, für Illig inzwischen typischen Ausrutscher einmal abgesehen, kann ich allen Lesern die letzte Zeitensprünge-Ausgabe nur wärmstens zur Lektüre empfehlen: Alt bewährte (also auch mehrfach Illig), aber auch neu hinzugekommene Autoren haben viele interessante und erhellende Beiträge zur Chronologiekritik geschrieben.

    Allerdings muss sich der Leser auch wieder auf einen hochspezifisch bis kryptisch schreibenden Dr. Peter Winzeler gefasst machen. Und so will z. B. folgende Passage aus seinem Beitrag »Eine Schwurformel auf Schuppilulijama II. – Weissgerbers Mittelhethiter (Abirrungen III)« erst einmal verdaut sein:

    »Wenn die Arnuwanda am Arnon gewaltet haben, fällt das Auge auf das Jebus des Arauna, wo Jauchazi (Joachaz, Ahasia) Tiglatpileser zu Hilfe rief [2Kön 16,7, Js 7,1]. Doch da Salmanasser das Bit-Agusi beschlagnahmte (10. Jahr) und in Babel im Neumonat Juli (Ululu) seinen Kronprinzen installiert, schrieb Elijahu an Joram-Muwattallis einen hasserfüllten Brief… [2Chr 21,12-20]:«

    Alles verstanden?! Etwa nicht?! Ich kann versichern, dass die zitierten, kaum auszusprechenden und geschweige denn verständlichen Begriffsabfolgen keinen Fehler enthalten. Ich habe alles Buchstabe für Buchstabe abgeschrieben. Immerhin hatte ich bei dem Begriff »Schuppilulijama« aus der Artikelüberschrift eine vage Assoziation, die ich nach langem Inmichgehen fixieren konnte:

    Es gab in meiner Grundschulzeit ein argloses Lesebuch, das die »Die sieben Ähren« hieß. Darin stand ein schönes Kindergedicht, das aufgrund seiner Aufbaus relativ einfach auswendig zu lernen war. In den Tiefen des Internets konnte ich den Reim mit einiger Mühe wieder finden:

    Zipplilippmalonimilipp

    Es war einmal ein Mann,
    der hatte drei Söhne.
    Der erste hieß Zapp,
    der zweite hieß Zapplilapp,
    der dritte Zapplilappmalonimilapp.

    Es war einmal ´ne Frau,
    die hatte drei Töchter.
    Die erste hieß Zipp,
    die zweite hieß Zipplilipp,
    die dritte Zipplilippmalonimilipp.

    Eines Tages trafen sich die Frau und der Mann und heirateten.

    Da nahm der Zapp die Zipp.
    Der Zapplilapp die Zipplilipp.
    Der Zapplalappmalonimilapp die Zipplilippmalonimilipp.

    G.M., 17.01.07


     

    Hier kann man lesen, wie eine flügellahme Taube auf antarktisches Glatteis gerät und in den Brunnen fällt.

     

    »Das große Jubiläumsheft« - Große Jubiläen werfen ihre Schatten vor und zurück

    Eigentlich wird im interdisziplinären Zeitensprünge-Bulletin von Dr. Heribert Illig aufgrund der evidenzorientierten Streichung überflüssiger Jahrhunderte und Jahrtausende ja fast alles immer jünger. Doch wie im richtigen Leben wird auch hier vieles immer älter, weil der Zahn der Zeit an in die Jahre gekommenen Autoren und Ausgaben nagt. So ist Heft 3/2008 eine große Jubiläumsausgabe, auf deren Titel uns der 65. Jahre alt gewordene Mitherausgeber Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Gunnar Heinsohn entgegenstrahlt.

    Mit etwas über 300 Seiten ist es nicht nur das umfang- und artikelreichste, sondern wohl auch das schrulligste und unprofessionellste Bulletin, das je erschienen ist. (Was nicht mit uninteressant gleichzusetzen ist, weil es wohl auch zukünftig noch eine ergiebige Fundgrube für Schrullensucher sein wird.*) Und dass dies so ist, liegt vor allem an dem nicht abschwellen wollenden, schwer erträglichen Festschriftgesäusel, das fast alle Beiträge (auch die guten) auf den (fast schon bemitleidenswerten) Mitherausgeber und Jubilar Heinsohn hin verbiegt.

    Es liegt aber auch an Illig selber, der sich (wie schon öfters) darin sonnt, mit der Fertigstellung eines superlativen Heftes als Herausgeber wieder einmal Übermenschliches geleistet zu haben. In seiner in provokante Ironie verpackten flotten Lobeshymne ist er auf den fast schon verboten erfolgreichen - weil leichtfüßig von Event zu Mega-Event durch die Welt lustwandelnden - Mitherausgeber insoweit nicht gut zu sprechen, als dieser sich der redaktionellen Kärrnerarbeit elegant entzieht und nur sporadisch einige Beitrags-Rosinen beisteuert.

    Verschiedene Passagen von Illigs fulminanter Festrede sind allerdings selbst für einen langjährigen Bezieher des Bulletins kaum verdaulich, weil sie wohl einer Motivlage entspringen, in der respektvolle Anerkennung seines Mitherausgebers, unverhohlener Ärger über dessen Untätigkeit und kaum verdeckter Neid über seine nicht enden wollende Erfolgsgeschichte eine merkwürdig verquaste Melange eingehen. Unglücklich verworren auch das Kapitel »Ausblick: Zwei Drittel«, in dem sich der Herausgeber trübsinnig-verschrobene Gedanken darüber macht, wie lange es die Zeitensprünge noch geben wird.

    Darin vermischt er völlig abstruse Gefahren für den Fortbestand des Bulletins durch »die Weltfinanz- und -wirtschaftskrise« oder »die demographische Entwicklung« mit eher realen wie »eine schwer zu interessierende Jugend«. Ferner bemisst er die Lebenserwartung des Mitherausgebers an der des erst kürzlich sagenhafte 105 Jahre alt gewordenen Künstlers Johannes Heesters. Daraus ergibt sich für ihn »wie selbstverständlich«, dass »bislang erst ein Drittel des periodikalen Potentials ausgeschöpft ist« und das Bulletin noch 40 Jahre (oder eben zwei Drittel) vor der Brust hat.

    Was soll diese irrwitzige Hochrechnung? Soll sie Heinsohn, von dem wir wiederholt erfahren, dass er seine Aufgaben sträflichst und ohne Aussicht auf Besserung vernachlässigt, anspornen? Weshalb eigentlich, wo doch jedem Insider bekannt ist, dass allein die Lebenserwartung von Illig für den Fortbestand des Bulletins entscheidend ist. Der tut sich bekanntlich schwer, mit überhaupt irgendjemandem zusammenzuarbeiten, so dass ihm die Untätigkeit des Mitherausgebers zwar Anlass zum Jammern ist, aber sicherlich nicht ganz ungelegen kommt.

    Im übrigen drohen dem Bulletin ganz andere Gefahren, denn Illig will oder kann nicht merken, dass da schon jemand mit den Hufen in den Startlöchern scharrt und es gar nicht erwarten kann, das ehrenvolle und arbeitsreiche Zepter zu übernehmen. In der kleinen, aber umtriebigen ostwestfälischen Gruppe »Freundeskreis karolingischer Baukunst« wurde er schon frühzeitig als Illig-Nachfolger gehandelt. Dabei verbindet beide nur, dass sie ein ausgeprägtes Organisationstalent haben und begeisterte Erbsenzähler sind, mehr nicht. Wer ist dieser Schattenprinz im Wartestand direkt vor Illigs Nase?

    Illig zählt in seiner Festschrift sieben Jubiläen (20 / 25 / 65 / 75 / 80 / 12.000 / 18.000), von denen hier zwei, nämlich der 65. Geburtstag des Mitherausgebers Heinsohn und 20 Jahre Zeitensprünge-Bulletin (inklusive seines Vorläuferheftes Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart) schon genannt sind.** Ein Jubiläum hat Illig allerdings übersehen, und das besteht darin, dass in Ausgabe 3/2008, die zugleich die 75. ist, erstmalig 20 mal der Name des zunehmend ungenierter agierenden ostwestfälischen Informatikers A. Otte auftaucht.

    Auf meiner Website hatte ich Otte schon anlässlich seiner forschen Herausgabe einer Festschrift zu Heribert Illigs 60. Geburtstag eine kleine Grußadresse gewidmet. Seine bisher einzige wirklich verdienstvollste Leistung besteht darin, dem Zeitensprünge-Bulletin mit seinem Weblog www.fantomzeit.de eine attraktive Internetplattform verschafft zu haben. Das hat der gelernte Systemanalytiker Illig aus unerfindlichen Gründen nicht hinbekommen. Stattdessen nimmt er fahrlässig in Kauf, sich in schwer kalkulierbare Abhängigkeitsverhältnisse zu Administratoren zu begeben.

    Dies deutete sich schon in Heft 1/2008 an. Illig hatte in einem Beitrag mit dem programmatischen Titel »Standortbestimmung für die Chronologiekritik« klargestellt, dass der zuvor von ihm protegierte Zeitensprünge-Autor Hans-Erdmann Korth mit seinen neuerlichen Weiterungen der Phantomzeitthese den durch ihn gesetzten Rahmen des im Bulletin Denkbaren sprengen würde. Im Untertitel des Beitrages war zu lesen »...in Abstimmung mit Gunnar Heinsohn und Konsultation von Jan Beaufort und A. Otte«.

    Abstimmung mit dem Mitherausgeber und Konsultation von einem kritischen Kenner der antiken Chronologie ja, aber warum, um alles in der Welt, mit A. Otte? Musste Illig hier Otte den Hof machen, um dessen Weblog auf seinen neuen Kurs einzunorden? Wie dem auch sei, was haben die multiplen Ottes uns im neuen Zeitensprünge-Bulletin zu sagen? Zunächst einmal findet sich da eine für einen chronologiekritischen Newcomer befremdliche, weil eine nicht existente Honorigkeit simulierende Gückwunschadresse an den Jubilar:

    »Staunend und etwas ehrfürchtig steht man vor dem Gesamtwerk von Gunnar Heinsohn, bei dem so vieles ineinander greift. (...)« Nun ja, »staunend« vielleicht, »ehrfürchtig« wohl Geschmacksache, aber »vieles ineinandergreifend« eher nicht. Ist das nicht ein Kennzeichen der etablierten schulwissenschaftlichen Forschung, in der via Zirkelschlüssen allzu vieles ineinander greift? Demgegenüber brilliert Heinsohns Gesamtwerk durch die fachliche Souveränität, mit der er ein außergewöhnlich vielschichtiges Themenspektrum bearbeitet.

    Dann gibt es da noch den zweiten Teil seines Artikels »Das elektrische Universum«. Ein durchaus lesbarer, wenn auch ziemlich naseweis geschriebener Beitrag (»Jeder weiß...«, »Kaum einer weiß jedoch…«). Otte versucht damit ein Lücke zu füllen, die im deutschsprachigen Raum gegenüber amerikanischen Vorläufern besteht. Seine umfangreiche (Internet-)Literaturliste besteht nur aus englischsprachigen Titeln, die er aber kaum zitiert. Was zeigt, dass er wohl nur referiert und ein guter Übersetzer ist und den Artikel treffender mit »Das eklektische Universum« überschrieben hätte. Weiterhin warten wir auf einen halbwegs originellen Text von Otte.

    Und schließlich ist es ihm gelungen, erneut die schon in seiner Illig-Festschrift veröffentlichte, groteske Zahlenakrobatik über die jahrgenaue Entwicklung der Anzahl von Autoren und Beiträgen im Zeitensprünge-Bulletin zu publizieren. Wiederholtes Ergebnis: Mehr, immer mehr und das zunehmend... Die einzig wirklich interessante Frage, wie sich die Auflage des Bulletins entwickelt hat, bleibt auch diesmal unbeantwortet und weiterhin das Geheimnis Illigs und der (wohl aus konspirativen Gründen wechselnden) Poststellen, über die das Bulletin versendet wird.

    Otte hat seiner elenden Statistik angeblich »aus gegebenem festlichem Anlass« eine Spalte hinzugefügt. Darin wird, sicherlich von Illig abgesegnet, die Entwicklung der Anzahl der Beiträge des Jubilars dokumentiert. Sie ist direkt neben der Spalte des Herausgebers platziert und gereicht dem Jubilar damit wohl absichtlich weniger zur Ehre als zur Mahnung. Am Ende steht es nämlich 240 zu 80, also 3 : 1 für Illig, wobei die sinkende Anzahl von Beiträgen des Mitherausgebers sich stetig der X-Achse anschmiegt, während die steigende Anzahl bei Illig eher die Y-Achse im Visier hat.***

    Die Krönung von Ottes Artikel ist eine einleitende Bemerkung, in der uns dieser chronologiekritische Frischling - der die Pubertät noch vor sich hatte, als sich die legendären Heroen der Gründungsversammlung (der oft beschworene Elferrat!) erstmalig trafen - erzählen will, wie sich ein Zeitenspringer-Novize zu verhalten hat: »Zum guten Ton gehört es, dass sich Neuabonnenten (…) alle alten Hefte besorgen, die weiterhin vorrätig gehalten werden, denn nur dann kann wirklich mitgeredet werdenOtte übersieht, dass seine Beiträge regelmäßig beweisen, dass dies offenbar nicht ausreicht.

    Apropos Krönung, zumindest Illigs Unterbewusstsein scheinen Ottes Pläne, seine Thronnachfolge anzutreten, bereits bekannt zu sein. Unter Ottes Grußadresse an den Jubilar Heinsohn ist zu lesen: »A. Otte, Oerlenbach«. Ist dies nicht ein feinsinniges Amalgam aus dem Örtchen Oerlinghausen, in dem Otte wohnt und der Lenbachstraße, in der Illig sein Zuhause inklusive Redaktionsleitstelle hat? Das Unbewusste ist uns zweifellos ein wertvoller Helfer und Wegweiser, um das schlimmst Denkbare zu verhüten.

    Nachbemerkung

    Der Neffe des Jubilars U. Heinsohn schließt seinen in knapp 100 Anmerkungen erstickenden Beitrag »Gunnar Heinsohn – Leistung und Anstöße« mit der jiddischen Abschiedsphrase »Zay gesunt«. Er spielt damit darauf an, dass sein Onkel aufgrund dessen intensiven Erforschung des jüdischen Tötungsverbotes (›Abschaffung des Menschenopfers‹) dem Judentum sehr nahe steht. Mit Blick auf die schwer erträgliche Schrulligkeit des ›übergroßen Jubliäumsheftes‹ juckt es einen in den Fingern, Herausgeber und manchem Autoren nachzurufen: Zayt ihr alle noch gesunt im Kopp?

    Anmerkungen

    *Z. B. der Beitrag der Heinsohns über ihre Familiensaga. Der Heinsohnclan legt großen Wert darauf, eng mit dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte verwoben zu sein und wurde erst durch die Arbeiten des Jubilars von seinem vermeintlichen »Sündenstolz« befreit. Hier könnten z. B. findige Historiker die Frage stellen, wie sich die deutsche Nachkriegsgeschichte verändert hätte, wenn 1945 auf der Flucht aus Vorpommern statt ›Mamis große Handtasche mit Papieren und der Barschaft‹ tatsächlich (wie rückblickend ausgeschmückt wurde) ›Mamis kleiner Liebling Gunnar‹ vom Pferdeschlitten gefallen wäre. Wäre es überhaupt bemerkt worden, oder hätte der Bauer ihn auch aufgehoben und zurückgegeben?

    ** Die fünfstelligen Jubiläen sind keine, wie Chronologiekritiker zunächst glauben könnten, eingesparten Jahrtausende, sondern beziehen sich - Erbsenzählerei sei Dank - auf das herausgeberisch verlegte Seitenvolumen.

    ***Nimmt man als Maßstab für die Verdienste um die Chronologiekritik nicht die Anzahl der Zeitensprünge-Beiträge, sondern den tatsächlichen Marktwert der beiden Herausgeber, sieht das Ergebnis ganz anders aus. Während Heinsohn 19.000 Google-Einträge aufweisen kann, muss sich Illig mit ziemlich genau der Hälfte begnügen.

    G.M., 22.01.09

     

    Gunnar Heinsohn

    Der renommierte Hochschulwissenschaftler und brillante Chronologiekritiker Prof. Dr. phil. rer. pol. Gunnar Heinsohn ziert anlässlich seines 65. Geburtstages (zu dem ich ihm hier herzlich gratuliere) die Titelseite des Zeitensprünge-Bulletins. Laut Festrede des von Altersknurrigkeit befallenen Herausgebers Illig hat sein Mitherausgeber es nicht besser verdient!


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