Kritische Naturgeschichte > Die andere Seite


 
Die zauberhafte Welt der Tiere
  • LI. Über Trampeltiere in der Wüste und der Umgangssprache
  • L. Schwerverdauliche Leckerbissen
  • XLIX. David gegen Goliath
  • XLVIII. Über kuschelnde Bienenfresser, Raupen und Schwalbenschwänze
  • XLVII. Schnabel halten
  • XLVI. Echte Faultiere
  • XLV. Neue Wege im Biotopverbund
  • XLIV. T-OM - Der Zustand tiefster innerer Ruhe bei Tieren
  • XLIII. Das ›Fliegende Pferd‹ von Gansu
  • XLII. Irrwitziges
  • XLI. Elefant im Gegenverkehr
  • XL. Warum Leoparden nicht ins Himmelreich kommen
  • XXXIX. Tree rex
  • XXXVIII. Tierische Temperamente
  • XXXVII. Warum es immer mehr Füchse in die Stadt zieht
  • XXXVI. Das Zebroid – Evolution und moderne digitale Bildbearbeitung
  • XXXV. Papageientaucher im Schnee
  • XXXIV. Katzensprung
  • XXXIII. Alle Gnus…
  • XXXII. Hipper Affe
  • XXXI. Paradeopfer verteidigt seine Privatsphäre
  • XXX. Linsensuppe mag jeder...
  • XXIX. Das Konzept der ökologischen Nische
  • XXVIII. Der Edelmopp
  • XXVII. Das Auge der Giraffe
  • XXVI. Killer im Nebel
  • XXV. Erbarmungswürdige Biber
  • XXIV. Cappuccino-Bären – »Kinder des Klimawandels«
  • XXIII. Was uns vom Götterboten Hermes blieb
  • XXII. Warum der Distelfink ein so bunter Vogel ist
  • XXI. Wenn Überanpassung zur bedrohlichen Selbstaufgabe wird
  • XX. Was das Eis wirklich zum Schmelzen bringt
  • XIX. Graziles Grauen
  • XVIII. Goldammern im erbitterten Luftkampf
  • XVII. Faustisches Paradox
  • XVI. Mauersprung
  • XV. Ausflug ins Ungewisse
  • XIV. Friedlich schlummernder Erziehungsgehilfe
  • XIII. »Nomen est omen…«
  • XII. Der Kampf der Königinnen
  • XI. Von Brandgänsen und Feuerfalken
  • X. Von Knochenschmieden und dem tragischen Tod des weisen Aischylos
  • IX. Der schöne Fink und das grausige Biest
  • VIII. Staraufgebot
  • VII. Landeverbot!
  • VI. Riskanter Opportunismus
  • V. Idyllisches
  • IV. Ku’linarisches
  • III. Der braune Bär und das auswärtige Amt
  • II. Achtung Bremsen
  • I. GravitationsscHummel
  •  

     

    Dodo

    Es trügt auch hier der Augenschein, denn vor uns liegt ein Magenstein! (Kappengeierwally)

     

    ›Die zauberhafte Welt der Tiere‹

    LI. Über Trampeltiere in der Wüste und der Umgangssprache

    Ein wildes Zweihöckriges Kamel läuft überraschend leichtfüßigen Schrittes (Passgang) durch das Naturreservat Lop Nur. Das Reservat liegt im nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Die Zahl der wilden Trampeltiere ist dank ihres Schutzes in letzter Zeit wieder angestiegen. (Foto: Wang Yongji)

    Das Zweihöckerige oder Baktrische Kamel (Camelus ferus) soll uns hier in zweierlei Hinsicht interessieren. Zum einen, wie seine wilde Form von seinem ersten westlichen Entdecker, dem berühmten Forschungsreisenden Nikolai Michailowitsch Prschewalski (1839 - 1888), beschrieben wurde und zum anderen, wie sich seine Bezeichnung als Trampeltier etymologisch herleitet und Eingang in der Umgangssprache gefunden hat. Beginnen wir mit dem Bericht des russischen Forschungsreisenden1):

    »Im Gegensatz zum zahmen [zweihöckrigen] Kamel, dessen auffallendste Charaktermerkmale Furchtsamkeit, Dummheit, Gleichgültigkeit sind, zeichnet sich das wilde durch Vorsicht und vorzüglich entwickelte Sinne aus. Sein Gesicht ist außerordentlich scharf, das Gehör sehr fein und der Geruch von einer wunderbaren Schärfe. Die Lopnor-Jäger versicherten uns, daß das Kamel unter dem Winde den Menschen auf einige Kilometer wittern, den heranschleichenden Jäger aus großer Entfernung erblicken und das leiseste Geräusch und Tritte hören könne. Wenn es eine Gefahr bemerkt hat, ergreift es sofort die Flucht und macht nicht eher halt, als bis es Dutzende, zuweilen sogar Hunderte von Kilometern zurückgelegt hat. Ein Kamel, auf das ich geschossen hatte, war, wie wir aus den Spuren erkennen konnten, ohne anzuhalten, 20 km gelaufen, wahrscheinlich noch weiter; aber da das Tier in eine Schlucht, die seitwärts unserem Wege lag, eingebogen war, verfolgten wir seine Spur nicht weiter. Wir haben Dutzende von Malen die Fährten und den Mist der Kamele in den engsten Schluchten und auf so steilen Hängen gefunden, daß kaum die Jäger sie erklimmen konnten.«

    Im Vergleich zu der stoischen Träg- und Gelassenheit, die man gemeinhin mit zahmen Trampeltieren assoziiert, wird ihre Wildform von Prschewalski als erstaunlich scharfsinnig, agil, scheu und ruhelos beschrieben. Kaum zu glauben, dass es asiatischen Nomadenvölkern im dritten vorchristlichen Jahrtausend gelungen ist, daraus ein nahezu phlegmatisches Last-, Reit- und Milchtier zu domestizieren. In jüngster Zeit werden zahme Trampeltiere von Heilpraktikern, wegen ihrer großen inneren Ruhe, ihrem Sanftmut und ihrem weichen Fell, sogar zur tiergestützten Therapie psychisch auffälliger Kinder eingesetzt. Dies ist umso erstaunlicher als die Wildform in psychologischer Perspektive – wegen ihrer außerordentlichen Scharfsinnigkeit (›gestörte Verarbeitung von Reizen‹) und ihres extremen Fluchtinstinktes (›motorische Überaktivität‹) – unter einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leidend klassifiziert würde.

    Kommen wir nur zur Etymologie des Namens »Trampeltier« und nehmen dazu das Standardwerk unter den etymologischen Wörterbüchern der deutschen Sprache Kluge (1999) zur Hand2). Danach ist der Begriff Trampeltier (16. Jahrhundert) vermutlich eine frühe (entstellende) Eindeutschung des erheblich älteren Begriffes Dromedar (13. Jahrhundert), die über Trumel- zu Trampeltier führte. Der Begriff bezeichnete zunächst ganz allgemein ein Kamel und wurde dann – gefördert von der klassifizierenden Biologie – auf das Zweihöckerige Kamel in Abgrenzung zum einhöckerigen Dromedar (was soviel wie Schnell-Läufer bedeutet) festgelegt. Trampeln ist eine ursprünglich norddeutsche Iterativbildung (häufige Wiederholung oder Verstärkung ausdrückend) zu trampen (treten/stampfen). Trampen ist wiederum eine nasalierte Nebenform von trappen, das selber eine lautnachahmende Wortbildung (trapp machen) ist. Darauf geht z. B. auch das Wort Treppe zurück.

    In der Umgangssprache ist die Bezeichnung Trampel oder Trampeltier die Schelte für einen schwerfälligen, plumpen oder unbeholfenen Menschen, wobei der spöttelnde Tadel oft aufs weibliche Geschlecht angewandt wird. Schon Ende des 19. Jahrhundert taucht das verunglimpfende Wort in neuen Varianten des Gedichtes »Dunkel war’s, der Mond schien helle« auf: 3)

    »Holder Engel, süßer Bengel,
    Vielgeliebtes Trampeltier,
    Augen hast du wie Sardellen,
    alle Ochsen gleichen dir.
    «

    oder

    »Und verliebt sprach er zu ihr,
    mein geliebtes Trampeltier.
    Augen hast du wie Korallen,
    die dir aus dem Kopfe fallen,
    Und eine Nase sag ich dir,
    alle Kälber gleichen dir.
    «

    Nachbemerkung

    Sprache unterliegt bekanntermaßen einem permanenten Wandel4). Weniger – wie man spontan vermuten würde – weil es die Aufgabe der Sprache ist, die sich verändernde Welt eindeutig abzubilden, sondern vor allem, weil Kommunizieren zu allererst heißt, Kommunikationspartner auf eine bestimmte Art und Weise zu beeinflussen [oder sagen wir gleich zu manipulieren]. So nimmt es nicht Wunder [um diese schöne schweizerdeutsche Formulierung zu gebrauchen], dass das Wort Trampeltier, das bisher im übertragenen Sinne motorische Unzulänglichkeiten eines unbeholfenen Menschen benannte, zwischenzeitlich auch wenig feinfühliges Verhalten umschreibt. So hätte ich mir für die Bezeichnung »seelisches Trampeltier« fast das Copyright sichern können, wenn eine Google-Suche nicht ergeben hätte, dass diese exklusive Beschimpfung bereits drei Mal im Internet verwendet wurde:

    • 2008 im Brigitte-Community-Forum beim Thema »Wieder gebraucht – Ich habe Angst«. Darin schildert eine Frau, dass sie sich von ihrem neuen Lebensgefährten existenziell verunsichert fühlt, weil er ständig von seiner Ex als Superfrau schwärmt. Darauf hin kommentierte eine Forumsteilnehmerin: »Er ist ein seelisches Trampeltier.«
    • 2010 in dem erbaulichen Sofort-Ratgeber-Bücherlein »Jobwohl – zufrieden am Arbeitsplatz: Was Sie gegen Frust und Stress tun können«. Darin bekennt sich die Symbolfigur, die urheberrechtlich geschützte »Jobwohl-Sophie«(!), zu ihrer Kind- und Verletzlichkeit: »Diese will sie behalten, wohl wissend, das sie manchmal auch Schrammen abbekommt: Lieber dünnhäutig, sensitiv sein als ein seelisches Trampeltier!«
    • 2011 in einem Katzen-Forum im Thread »Freundin mag keine Katze«. Darin gesteht ein junger Vater, dass er so erschrocken über das schrumpelige Aussehen seines neugeborenen Kindes war, dass er seiner fassungslosen Freundin gegenüber bemerkte: »Um Gottes Willen, das sieht aus wie E.T. und es streckt den Zeigefinger in die Luft«. Daraufhin bemerkte ein Forumsteilnehmer: »Balli, Du bist ein seelisches Trampeltier erster Güte!«

    Und 2013 nun auf dieser Website in der Rubrik »Die zauberhafte Welt der Tiere«, allerdings in einem nicht näher erläuterten Zusammenhang. Soviel Privatsphäre muss sein!

    Anmerkungen

    1) R. M. C. Prschewalski (1878): »Reise von Kuldscha über den Thianschan an den Lob-Nor«. – In: Petermanns Mitteilungen, H. 53 - Gotha

    2) Die Etymologen sind schon früh durch spekulatives und phantasievolles Wortforschen auffällig geworden. Häufig waren beim Etymologisieren sprachfremde Intentionen mit im Spiel. Bei Skeptikern ist die Etymologie daher schon bald unter den Verdacht der Beliebigkeit geraten. So bemerkte der bekannte französische Schriftsteller Voltaire (1694 – 1778) spöttelnd: »Etymologie ist die Wissenschaft, in der die Konsonanten wenig und die Vokale nichts zählen.« Der 23. erweiterten Ausgabe des Standardwerks Kluge (Erstausgabe 1883) können wir allerdings vertrauen.

    3) Ein noch heute gerne zitiertes, variantenreiches Scherzgedicht, das davon lebt, dass den gemachten Aussagen gleich widersprochen wird:

    »Dunkel war’s, der Mond schien helle,
    grün war die beschneite Flur,
    als ein Wagen blitzeschnelle,
    langsam um die Ecke fuhr.

    Drinnen saßen stehend Leute,
    schweigend ins Gespräch vertieft,
    Als ein totgeschoss’ner Hase
    Auf der Sandbank Schlittschuh lief.

    Und ein blondgelockter Jüngling
    mit kohlrabenschwarzem Haar
    saß auf einer grünen Kiste,
    die rot angestrichen war.

    Neben ihm ’ne alte Schrulle,
    zählte kaum erst sechzehn Jahr,
    in der Hand ’ne Butterstulle,
    die mit Schmalz bestrichen war.
    «

    4) Zur Vertiefung sehr empfehlenswert: Keller, Rudi (2003): Sprachwandel - Von der unsichtbaren Hand der Sprache. - Tübingen u. Basel

    G.M., 04.10.13

     

     

     

     

    Das Trampeltier ist weit stärker beharrt als das Dromedar, in besonders auffälliger Weise am Halse und an den Vorderschenkeln. Während des alljährlichen Fellwechsels sieht es regelrecht zerzaust und abgerissen aus.

     

    L. Schwerverdauliche Leckerbissen

    Vermeintliche Idylle Foto: © Magnus Wendeberg

    Seinem Herrchen/Frauchen bedingungslosen Gehorsam vorzutäuschen, ist die beste Strategie, um die tägliche Versorgung mit hochwertigem Dosen-Nassfutter sicherzustellen. Dies beinhaltet auch einen äußerst sensiblen Umgang mit nahrhaften Schlüsselreizen, was immer wieder zu frustrierten Triebstau und quälender Verstopfung führt. Grrh!

    G.M., 29.09.13

     

     

     

     

     

    XLIX. David gegen Goliath

    Foto: Rob Palmer

    Diese kleine tapfere Berg-Wühlmaus stellt sich in einer vermeintlich aussichtslosen Situation einem hungrigen Kojoten zum Kampf, der sie unter dem Schnee aufgestöbert hatte. Um ihre furchtlose Entschlossenheit zu demonstrieren und größer zu wirken, streckt sie sich dem überlegenen Räuber auf einem Bein entgegen.

    Überraschender Weise überlebte die Wühlmaus die Konfrontation mit dem überlegenen Prädator, weil es ihr gelang, den Kojoten mit ihrem Mut und ihren scharfen Hinterklauen zu irritieren und etwas Glück zu entkommen. Diese beeindruckende Szene beobachtete der begeisterte Fotograf Rob Palmer im Yellowstone National Park.

    G.M., 14.07.13

     

     

     

     


    Foto: Rob Palmer

    Wer würde nicht ein Vermögen darauf wetten, dass wir hier die letzten Sekunden im Leben einer Wühlmaus sehen?

     

    XLVIII. Über kuschelnde Bienenfresser, Raupen und Schwalbenschwänze

    Links: Europäische Bienenfresser (Foto: José Luis Rodríguez); Rechts: Schwalben-schwanzförmige Bienenfresser (Foto: nel.michele)

    Auf den ersten Blick könnte man diese wärmeliebenden Bienenfresser, die sich hier an einem kalten regnerischen Tag auf einem Zweig eng zusammenkuscheln, auch mit einer fetten Raupe eines großen Schmetterlings verwechseln.

    Der afrikanische Schwalbenschwanz-Bienenfresser (Merops hirundineus), der nach seiner gegabelten Schwanzspitze benannt ist, verbindet sogar eine namentliche Ähnlichkeit mit dem in Europa beheimateten Schwalbenschwanz-Schmetterling (Papilio machaon).

    Der Europäische Bienenfresser (Merops apiaster) genießt laut Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) strengen Schutz. Diese Auszeichnung hält ihn allerdings nicht davon ab, sich an der ein oder anderen ebenfalls geschützten Art zu vergreifen.

    G.M., 16.06.13

     

     

     

     

    Raupe des Schwalbenschwanzes (Foto: Miroslava Serova). Da der adulte geschlechtsreife Schmetterling (Imago) durch eine Metamorphose aus dem Jugendstadium (Larve) hervorgeht, hat er nicht die geringsten physischen Ähnlichkeiten mit der Raupe.

     

    XLVII. Schnabel halten

    Foto: Urs Schmidli*)

    Wenn man keine Ahnung hat und anderen mit seinem Gezwitscher auf den Geist geht, einfach mal den Schnabel halten.

    *) Dieser phantastische Schnappschuss gelang dem Schweizer Hobbyfotografen Urs Schmidli 2010 in seinem Garten in Scherz (Kanton Aargau). Dem Haussperling-Männchen ging das Gekreische des Weibchens offenbar so auf die Nerven, dass er ihr kurzerhand mit seinen winzigen Krallen den Schnabel zudrückte.

    Das zwischenzeitlich prämierte Bild hat sich, einmal auf die Plattform einer Fotocommunity eingestellt, in Windeseile im Web verbreitet. Ohne Frage haben die gesellig lebenden Spatzen etwas Menschliches an sich und mancher Pantoffelheld kann nur davon träumen, seiner Gattin den Schnabel zu verbieten.

    G.M., 31.05.13

     

     

     

     

     

    XLVI. Echte Faultiere

    Das echte Faultier unterscheidet sich vom gemeinen Arbeitstier dadurch, dass es sich nicht nach getaner, sondern als Belohnung vor verschobener Arbeit erholt.

    G.M., 28.04.13

     

     

    Es war mir wie im Traum, ich schlief auf einem Baum.

     

    XLV. Neue Wege im Biotopverbund

    Eine enge Vernetzung von Trittsteinbiotopen ist die Voraussetzung für die nachhaltige Sicherung der Biodiversität. Der hier dargestellte Biotopverbund besticht durch seine intensive räumliche und funktionelle Verzahnung.

    Der gemeine Katzenfloh (Ctenocephalides felis), der gerne auch auf Hunden lebt, gehört zu den heimischen Arten, die in der modernen Kulturlandschaft durch zunehmende Pflege seiner Lebensräume und Einsatz von Insektiziden arg bedroht sind. Die ihm noch verbleibenden Biotope (vor allem streunende Katzen) sind oft isoliert, d. h. sind weder räumlich verzahnt noch funktionell vernetzt.

    Das Credo der ökologischen Wissenschaften lautet bekanntlich, dass nur ein enger Biotopverbund eine genetische Verarmung von Populationen verhindern und ihr dauerhaftes Überleben sichern kann. Zum Aufbau eines solchen Systems müssen - wie auf diesem Bild eindrücklich zu sehen ist - auch neue, auf dem ersten Blick irritierende Wege beschritten werden.

    Da sich die meisten Hunde und Katzen ›Katz und Hund‹ sind, hier ein eindringlicher Appell an die verfeindeten Parteien: Zur Wiederbelebung gesamtökologischer Prozesse einfach mal die Zähne zusammenbeißen und die Krallen einziehen, um unzeitgemäße Antipathien zu überwinden. Die arg bedrohte Flohnatur wird euch eine solche ökologische Wende durch verstärkte Wiederbesiedlungsprozesse danken!

    Und wem die hochrangige Aufgabe, die Biodiversität wiederherzustellen, nicht Ansporn genug ist, der sei auf die Gesetzgebung hingewiesen: Der Aufbau eines Biotopverbundes ist schon lange keine spinnerte alternative Naturschutzkonzeption mehr, sondern seit 2002 im Bundesnaturschutzgesetz zum Erhalt bedrohter Arten verankert.

    G.M., 01.12.12

     

     

     

     

     

    XLIV. T-OM - Der Zustand tiefster innerer Ruhe bei Tieren

    Für dieses Foto eines jungen Schneeaffen wurde der niederländische Naturfotograf Jasper Dost als »Veolia Environnement Wildlife Photographer of the Year 2012 ausgezeichnet«.

    Wenn es im Winter in den zentraljapanischen Bergen bitterkalt wird, ziehen fast alle dort lebenden Rotgesichtsmakaken (Macaca fuscata) in tiefer gelegene wärmere Täler. Diese Schneeaffen sind die am Nördlichsten lebenden Primaten und haben es u. a. durch ihre jahreszeitlichen Wanderungen geschafft, sich an das rauhe Klima anzupassen. Nur eine Gruppe von rund 300 Makaken hat eine andere Technik entwickelt, um die die harten Winter zu überleben. Sie ziehen zu heißen Quellen, um sich darin ausgiebig zu wärmen.

    Die Quellen von Korakukan wurden schon seit Jahrhunderten von Einheimischen zum Baden aufgesucht. Irgendwann haben sich das die Makaken offenbar abgeschaut. Im Jahr 1963 entdeckten Forscher die erste Affendame, die in den heißen Gebirgsquellen ein Bad nahm. Seitdem haben es ihr Generationen von Makaken nachgetan. Die heißen Quellen sind zwischenzeitlich überlebenswichtig für die Population, weil sie nicht mehr in die wärmeren Täler zieht.

    Stundenlang genießen die Schneeaffen das etwa 40 Grad heiße Wasser und nutzen das entspannende Bad in den natürlichen Thermalbecken auch zur intensiven Fellpflege. Das gegenseitige Lausen verstärkt bekanntlich auch den sozialen Zusammenhalt. Angst vor Unterkühlung nach dem Bad brauchen die Affen dabei nicht zu haben. Ihr dickes Fell und dessen dichte Unterwolle schützt sie vor kompletter Durchnässung.

    Der hier abgebildete junge Makake scheint einen solch intensiven Zustand tiefster Ruhe angenommen zu haben, dass er kurz davor ist, mit dem Weltgeist zu verschmelzen. Diesen Zustand wollen wir in Anlehnung an dem von Hinduisten oder Buddhisten mit der heiligen Silbe OM benannten universalen transzendenten Urklang als T-OM (Aussprache wie bei OM mit einem langem O) bezeichnen, wobei der Buchstabe T für Tier steht. Sehr groß scheint mir der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen bei Mensch und Tier allerdings nicht zu sein.

    Literatur:

    Mareike Lina Rehberg: »Schnee-Affen im Spa von Honshu«. - In: Geo.de - Das neue Bild der Erde

    Hans Peter Willig: »Rotgesichtsmakak (Macaca fuscata)«. - In: primata.de - Die Seite über Affen und uns.

    G.M., 21.10.12

     

     

     

     

    Affen sind schlau und von Natur aus neugierig. Rotgesichtsmakaken haben neben dem Bad in heißen Quellen eine weitere ungewöhnliche Verhaltensweise entdeckt. Sie formen kleine Schneebälle mit den Händen und rollen sie dann über den Schnee, um größere Bälle zu schaffen. Und sie machen sogar ähnlich Kindern Schneeballschlachten. Auch dieses Verhalten wird in Gruppen sozial oder sagen wir vielleicht besser kulturell von einer Generation in die nächste tradiert.

     

    XLIII. Das ›Fliegende Pferd‹ von Gansu

    Das berühmte ›Fliegende Pferd‹ von Gansu (Han-Dynastie)

    Diese Bronzefigur zeigt ein dahin stürmendes Pferd, das mit einem Huf auf dem Rücken einer – den Betrachter verwundert anschauenden – fliegenden Schwalbe balanciert. Sie wurde vor 2.000 Jahren in der späten Han-Dynastie (25 – 225 n. Chr.) von einem unbekannten Künstler hergestellt. Die Han-Dynastie war eine Zeit der kulturellen Blüte und der wirtschaftlichen Expansion, in der es über die Seidenstraße sogar römisch-chinesische Handelsbeziehungen gab.

    Die ›Fliegendes Pferd‹ genannte Bronzefigur wurde 1969 in der gemeinsamen Grabstätte des Generals Zhang Yechang und seiner Frau in Wuwai (Provinz Gansu) gefunden. Die etwa 35 cm hohe, 45 cm lange und 10 cm breite Statuette gilt heute als eines der bedeutendsten chinesischen Kunstwerke und ist zum Symbol des nationalen Tourismusverbandes erwählt worden. Das Original der meisterhaften Bronzestatue wird im Palastmuseum in Peking ausgestellt.

    Pferde hatten im antiken China ein hohes Ansehen, weil sie ein schnelles Transport- und Kommunikationsmittel waren und im Abwehrkampf gegen die immer wieder von Norden eindringenden Hunnen eine wichtige Rolle spielten. In der Östlichen Han-Dynastie galten Pferde als Symbol der nationalen Würde, Stärke und heldenhafter Leistungen. Der Unterhalt von Pferden war allerdings teuer. So konnten sie nur von reichen Kaufleuten, hochrangigen Militärs oder hohen Beamten gehalten werden.

    Bei der Gangart des temperamentvoll und leichtfüßig daher schwebenden Pferdes handelt es sich um den Pass, einer mit dem Tölt verwandte laterale Gangart, bei der für einen kurzen Augenblick nur ein Bein den Boden, in diesem Fall die sichtlich irritierte Schwalbe berührt. Die großen Augen, das weit geöffnete Maul, die aufgestellten Ohren, die wehende Stirnlocke, der hochgeworfene Schweif und die gestreckten schlanken Beine verstärken den Eindruck, dass das Pferd dahinfliegt.

    Für das ›Fliegende Pferd‹ haben nicht die kleinen nordchinesischen Steppenpferde Pate gestanden, sondern eine größere, schlankere und schnellere Pferderasse, die ursprünglich im fernen zentralasiatischen Dayuan (dem heutigen Fergana-Becken in Usbekistan) beheimatet war. Kaiser Wu-ti (141 – 87 v. Chr.) hatte von diesen edlen Pferden, die 1.000 Meilen an einem Tag zurücklegen könnten, gehört und sogleich ihre strategische Bedeutung erkannt. Mit einem gewagten Eroberungsfeldzug gelang es ihm, in den Besitz dieser Pferde zu gelangen.

    Da diese wunderbaren Pferd ›Blut schwitzen‹ konnten, glaubte man, dass sie von überirdischen Hengsten und Stuten abstammten. Die Chinesen sprachen ihnen himmlische Eigenschaften (Bewusstsein, Gefühle aber auch Allmacht) zu. Kaiser Wu-ti verewigte ihr Andenken in einer Ode an das »Himmlische Pferd des fernen Westens«. Die übernatürliche Schnelligkeit, mit der Pferde weite Strecken überwinden und sogar die Pforten des Himmels durchschreiten können, ist seitdem ein häufiges Motiv der chinesischen Mythologie und Kunst.

    Quellen

    Lin Ying (2002): Pferde des Himmels und die chinesische Zivilisation. – In: CHINA HEUTE

    Hedin, Sven (1936): Die Seidenstraße. – Leipzig

    Meyer, Helmut & Gudrun Meyer (2002): Pferde anders aufgezäumt: Streifzüge durch die Natur- und Kunstgeschichte. – Hannover

    Ebert, Johannes, Knut Görich & Detlef Vienecke-Janz (2008): Das Pferd von Gansu. – In: Die große Chronik Weltgeschichte: Die neue Weltordnung. – Gütersloh-München

    G.M., 22.07.12

     

     

     

     

    Der japanische Künstler Katsushika Hokusai (1760 – 1849) hat das Naturell dieses galoppierenden Pferdes, das sich noch manches vom Charakter des des kleinen mongolischen Steppenpferdes bewahrt hat, großartig dargestellt.

    Ein vergleichbar dynamisches Bild eines Pferdes habe ich hier gefunden. Ein beeindruckendes Foto, in dem es gelungen ist, die explosive Kraft des Pferdes festzuhalten.

     

    XLII. Irrwitziges

    Da kräht kein Hahn nach!

    G.M., 01.07.12

     

     

     

     

    XLI. Elefant im Gegenverkehr

    Der 55 Jahre alte Elefantenbulle »Amarula« wurde vom Krüger - in den Pilanesberg Nationalpark umgesiedelt, um dort die halbstarken Elefanten zu disziplinieren, die für Unruhe gesorgt hatten. Zwischenzeitlich ist er der unumstrittene Boss im Park und sorgt auch auf den Wegen für Ordnung, wenn ihm ein Auto auf der falschen Fahrspur entgegen kommt.

    G.M., 10.06.12

     

     

     

     

    XL. Warum Leoparden nicht ins Himmelreich kommen

    Der Titanic-Autor Eckard Henscheid (1995) hat in seinem tier-theologischen Grundlagenwerk »Welche Tiere und warum das Himmelreich erlangen können« im Kleide eines willkürlichen Steinzeitkatholizismus auf Art- oder Gattungsebene individuelle Kriterien dafür entwickelt, welche Tiere in den Himmel kommen.

    So hat das Huhn hat keine Chance auf das Himmelreich, weil seine Produkte für die tückischen Cholesterinwerte verantwortlich sind, und die Maus nicht, weil sie einfach zu klein und letztlich zutiefst areligiös ist. Auch Leoparden spricht er jegliche Himmelsfähigkeit ab, weil sie dazu neigen, ihre Beute von hinten anzufallen.

    G.M., 05.05.12

     

     

     

    Als aussichtsreichster Kandidat für das Paradies gilt dagegen der Nasenbär, weil sein Schwanz ähnlich den Türmen der mittelalterlichen Dome fast immer (dabei allerdings an der Spitze leicht eingerollt) steil in den Himmel ragt.
     

    XXXIX. Tree rex

    Foto: Spike Malin

    Gewachsenes Grauen: Eine efeubewachsene, zehn Meter hohe Esche in der Grafschaft Norfolk hat die Form des Dinosauriers Tyrannosaurus Rex angenommen. Der Entdecker und Fotograf gab dieser Laune der Natur den originellen Namen Tree rex. Ein anschauliches Beispiel dafür, dass unsere Wahrnehmung der Welt maßgeblich von der jeweiligen Perspektive, den Gesetzen der Gestalterkennung und der persönlichen Voreinstellung (›Man sieht nur, was man kennt‹) bestimmt ist.

    G.M., 14.04.12

     

     

     

     

    XXXVIII. Tierische Temperamente

    A. Folgsam wie ein Schaf

    In der nordindischen Stadt Srinagar führt ein Junge sein Schaf über einen Fluss

    Der Naturforscher Conrad Gesner beschreibt das Wesen von Schafen in seiner Historia animalium (Thierbuch) wie folgt: »Ein Schaf ist ein mildes, einfältiges, demütiges, stilles, gehorsames, furchtsames und närrisches Tier … Ohne einen Hirten verlaufen Schafe sich bald und sind ganz irrig. Wenn eines sich verläuft oder verfällt, so stürzen sich die anderen alle hernach … «.

    Ein guter Hirte weiß daher um das Herdenverhalten seiner Schafe und versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen. Auch zwischen diesem indischen Jungen und seinem Schaf, das er bei Eiseskälte in Srinagar (Kaschmir) über eine wenig vertrauenserweckende Brücke führt, scheint ein solches unerschütterliches Vertrauensverhältnis zu herrschen.

    B. Störrisch wie ein Esel

    Ein Esel weigert sich, über eine ihm unsicher erscheinende Brücke zu gehen (Foto: ALBANIABRIDGE)

    Von Eseln sagt man, dass sie sich beharrlich weigern, auch nur kleinste Wasserläufe zu durchwaten, weil sie durch die spiegelnde Wasseroberfläche nicht erkennen können, wie tief das Gewässer ist. Esel sind eben wasserscheu, vorsichtig und wirken daher oft außerordentlich stur. Um Esel über einen Graben einen Bach oder einen Fluss zu führen, muss man ihnen selbst dann, wenn eine Furt vorhanden ist, kleine Brücken, sogenannte Eselsbrücken bauen.

    Esel gehen aber noch lange nicht über jede Brücke, denn sie muss ihnen auch noch sicher erscheinen. Angeblich geht ein Esel über keine Brücke, durch deren Boden er die Wasseroberfläche sehen kann. Solches verbreitet schon der römische Gelehrte Plinius der Ältere, der in seiner Naturalis historia, bemerkte, dass eine Eselin für ihren Nachwuchs zwar durchs Feuer, aber keinesfalls durchs Wasser gehen würde.

    Die sprichwörtliche Eselsbrücke ist ein gedanklicher Umweg, der uns hilft, sich gewisse Dinge besser zu merken, etwa die Reihenfolge der Planeten, der Elemente im Periodensystem, der Tonarten oder der Himmelrichtungen. Um schneller oder überhaupt zum Ziel zu kommen, muss man sich – wie für die wasserscheuen Esel – eine Eselsbrücke bauen. In älterer und nicht so wohlwollender Ausdrucksweise gilt sie allerdings ein Behelfsmittel für Unwissende oder Unbegabte.

    Quellen:

    Redensarten/Redewendung: Eine Eselsbrücke bauen

    Schweizer Tierschutz (STS) – Merkblatt: Das Verhalten von Schafen

    WIKIPEDIA-Stichwort: Merkspruch

    G.M., 11.03.12

     

     

     

    Conrad Gesners Historia animalium, Bd. 1, Säugetiere

    Der berühmte Schweizer Arzt, Altphilologe und Naturforscher Conrad Gesner (1516-1565) wird auch als »deutscher Plinius« bezeichnet. Plinius der Ältere (~23- 79) hatte im ersten Jahrhundert nach der Zeitenwende die »Naturalis historia« geschrieben. Sie gilt als die Mutter aller naturkundlichen Enzyklopädien.

    Dann passierte in Sachen Bestarien (Tierbücher/-dichtungen) 1.500 Jahre lang gar nichts*). Erst Mitte des 16. Jhdt‘s erschien Conrad Gesners reich bebilderte Historia animalium. Dieses Werk machte ihn zu einem der Begründer der modernen Zoologie. Er hat darin auch eine Abbildung des Rhinozerosses von Albrecht Dürer aufgenommen.

    *) Berücksichtigt man die Phantomzeit, verkürzt sich der Zeitraum auf 1.200 Jahre!

     

    XXXVII. Warum es immer mehr Füchse in die Stadt zieht

    Foto

    Stephanie Laval aus Luzern und ihr Border-Collie-Mischling »Nero« haben mit einer Füchsin Freundschaft geschlossen. Die Füchsin ist intelligent, neugierig und um die Vorzüge eines Hundelebens zu genießen, reagiert sie sogar auf die Aufforderung »Sitz«.

    G.M., 29.02.12

     

     

     

    XXXVI. Das Zebroid – Evolution und moderne digitale Bildbearbeitung

    Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass das wunderschöne Zebra-Pferdchen Eclyse aus der BARBIE-Prinzessinnenkutsche stammt. (Foto: dpa)

    Dieses hübsche Zebroid namens Eclyse ist kein Ergebnis einer modernen digitalen Bildbearbeitung und ist auch kein gezähmtes Einhorn, das beim Verlassen des Zauberwaldes sein Horn verloren hat, sondern das Ergebnis der Kreuzung einer Zebrastute mit einem braun-weiß gescheckten Pferdehengst. Sein tigerähnlich gestreifter Kopf und das einseitig gestreifte Hinterteil gleicht einem Zebra, das mittlere weiße Körperfell einem Schimmel. Einzigartig ist nicht nur Eclyse‘s Zeichnung, sondern das Zebra-Pferd-Hybride (auch Zebroide oder Zorses genannt) normalerweise einen Zebravater und eine Pferdemutter haben. Bei Eclyse ist jedoch umgekehrt, seine Mutter lebte bis 2002 im Safaripark Schloßholte-Stukenbrock und kam dann, um Inzucht zu vermeiden auf eine Pferdefarm nach Italien, wo sie sich mit einem Pferdehengst paarte1). Das Ergebnis war dann so wunderschön, dass der Eigentümer des Tierparks sich 2007 entschloss, Eclyse in die ostwestfälische Heimat ihrer Mutter zu holen. Dort kann sie seitdem bewundert werden.

    Es ist noch nicht lange her, da hätte diese Geschichte nicht nur wegen des einzigartigen Aussehens von Eclyse Aufsehen erregt, sondern auch, weil eine Kreuzung zwischen so unterschiedlichen Arten wie Pferd und Zebra kaum vorstellbar war2). Schließlich gibt es ja den genetischen Artbegriff, der besagt, dass Arten durch Fortpflanzungsbarrieren voneinander isoliert sind. Als züchterische Ausnahmen waren da weithin nur das Maultier und der Maulesel bekannt, die eine Kreuzung aus Pferd und Esel sind. Aber von denen hatte man ja schon im Biologieunterricht gelernt, dass sie eine Ausnahmeerscheinung sind und wegen der nichtidentischen Chromosomenzahlen der Elterntiere keine fruchtbaren Nachkommen hervorbringen können. Das trifft zwar auch auf Zebroide zu, aber erst in jüngerer Zeit hat sich herumgesprochen, dass sich sehr viele Tiere, so verschieden sie uns im Verhalten oder in der Morphologie auch erscheinen mögen, kreuzen lassen und sogar fruchtbaren Nachwuchs zur Welt bringen.

    Liger sind ein Hybrid aus einem männlichen Löwen und einem weiblichen Tiger. Hier zum Vergleich ein Photoshop-Liger.

    Ein spektakuläres Beispiel sind Löwe und Tiger, deren Nachkommen in Abhängigkeit davon, welche Art der Vater ist, Liger oder Tigon genannt werden. Eine Kreuzung der beiden Großkatzen ist möglich, obwohl sie stammesgeschichtlich seit einigen Millionen Jahren getrennt sind. In Zoos gelten sie als Attraktionen, vor allem auch, weil Liger erheblich größer und schwerer als ihre Elterntiere werden können. Ihr Gewicht kann im Einzelfall 400 Kilogramm überschreiten, also fast doppelt soviel wie ein durchschnittlicher Löwe oder Tiger wiegt. Ungewöhnliche Hybridisierungen gibt es jedoch nicht nur bei Exoten, sondern auch bei heimischen Tieren. So lassen sich Singvögel wie Dompfaff und Stieglitz problemlos miteinander kreuzen. Aus Kreuzungsexperimenten weiß man, dass z. B. fast alle Enten- oder auch alle Hühnervögel direkt oder indirekt durch Kreuzungen miteinander verbunden sind. So gibt es Bastarde aus der Eiderente und der nur sehr entfernt verwandten Brandgans.

    Dass Kreuzungen zwischen so unterschiedlichen Arten möglich sind, ist übrigens kein reines Gefangenschafts- oder Züchtungsphänomen. Nach vorsichtigen Schätzungen bastardieren etwa 10 % aller Tierarten in der freien Natur. Dies stellt nicht nur den biologischen Artbegriff in Frage, sondern stellt auch den Artenschutz vor Probleme. Seit es effektive molekulargenetische Untersuchungsmethoden gibt, musste der nämlich diverse Male feststellen, dass er unter Einsatz aufwendigster Artenschutzprogramme statt einer seltenen Art einen Hybriden geschützt hat3). Der biologische Artbegriff besagt, dass eine Biospezies eine Gruppe von Individuen ist, die miteinander unter natürlichen Bedingungen fruchtbare Nachkommen hervorbringen. Wie zuvor gezeigt, ist diese, lange Zeit für fundamental gehaltene und in fast jedem Lehrbuch angeführte Definition, wegen der vielen Ausnahmen unscharf. Biologische Arten sind keine isolierten genetischen oder natürliche Entitäten, sondern eher Tendenzen, also für bestimmte Anwendungen, wie z. B. Bestimmungsbücher brauchbare Konstrukte.

    Schöpfungsgeschichtlich motivierte Evolutionsforscher (üblicherweise Kreationisten genannt) haben aus der Erkenntnis, dass zwischen Biospezies ein potenzieller (in der Gefangenschaft) oder auch realer (in der Natur) Genaustausch möglich ist, das Grundtypenmodell entwickelt. Alle Individuen, die direkt oder indirekt durch Kreuzungen verbunden sind, werden zu einem Grundtyp gerechnet. Grundtypen sind z. B. alle Hühner- oder Entenvögel und auch alle Hunde- oder Katzenartigen. Taxonomisch betrachtet bewegen sich Grundtypen damit auf der Ebene der Familie. Hinter dem Grundtypenmodell steckt die Annahme, dass der liebe Gott nicht die einzelnen Arten im Sinne von Biospezies, sondern die Grundtypen geschaffen hat, aus denen sich dann durch Mikroevolution (also z. B. Anpassung an unterschiedliche Umwelten oder Gendrift) die Arten entwickelt hätten. Unbefangen betrachtet keine schlechte Idee, zumindest eine bessere als die Annahme, sämtliche Arten seien durch Mikroevolution oder natürliche Selektion entstanden.

    Das Problem ist nur, dass es zwischenzeitlich Indizien dafür gibt, dass gelegentlich auch (fruchtbare) Kreuzungen zwischen Arten möglich sind, die in der systematischen Hierarchie weit über der Familie stehen, also Arten, die noch viel entfernter verwandt sind. Aber das ist eine Geschichte, die an anderer Stelle und in einem anderen Zusammenhang erzählt werden soll.

    Anmerkung

    1) Hybriden werden nach ihren Elterntieren benannt, wobei der Name des Vaters den Anfang des Begriffes bildet. Zorse ist ein Kofferwort aus dem englischen Namen der üblichen Zebroid-Elterntiere zebra und horse. Da Eclyse’s Vater ein Pferd ist, müsste es eigentlich als Hebra (englisch) oder Pfebra (deutsch) bezeichnet werden.

    2) Tatsächlich wurden Zebras und Pferde schon zu Kolonialzeiten in Afrika gekreuzt und waren als Lasttiere im Einsatz.

    3) Ein Beispiel ist der amerikanische Rotwolf, den man lange Zeit streng geschützt und für eine Stammform von Wolf und Kojote gehalten hat. Molekulargenetische Untersuchungen haben dann später gezeigt, dass der Rotwolf keine Stammform von, sondern ein Hybrid aus Wolf und Kojote ist.

    G.M., 23.01.12

     

     

    Zebra-Feuerfisch-Hybride

    Diese ästhetisch ansprechende Kreuzung aus einem Feuerfisch und einem Zebra ist zwar das Produkt eines begabten Photoshop-Künstlers. Nichtsdestotrotz ist die digitale Bildbearbeitung der Natur der Evolution dicht auf der Spur. Innovative Evolutionsbiologen sind zwischenzeitlich davon überzeugt, dass die Bastardierung bzw. der Genfluss zwischen weit entfernt verwandten Arten ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Evolutionsmechanismus für substanzielle Neuerungen in der Natur ist.

     

    XXXV. Papageientaucher im Schnee

    Papageientaucher im Schnee, Foto: Jan Vermeer Schneekugel

    Dieser Papageientaucher sieht aus als käme er in einer Schneekugel dahergeflogen. Der niederländische Fotograf berichtet, dass es just in dem Augenblick, in dem er ihn übers Meer kommen sah, zu schneien anfing: »Es gibt goldene Momente, im Leben, die man niemals vergisst – dies ist einer von ihnen.«

    Die etwa taubengroßen Papageientaucher gehören zu den attraktivsten Brutvögeln des Nordatlantiks. Mit ihrem auffälligen schwarz-weißen Federkleid, ihrem großen bunt gestreiften dreieckigen Schnabel und ihrer eigentümlichen Augenzeichnung sehen sie wie ein kleiner Clown aus.

    Papageientaucher tragen den wissenschaftlichen Namen Fratercula arctica und gehören zur Familie der Alkenvögel, die morphologisch Pinguinen ähneln. Sie sind sehr friedlich, kreischen nicht wie viele andere Seevögel und sitzen bei schönem Wetter schon mal stundenlang auf einer Stelle.

    Da ihr Flug sehr plump und behäbig wirkt, kann man sich kaum vorstellen, dass sie Zugvögel sind und alljährlich bis nach Südafrika oder Neuseeland fliegen. Während sie an Land eher unbeholfen daher watscheln, sind sie ausgesprochen gute Taucher und Schwimmer.

    Auf der südwestlich vor der Küste Islands vorgelagerten Insel Heimaey liegt eine der größten Papageientaucherkolonien. Hier gehen die Kinder in den Sommernächten einem besonderen Abenteuer nach. Wenn die in Höhlen auf Felsen oder Klippen brütenden Papageientaucher ihre flüggen Jungen nicht mehr füttern, treibt der Hunger sie aufs Meer. Sie orientieren sich dabei am Mond. Dabei verwechseln sie schon mal den Schein einer Straßenlaterne mit dem Mondlicht, das sich im Meer spiegelt.

    Zu Hunderten segeln sie dann in die Stadt hinein statt aufs Meer. Dort droht ihnen Gefahr von Katzen und Raubvögeln oder überfahren zu werden. Zum Glück gibt es aber die Inselkinder. Die schwirren ausgerüstet mit Taschenlampen und Pappkartons die ganze Nacht durch die Stadt und sammeln die verirrten Papageientaucher auf. An nächsten Tag werden sie dann zur Küste gebracht und unter dem Gejohle der Kinder freigelassen.

    G.M., 04.12.11

     

     

     

    XXXIV. Katzensprung

    Diese taffe Katze ist gerade dabei, einen Seeadler zu attackieren. Da Seeadler zu den größten Greifvögeln zählen, liefe unser tapferer Stubentiger bei Erfolg seiner Attacke womöglich Gefahr, mit seinem Opfer als eine Art geflügelter Paragleiter abzuheben.

    Das Bild stammt nach meinen Recherchen aus Amerika. Es handelt es sich daher nicht um den in Eurasien verbreiteten Seeadler (Haliaeetus albicilla), sondern um den in Aussehen, Verhalten und Ökologie ähnlichen Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus). Weil Kopf und Hals noch nicht weiß gefärbt sind, muss es ein juveniles oder immatures, d. h. noch nicht adultes Tier sein. Noch nicht ganz ausgefärbte Jungtiere haben den Vorteil, dass sie von Altvögeln meist ignoriert und nicht aus dem Revier verjagt werden.

    Als ich auf die Abbildung aufmerksam wurde, habe ich spontan gedacht, dass es sich bei dem Greifvogel um einen Mäusebussard handelt. Die sind bekannt dafür, dass sie sich selbst von einer einzelnen Krähe bedrängen und verjagen lassen. Es mag daran liegen, dass diese imposanten Greifvögel nicht wendig genug sind, um sich gegen die nervigen Attacken des ‘Schwarzen Gesindels‘ zu verteidigen. Hinzu kommt sicherlich ihr behäbiges Gemüt, das es ihnen vorteilhaft erscheinen lässt, jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen oder genauer gesagt zu fliegen.

    Rabenkrähe attackiert Mäusebussard
    (Foto, verändert: Toni Storf)
    Habicht erbeutet Saatkrähe (Foto: Amira)

    Ein Bekannter erzählte mir kürzlich, dass einige Bussarde immerhin so schlau sind, in der Nähe von Habichthorsten zu brüten. Werden die leicht reizbaren Habichte von Krähen gemobbt, dann kommt es nicht selten vor, dass sie den Spieß umdrehen und dann die Fetzen, genauer gesagt die schwarzen Federn fliegen. Den Krähen ist dann erst mal der Spaß vergangen, Greifvögel zu ärgern und davon profitieren dann auch die trägen Bussarde. Ich vermute, dass es sich bei Krähen, die Habichte attackieren, in der Regel um vagabundierende Jungtiere handelt. Altvögel sollten schlau genug sein, um Habichte einen großen Bogen zu machen, zumal Krähen zu deren Beutespektrum gehören.

    G.M., 20.11.11

     

     

     

    XXXIII. Alle Gnus…

    Gabriela Staebler

    Alle Gnus wandern in den Fluss, nur Samsung, der wagt den Übersprung!

    G.M., 01.10.11

     

     

     

    XXXII. Hipper Affe

    Foto: pa/Bildagentur Huber

    Für diesen Berberaffen scheint die global erwärmte Welt der Zukunft schon jetzt Realität zu sein. Völlig lässig posiert er vor der imposanten Hafenkulisse Gibraltars. Das Foto könnte einen Reisekatalog zieren, in dem für das charmante Stück England im Süden der Iberischen Halbinsel geworben wird.

    Da der Klimaerwärmungs-Hype jetzt auch die Modewelt erreicht hat, könnte es allerdings auch Bestandteil oder gar Vorbild der »Global Warming Ready«-Kampagne des Modelabels Diesel sein, in der die zukünftige Welt als ein großer Strand imaginiert wird.

    G.M., 03.09.11

     

     

     

    XXXI. Paradeopfer verteidigt seine Privatsphäre

    Foto: Peter Haworth

    Eisbären waren als imposante, am Leben in eisigen Polargebieten angepasste Landraubtiere schon immer eine außerordentliche touristische Attraktion. Heute müssen sie zudem als Paradeopfer herhalten, das von den Folgen des anthropogenen Klimawandels arg bedroht sein soll. Doch Eisbären sind keine friedlichen Klimabotschafter, sondern gefährliche Raubtiere. Erst kürzlich hat ein hungriger Eisbär in Spitzbergen eine campende Schülergruppe attackiert und dabei einen Jungen getötet und weitere Jugendliche z. T. schwer verletzt, bevor er erschossen werden konnte.

    Dieser Eisbär, der sich mit dem Stativ eines Fotoapparates davon macht, erscheint eher spaßig, weil es so aussieht, als wolle er sich selbst als Fotograf versuchen oder durch den Diebstahl das Recht auf seine arg strapazierte Privatsphäre verteidigen. Tatsächlich konnte sich die Besitzerin des Stativs nur knapp vor dem neugierig heranstürzenden Eisbären in einem bereitstehenden Truck flüchten. Der Eisbär verlor dann später das Interesse an dem Gestell. Allerdings musste das arg ramponierte Spitzenmodell aus Karbonfaser zur Reparatur in eine Fachwerkstatt geschickt werden.

    G.M., 10.08.11

     

     

     

    XXX. Linsensuppe mag jeder...

    Gut getarnt mit Wasserlinsen ist diese Ringelnatter auf der Suche nach Beute*)

    Wohl jeder kennt das Phänomen, dass man mit zunehmendem Alter fast jedes Gericht mag, auch wenn man es in seiner Kindheit noch so verabscheut hat. Als ich einmal einem älteren Freund darüber berichtete, dass ich inzwischen jede Art von Suppen, außer vielleicht Linsensuppe, mögen würde, erzählte er mir folgende Geschichte. Wann immer er in seiner Jugend seiner Mutter ankündigte, dass er einen Studienkollegen zum Mittagessen mitbringen würde, hätte sie ohne nach den geschmacklichen Vorlieben des Besuchers zu fragen, Linsensuppe gekocht.

    Wenn der Gast sich nach dem Essen bei Köchin bedankte, dass die Suppe vorzüglich geschmeckt habe, aber etwas kokett hinzufügte, was sie denn gemacht hätte, wenn ihm Linsensuppe nicht zusagen würde, dann hätte sie fast empört geantwortet: »Linsensuppe mag jeder!« Schon die Vorstellung, dass jemand Linsensuppe nicht mögen würde, grenzte für sie an Blasphemie. Diese Ringelnatter scheint eine solche gottlose Kreatur zu sein, denn offenbar ist sie in der etwas zu wässerig geratenen Linsensuppe auf der Suche nach einer saftigen Fleischeinlage.

    *) Heinz Buls bekam für diese Fotografie den zweiten Preis im Fotowettbewerb »Naturschätze Europas 2011«.

    G.M., 12.06.11

     

     

     

    XXIX. Das Konzept der ökologischen Nische

    Um deutlich zu machen, dass es sich bei der ökologischen Nische nicht um einen räumlichen, sondern um einen funktionellen Begriff handelt, wird sie in Lehrbüchern gerne als der Beruf einer Tierart beschrieben. Diese Abbildung zeigt, dass es bei Tierarten, die einem gefährlichen Beruf nachgehen, zu schrecklichen Arbeitsunfällen kommen kann. Doch sie zeigt noch mehr: Der auf tragische Weise zerquetschte Biber dokumentiert auf anschauliche Weise, dass das Konzept der ökologischen Nische so ganz ohne räumliche Komponente dann doch nicht auskommt.

    G.M., 01.05.11

     

     

     

    XXVIII. Der Edelmopp

    Diese Inkarnation eines Mopps wurde unangefochtener Testsieger in der Kategorie sanfte Teppichbodenpflege.

    G.M., 05.04.11

       

     


    Klaus Duba  

    Gewöhnlicher Wischmopp

     

    XXVII. Das Auge der Giraffe

     

    Die Giraffe ist nicht nur für ihren langen Hals und ihre langen Beine berühmt, sondern auch über die Schönheit ihrer Augen wird Superlatives berichtet. Die Journalistin Lynn Sherr (1997), die sich in ihrem Buch »Tall Blondes. A Book about Giraffes« mit der kulturhistorischen Bedeutung der Giraffe beschäftigt, führt dazu aus: »Es ist die Schönheit des Auges der Giraffe, die vor allem eine Anziehungskraft auf uns ausübt, seine ›bezaubernde Sanftheit‹ in den Worten eines konvertieren Jägers. Ich habe mich ebenfalls in den Augen der Giraffe verloren, fasziniert durch den großen Glanz und den sympathischen Ausdruck unter den langen geraden Wimpern. ›Es gibt im ganzen Tierreich nichts, was vergleichbar mit seiner Schönheit ist‹, schrieb Sir Manuel Baker, der sich für Giraffen interessierte, nachdem er dazu beigetragen hatte, die Nilquellen zu entdecken. Ein mir bekannter Zookurator, der Junggeselle ist, vertraute mir ohne jegliche Verlegenheit an: ›An dem Tag, an dem ich eine Frau mit genauso schönen Augen wie die einer Giraffe finde, werde ich heiraten.‹«

    Die überschwängliche anthropomorphe Ästhetisierung des Auges der Giraffe hat vermutlich nicht nur mich, sondern auch viele Leser erheitert, zumal die wenigstens von uns einer Giraffe, allein schon bedingt durch ihre enorme Körpergröße, jemals tief in die Augen geschaut haben werden. Anknüpfend an ein berühmtes Filmzitat ist man fast geneigt zu kolportieren: Schau mir in die Augen Großes! Nun mag die schwärmerische Anthropomorphisierung des Auges der Giraffe zwar überraschen, prinzipiell sind solche Vermenschlichungen aber ein ganz alltägliches Phänomen. Man denke da nur an die vielen Haustiere, die wie Kinder behandelt werden oder an die beliebten tierischen Komikfiguren wie z. B. Micky Maus, Donald Duck, Kermit der Frosch oder Bugs Bunny. Dazu zählen auch reale vermenschlichte Fernsehserien-Tiere wie Fury, Lassy oder Flipper. Ferner ist in diesem Zusammenhang die Literaturgattung der Fabeln zu nennen, in denen Tiere bekanntlich menschliche Eigenschaften besitzen.

    Mich erinnert die schwärmerische Ästhetisierung des Giraffenauges auch noch an eine andere, etwas ernstere Angelegenheit, nämlich an den Titel des Antijagdbuches »Ein Reh hat Augen wie ein sechzehnjähriges Mädchen« von Karin Hutter (1988). Im gleichnamigen Kapitel beleuchtet sie ausgehend von dieser poetisch anmutenden Formulierung, die von einem Jäger stammt, die unübersehbar erotisch-sexistische Komponente der Jagdleidenschaft. Das beginnt bei der urtümlichen jägerischen Lust an Beute und Strecke, also z. B. dem reifen starken Bock auf der Höhe seiner Kraft und endet bei dem innigen Verhältnis zur Jagdwaffe, die selbst in technischen Waffenreports wie eine umworbene Geliebte beschrieben wird. Hutter resümiert: »Das Reh mit Augen eines sechzehnjährigen Mädchens, das sechzehnjährige Mädchen mit den Rehaugen – ein Vexierbild. Sollte das die richtige Spur sein, wäre Jagd im wahrsten Sinne des Wortes ›Mord aus Leidenschaft‹.«

    Was lernen wir aus dieser Geschichte?: Ich denke, mindestens zweierlei, erstens zeigt die verzückte Ästhetisierung des Auges der Giraffe eindrücklich wie menschlich dem ›lieben Gott‹ doch die Evolution der Tierwelt geraten ist und zweitens sind solche verklärenden Anthropomorphisierungen, wie das Beispiel der Jagdleidenschaft zeigt, nicht unbedingt zum Vorteil der tierischen Subjekte solcher Projektionen.

    G.M., 05.03.11

     

     

    Die Giraffe erscheint nicht nur beim Osnabrücker Künstlers Hinrich van Hülsen, dessen Bilder auch als »Treibstoff für die Phantasie« bezeichnet werden, sondern auch bei vielen Naturliebhabern erstaunlich anthropomorph.

     

    XXVI. Killer im Nebel

    Stefano Unterthiner

     

    Killerwale sollen die einzigen Tiere sein, die keine Angst kennen. Dafür verbreiten diese mörderischen Wale umso mehr Angst unter ihren Beutetieren. Auf diesem Photo jagt ein enorm großes Walmännchen, dessen riesige Rückenflosse das graue Wasser zerteilt, Königspinguine, die auf dem Weg zu ihrer nahegelegenen Kolonie sind. Die Panik, die es verbreitet, ist den Pinguinen regelrecht anzusehen.

    Sie wird noch dadurch verstärkt, dass die gewieften Killerwale auch hier im Familienverband jagen und ihre Opfer bis zur Erschöpfung hetzen. Die dramatische Aufnahme gelang dem italienischen Fotografen Stefano Unterthiner im Crozet-Archipel, das im indischen Ozean auf dem halben Weg zwischen Madagaskar und der Antarktis liegt. Sie erhielt im Wettbewerb »Wildlife Photographer of the Year 2009« eine Auszeichnung.

    G.M., 07.11.10

     

     

    XXV. Erbarmungswürdige Biber

    Für den frühen Kirchenvater Tertullian dienten Biber, die sich (angeblich!) ihre Hoden abbissen, als Vorbild für geschlechtliche Enthaltsamkeit. Betrachtet man die vielen Berichte über sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in jüngster Zeit könnte sich vor allem mancher neuzeitliche Kleriker oder Reformpädagoge ein Beispiel daran nehmen. [G.M.]

    »Das Wort ›Bibergeil‹ (Castoreum) entstand wohl, weil man die Geilsäcke für die Hoden des Bibers hielt*). So dichtet eine Quelle aus dem 16. Jahrhundert: ›sein hoden sein zur medicin, für pestilenz und all venin, dieselben nennt man bibergeyl und hats in apotecken feyl‹. Das Geil in Bibergeil kommt vom Hauptwort das Geil bzw. die Geilen (mhd. geile = Hoden). Ursprünglich war es vermutlich ein medizinischer Ausdruck; ›einem die Geilen ausschneiden‹ war gleichbedeutend mit kastrieren.

    Die alten Bestiarien berichten, dass der Biber, wenn er wegen des Bibergeils bejagt wurde, seine Hoden abbiss, um den Nachstellungen der Jäger zu entgehen (siehe Abbildung). Wurde ihm danach erneut nachgestellt, legte er sich auf den Rücken und präsentierte den Jägern seine kastrierte Unterseite, um damit deutlich zu machen, dass eine Bejagung sinnlos ist.

    Diese Geschichte hielt sich hartnäckig über viele Jahrhunderte, doch schon Plinius d. Ä. (23 – 79 n. Chr.) hielt sie für falsch. ›Dass diese von den Bibern, wenn man sie fängt, selbst abgebissen werden, stellt Sextius, ein in der Heilkunde sehr genauer Mann, in Abrede, denn die Hoden seien ja klein und eingezogen und am Rückgrat hängend und man könne sie nur wegnehmen, wenn man das Tier tötet …‹, berichtet Plinius.

    Dennoch kehrt die Geschichte immer wieder zurück. Kirchenvater Tertullian (160 – 230 n. Chr.) erwähnt sie etwa in Zusammenhang mit geschlechtlicher Enthaltsamkeit, für die der Biber mit seinem Abbeißen der Hoden als Beispiel dienen soll. Eine andere, rührende Legende fasst Zedlers Universallexicon (1732) zusammen: ›Vor die Menschen fürchten sie sich sehr, darum lassen sie sich wenig sehen; und wenn es ja von ungefähr geschehet, daß sie ein Mensch an einem solchen Orte antrifft, da sie nicht weg kommen können, so heben sie sich in die Höhe, und sitzen auf den Hinterbeinen, legen die Vorderfüsse zusammen, sehen in denen Augen traurig aus, lassen auch offt Thränen flüssen, als wenn sie um ihr Leben bitten wollten.‹«

    Anmerkung

    *) Das Bibergeil ist ein Sekret aus Drüsensäcken, die sich in der Nähe der Hoden befinden. In der Volksmedizin galt es als therapeutisches Wundermittel: ›Bibergeil macht alles wieder gut/geil‹. Tatsächlich war nicht alles Aberglaube, denn das komplexe Gemisch enthält z. B. Acetylsalicylsäure, die die Biber aus der Rinde der gefressenen Weiden (Gattungsname Salix) gewinnen. Dieser Stoff sollte später zum berühmtesten Medikament der Welt werden: Aspirin.

    aus: Hofrichter, Robert (2006): Der Biber im Spiegel der Geschichte. – In: Taucher.Net-Onlinemagazin

    G.M., 05.08.10

     

     

    XXIV. Cappuccino-Bären – »Kinder des Klimawandels«

    Tips und Taps im Osnabrücker Zoo

    Zoologische Gärten arbeiten seit einigen Jahrzehnten an ihrem Image, eine Arche für bedrohte Tierarten zu sein, für die in der Natur kein Platz mehr ist. Bastarde gelten deshalb als peinlicher, von der Natur nicht vorgesehener Betriebsunfall, über den man nicht gerne redet. Aus biologischer Sicht sei es sogar sinnvoll, solche Mischlinge zu erschießen.

    Nicht selten entwickeln sich solche Mischlinge jedoch zu Publikumslieblingen, denn ein Liger, also eine Kreuzung aus einem Löwen und einen Tiger, ist allemal attraktiver als seine reinrassigen Eltern. Auch aus anderen Gründen kommt es schon mal zu Konflikten, wenn der Kodex, die Tiere artgerecht zu kreuzen, mit wirtschaftlichen Erwägungen abgewogen wird.

    Im Osnabrücker Zoo hat man einen solchen Konflikt nun elegant gelöst. Dort wurden 2004 zwei Bären geboren, die aus einer unbeabsichtigten Kreuzung zwischen einem Polar- und Braunbären stammten. Da sie das Ergebnis eines nicht artgerecht gestalteten Bärengeheges waren, wurde von Seiten der Zoodirektion öffentlich nur ungern darüber geredet.

    Als dann 2006 erstmals in freier Natur ein solcher Hybridbär entdeckt oder genauer gesagt geschossen wurde, änderte die Zoodirektion ihre Einstellung. Jetzt waren die Mischlinge nicht mehr Symbol für einen Betriebsunfall, sondern für Naturveränderungen durch den menschengemachten Klimawandel. O-Ton des Zoo-Geschäftsführers Andreas Busemann vom 03.12.09:

    »Die beiden Eisbärhybriden – eine Mischung aus Braun- und Eisbär – werden als Klimabotschafter die Besucher informieren. Denn tatsächlich wurden auch in der freien Natur Eisbärhybriden nachgewiesen. Vermutungen legen nahe, dass es weitere gibt und dass diese Kinder des Klimawandels sind«.

    Nach vorsichtigen Schätzungen bastardieren etwa 10 % aller Tierarten in der freien Natur. Die überwiegende Zahl dieser Chimären ist zwar selektiv nicht durchsetzungsfähig, aber dies gilt eben keineswegs für alle, zumal die Hybridisierung ein wichtiger Evolutionsmechanismus ist. Am Umgang mit Hybriden entzünden sich immer wieder heftige Kontroversen zwischen Artenschützern.

    Den Klimawandel dafür verantwortlich zu machen, dass er Unnatur in die Natur hineinträgt, indem er Artgrenzen aufweicht, ist also ziemlicher Humbug. Nicht die Hybridisierung, sondern unser Naturbild ist unnatürlich. Den beiden Cappuccino-Bären mag diese Diskussion egal sein, ihr Status als Klimabotschafter verleiht ihnen diplomatische Immunität und schützt sie vor allzu eifrigen Artenschützern.

    G.M., 12.06.10

     

     

    XXIII. Was uns vom Götterboten Hermes blieb

    Originalbefund keine Installation

    Nach der Mythologie überbringt und übersetzt der griechische Göttebote Hermes den Sterblichen die Botschaft der Götter. Er bewegte sich dabei schneller als das Licht. Dies ermöglichen ihm kleine Flügel, die sich an seinen Stiefeln befinden.

    Hier sehen wir, was von Hermes übrig blieb, als er mit Überlichtgeschwindigkeit vom Kurs abkam und gegen eine Stieleiche donnerte. Wenn dieser bedauerliche Unfall mal nicht die Ursache dafür ist, dass die Welt so gottlos geworden ist.

    G.M., 08.04.10

     

     

    XXII. Warum der Distelfink ein so bunter Vogel ist

    Ueli Raz

    Als der liebe Gott die Vögel machte, da gab er ihnen Beine zum Hüpfen und Flügel zum Fliegen und Schnäbel zum Fressen, aber auch zum Singen. Dann nahm er einen großen Farbkasten und malte ihnen bunte Federn. Die Taube machte er ganz blau, den Kanarienvogel so gelb wie eine Zitrone, der Dompfaff bekam eine imposante kaminrote Brust und die Bachstelze silbergraue Flügel mit einem schwarzen Strich über Rücken und Kopf. Wie er das Rotkehlchen und den Grünfink anmalte, könnte ihr euch selbstredend denken. Alle Vögel wurden prächtig gefärbt. Nur einer war übrig geblieben, weil er hinter allen anderen stand und sich nicht vordrängen wollte. Das war der Distelfink.

    Als er endlich an die Reihe kam, da hatte der liebe Gott alle Farben verbraucht. Da weinte das arme Vögelchen, dass es nun kein buntes Federkleid haben sollte wie die anderen. Doch der liebe Gott beruhigte es, denn in jedem Topf war noch etwas Farbe zurückgeblieben. Und so malte er den Distelfink ein bisschen braun und ein bisschen rot, ein bisschen blau und ein bisschen gelb und ein bisschen weiß und ein bisschen schwarz; aus allen Schälchen ein wenig, so dass er der bunteste unter allen Vögeln wurde. Und als der Distelfink sich zum ersten Mal im Spiegel sah, da hat er sich dann so gefreut.

    G.M., 01.03.10

     

     

    XXI. Wenn Überanpassung zur bedrohlichen Selbstaufgabe wird

    Nachtschwester Notburga sah ihren aufreibenden Dienst in der Intensivabteilung einer geriatrischen Klinik nicht als Bürde, sondern vielmehr als Berufung. Kein Wunder, dass sie sich im Laufe der Jahre immer perfekter an ihre Aufgabe angepasst hatte. Aus bisher nicht geklärten Gründen führte ihr Erscheinen auf der Station jedoch immer öfter dazu, dass die Patienten sich furchtbar erschraken und die Notklingel drückten. Schwester Notburga wurde dann immer sehr ärgerlich, weil die Hilfe doch bereits da war und direkt über ihnen schwebte!

    G.M., 20.02.10

     

     

    XX. Was das Eis wirklich zum Schmelzen bringt

    Diese bezaubernden Bilder, einer fast surreal anmutenden Begegnung zwischen zwei ungleichen Beutegreifern gelangen dem Naturphotographen Norbert Rosing 1992 im Norden Kanadas als ein riesiger, 1.200 Pfund schwerer Polarbär sich dem Gelände einer Husky-Zuchtfarm näherte und unerwartetes Interesse an den dort angeketteten Schlittenhunden zeigte. Während die anderen Hunde verrückt spielten, blieb ein Hund namens Hudson ruhig stehen und wedelte mit dem Schwanz. Ein Leichtsinn, der normalerweise tödlich endet, denn der Polarbär gilt als brutaler Killer, der - wenn ihm der Magen knurrt - auch vor Kannibalismus nicht zurückschreckt. Doch statt den offenbar völlig arglosen Hudson in angestammter Feindschaft zu zerfleischen, berührte er ihn behutsam mit der Nase, um friedlich-freundschaftliche Absichten zu signalisieren. Doch damit nicht genug, im weiteren Verlauf spielten die beiden wie zwei herumbalgende Kinder miteinander, wobei sich der Bär schlussendlich sogar auf den Rücken rollte.

    Der Photograph Norbert Rosing betonte später den einzigartigen Verlauf dieser Begegnung, denn normalerweise verhalten sich Polarbären fast ausnahmslos aggressiv gegenüber über Hunden. Ein kanadischer Wildtierexperte meinte, das freundliche Verhalten des Eisbären damit erklären zu müssen, dass dies ein Trick sei, mit dem der Bär versuche, Futter vom Eigentümer der Hunde zu ergattern. So einen, an den Haaren herbeigezogenen Unsinn kann sich wirklich nur ein Experte ausdenken. Erstens war der Bär ein Pfundsbrocken, also bestens genährt und zweitens, wenn ihn wirklich ein knurrender Magen zur Huskyfarm geführt hätte, dann hätte er sicherlich kurzerhand einen der angeketteten Hunde erschlagen und verspeist, statt possierliche Zirkusnümmerchen aufzuführen.

    Halten wir uns auf der Suche nach einer überzeugenderen Erklärung an die handfesten Indizien: Fragen wir uns z. B., warum der Hauptdarsteller auf Seiten der Huskies, ausgerechnet den Namen Hudson trägt? Ist dies Rainer Zufall oder führt uns dieser Name auf eine Spur? Er erscheint zwar auf den ersten Blick unverdächtig, weil auch das riesige Binnenmeer, an dessen Westküste sich diese Geschichte abgespielt hat, Hudson Bay heißt; aber gab es da nicht auch einen Schauspieler namens Rock Hudson, der Ende der 1950er Jahre sogar geheiratet hat, um Gerüchten bezüglich seiner homosexuellen Neigungen entgegenzuwirken? Und wenn dies eine Spur ist, gibt es da vielleicht noch weitere Indizien, die den Verdacht erhärten, dass diese Begegnung so unblutig verlief, weil die beiden Beteiligten stockschwul sind?

    Da fällt zunächst einmal die in den Bildern zum Ausdruck kommende und wohl nur von einem elitären Wildtierexperten zu übersehende Zärtlichkeit und Zuneigung zwischen den beiden Protagonisten auf. Aber auch ein nüchterner Blick in das voluminöse Standardwerk »Biological Exuberance - Animal Homosexuality und Natural Diversity« des Biologen Bruce Bagemihl (1999) bestätigt, dass etwa zwei Prozent der Polarbären bisexuelles Verhalten zeigen. Bleibt noch die Frage zu klären, ob homosexuelle Gefühle in der Lage sind, den kalten Krieg zwischen zwei von Natur aus bis auf die Knochen verfeindeten Tierarten zu beenden?

    Erinnern wir uns an den leider viel zu früh verstorbenen österreichischen Liedermacher Georg Danzer. Der hatte, zu einer Zeit als sich der Westen und der Osten noch im kalten Krieg befanden, anlässlich der Kießling-Affäre, die unsere biedere Republik damals schwer erschütterte, den Song »Der General« getextet und auf der LP »Menschliche Wärme« (1984) veröffentlicht. Darin heißt es: »Die kältesten Krieger, erregten sich heiß, ein wärmlicher Bruder da schmilzt doch das Eis, sie grölten von Schande und Sicherheitsgefahr. Wie wahr ein schwuler General krümmt dem Feind kein Haar...«.*)

    Dank dieser schlüssigen und in sich konsistenten Argumentation konnte das Rätsel dieser anrührenden Begegnung von zwei Tierarten, zwischen denen normalerweise das ganze Jahr über kalter Krieg herrscht und blutige Fetzen fliegen, wohl erstmalig einer befriedigenden Lösung zugeführt werden. Und was lernen wir aus des Rätsels Lösung?: Der Sexualtrieb stellt sich uns wieder einmal als Schlüssel zu einem besseren Verstehen der Welt und Quelle anmutend schöner Beziehungsgeschichten dar - und nicht etwa als Hort der Unmoral und niederer Begierden, wie uns viele verklemmte Sittenwächter immer noch weismachen wollen!


    *) Der vollständige Liedtext lautet:

    Es lebte in Deutschland
    einst ein General
    von dem man erzählte
    er wär’ nicht normal
    es hieß, daß er schwach sei
    und deshalb untragbar
    Na klar, ein schwacher General
    krümmt dem Feind kein Haar
    ein schwacher General
    schwächt die Kampfmoral

    Die kältesten Krieger
    erregten sich heiß
    ein wärmlicher Bruder
    da schmilzt doch das Eis
    sie grölten von Schande
    und Sicherheitsgefahr
    Wie wahr, ein schwuler General
    krümmt dem Feind kein Haar
    ein schwuler General
    ist ein Staatsskandal

    Doch ich wünschte mir sehr
    die Generäle wären alle schwul
    und spielten Feindberührung
    am Casino Swimmingpool
    sie spritzen sich naß
    und hätten viel Spaß
    was ist hier eigentlich pervers
    Liebe oder Haß?

    G.M., 25.01.10

     

     

    Eisbären auf schmelzenden Schollen sind zur globalen Umwelt-Ikone geworden. Immer wieder hören wir, der Lebensraum der Eisbären sei bedroht, weil wir unsere konsumorientierte Lebensweise nicht ändern und der Klimaerwärmung nicht Einhalt gebieten. Tatsächlich ist ihr Bestand laut Angaben der Weltnaturschutzorganisation*) in den vergangenen fünfzig Jahren von circa 5.000 auf fast 25.000 angewachsen. Ein lästiges Detail, das nach einer Analyse des Publizisten und Klimaskeptikers Michael Miersch - die Botschaft der Bilder aber kaum schmälert. Und die lautet: »Die Eisbären sterben aus! Schuld ist die Klimaerwärmung! Basta!«**)

    *) International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN)

    **) »Die Klima-Hysterie«. - In: Cicero, Magazin für politische Kultur, Ausgabe Juni 2007

     

    XIX. Graziles Grauen*)

    Igor Siwanowicz

    Man könnte die Gottesanbeterin**) – hier in Drohposition – tatsächlich für ein Wesen aus einer fernen Galaxie halten, doch lauert die geschickte Jägerin, wie in Bernstein konservierte Funde zeigen, schon seit Urzeiten in unserer Welt auf Beute. Mit ihrem dreieckigen Kopf und ihren riesigen Facettenaugen steht die Gottesanbeterin immer wieder für Aliens und Monster in Horror und Science-Fiction-Filmen Modell. Ihren Namen verdankt die Gottesanbeterin, den in Lauerstellung vor der Brust gefalteten vorderen Beinpaar (Fangarme). Doch mit Demut hat diese Haltung nichts zu tun – vielmehr kann die Jägerin so blitzschnell Beute packen.

    Gottesanbeterinnen (oder Fangschrecken) sind im Gegensatz zu den sich vegetarisch ernährenden Heuschrecken räuberisch lebende Fleischfresser. Kleinere Artgenossen schmecken ihnen ebenso wie Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und Bienen. Tropische Arten verspeisen auch Schlangen, Eidechsen, Vögel und Mäuse, die größer sind als sie selbst. Während die gnadenlose Jägerin bewegungslos in Lauerstellung verharrt, ist sie jederzeit bereit, dem Opfer blitzschnell die hakenbewehrten Fangarme entgegenzuschleudern, die wie ein Taschenmesser zusammenklappen können und das Opfer fest wie im Schraubstock halten.

    Die Gottesanbeterin ist eine Meisterin der Tarnung. Häufig tarnt sie sich als Zweig, Grashalm, Rindenstück oder (welkes) Blatt. Bei der Totenblattfangschrecke imitieren kleine Löcher sogar ein Blatt mit Pilz- und Lausbefall. Die Kronenfangschrecke in den ostasiatischen Regenwälder tarnt sich als Blütenblatt einer Orchidee. Experimente haben gezeigt, dass junge Gottesanbeterinnen während ihrer Häutungen selbst ihre angestammte Farbe ändern und sie ihrer Umgebung anpassen können. Wenn sie allerdings selbst in Gefahr gerät, nimmt sie eine Drohposition ein. Sie präsentiert sich frontal, zeigt ihre prächtigen Farben und spreizt die Glieder.

    Bei den meisten Fangschrecken sind die Männchen deutlich kleiner als die Weibchen Der Größenunterschied kann für die Männchen, die vom Weibchen durch Pheronome (›Liebesdüfte‹) angelockt werden, bei der Paarung gefährlich werden. Ist die leicht reizbare Dame nicht in Paarungsstimmung und vom Männchen nicht zu beruhigen, sieht sie es nur als Beute. Doch auch wenn die Paarung gelingt, ist sie für das Männchen ein Spiel auf Leben und Tod. Nicht wenige Freier verlieren noch während der Paarung buchstäblich den Kopf. Trotzdem bleibt der kopflose Hinterleib noch aktiv und befruchtet das Weibchen weiter bis er vollständig verspeist ist.

    Das wird üblicherweise damit erklärt, dass die Weibchen das Eiweiß dringend für die Bildung der Eier brauchen, erinnert mich aber an eine Anekdote, die ich einmal bei dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould gelesen habe: Auf einer Tagung hätte sich ein Genetiker darüber beklagt, dass sich seine Modellorganismen (ich meine, es waren Mücken) so schlecht vermehren würden. Die Männchen seien kaum dazu zu bewegen, sich mit den Weibchen zu paaren. Darauf hin meldete sich ein unscheinbarer Herr aus dem Publikum und fragte, ob er schon einmal probiert habe, den Männchen den Kopf abzureißen. Leider ist nicht überliefert, auf welchen (persönlichen?) Erfahrungen sein Tipp beruhte!


    *) Welt der Wunder, RTL II TV-Sendung »Graziles Grauen - Die gnadenlosen Jagdmethoden der Gottesanbeterin« vom 09.11.2003, Redakteurin: Denise Masuch

    **) Hier ein Exemplar der ostasiatischen Art »Rhombodera basalis«. Weltweit gibt es über 2003 Fangschrecken. Die einzige in Deutschland vorkommende Art ist die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Sie lebt in wärmeren Gegenden, wie z. B. um dem oberrheinischen Kaiserstuhl und ist vor allem in Südeuropa verbreitet.

    G.M., 20.12.09

     

     

     


    Zig Koch

    Gefährliche Jägerin, mit wie zum Gebet gefalteten Fangarmen, in Lauerstellung – von Demut also keine Spur.

     

    XVIII. Goldammern im erbitterten Luftkampf

    Fergus Gill

    Diesmal kein Zickenkrieg um die Vorherrschaft in einer Clique, sondern ein Hahnenstreit um winterliche Nahrungsressourcen.

    G.M., 22.11.09

     

     

     

    XVII. Faustisches Paradox

    »Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zugrunde gehn!« (Faust 1, Vers 1699 -1702)

    G.M., 01.11.09

     

     

     

    XVI. Mauersprung

    Mauersprung 1

    Der Weltrekord im Mächtigkeitsspringen beträgt 2,47 Meter. Er wurde am 05.02.1949 von dem Chilenen »Captain Larraguibel Morales« und seinem Pferd »Huaso« in Santiago de Chile aufgestellt und seitdem nicht mehr übertroffen. Genau 60 Jahre später scheint der italienische Künstler Maurizio Cattelan diesem Ereignis eine sarkastische Installation gewidmet zu haben, die seit Juni 2009 in den historischen Hallen der einstigen Zollbehörde in Venedig zu besichtigen ist.

    Mauersprung 2

    Laut dem Informationsportal Reitwelten.de wagen sich nur wenige Spezialisten an die extreme Herausforderung von Mächtigkeitsspringen: »Vor allem die Pferde müssen neben einem herausragenden Vermögen, mit einem unerschütterlichen Vertrauen zu ihrem Reiter ausgestattet sein – schließlich sehen sie nicht, was sich hinter den Hindernissen befindet und wo sie landen werden.«

    Hier sieht man, was passiert, wenn das Pferd zwar über ein hervorragendes Springvermögen, aber kein Vertrauen zum Reiter verfügt. Der wurde samt Sattel und Zaumzeug (in neuer, aber offiziell nicht anerkannter Weltrekordhöhe) über die 3,50 m hohe Mauer geschleudert. Laut Berichten von Augenzeugen soll es keine einfache Landung gewesen sein. Kein Wunder, dass das Pferd jeden weiteren Versuch verweigerte, die Mauer zu überspringen.

    Mauersprung 3

    »Wenn man immer wieder nach großem Anlauf gegen Wände rennt, die dabei weder einstürzen noch übersprungen werden können, dann ist es an der Zeit, kleinere Schritte zu machen, nach schmaleren Pfaden durchs Gelände zu suchen.«

    Besinnliche Bemerkung des Münsteraner Philosophen, Naturwissenschaftler und Softwareunternehmers »Jörg Friedrich« auf seinem Arte-Fakten-Scienceblog über Kommentar-Schlachten.

    G.M., 06.09.09

     

     

     

    XV. Ausflug ins Ungewisse

    Seehund Kalli

    Seehund »Kalli« wurde nach seinem Fund als Heuler in einer Seehundstation aufgepäppelt. Kurz bevor er vor der Insel Juist in die Freiheit entlassen wird, zeigt er sich ausgesprochen skeptisch. Der Liedtext der Kult-Band Mia »Ich freu' mich auf mein Leben - mache frische Spur'n in den weißen Strand.« scheint ihm jedenfalls gerade nicht durch den Kopf zu gehen...

    G.M., 09.08.09

     

     

     

     

     

    XIV. Friedlich schlummernder Erziehungsgehilfe

    Hyäne und Friedlich schlummernder Knochenknacker
    Hinrich van Hülsen

    Diese Hyäne wurde kürzlich von der Zielgruppe »alleinerziehende Mütter« zum beliebtesten Tier eines Streichelzoos gewählt. Häufigste Begründung: Die nervenstrapazierenden kleinen Racker, die vorher jede Gelegenheit genutzt hätten, ihre Grenzen auszutesten, seien nach dem Besuch des Geheges einfach viel ausgeglichener und pflegeleichter.

    G.M., 02.08.09

     

     

     

     

     

    XIII. »Nomen est omen…«

    Fuenf-Farben-Vogel
    »Schwarzbrauen-Bartvogel«
    Fuenf-Farben-Vogel
    »Fünf-Farben-Vogel«

    Der deutsche Name für diesen zur Familie der asiatischen Bartvögel gehörenden Spechtvogel (Megalaima oorti) ist recht farblos gewählt, während der chinesische Name seinem Aussehen alle Ehre macht.

    G.M., 18.07.09

     

     

     

    XII. Der Kampf der Königinnen

    Der Kampf der Königinnen

    Zwei Walliser Alm-Kühe im Kampf um ihre Stellung innerhalb der Herde. Die Tiere verletzen sich bei ihrem Kampf nicht, sondern versuchen lediglich, die Kontrahentin wegzuschieben. Erheblich weniger fair geht es bekanntermaßen bei Zickenkriegen um die Vorherrschaft in Cliquen oder Castingshows zu: Da reicht das Repertoire vom verbalen Amoklauf bis hin zum Auskratzen der Augen.

    G.M., 13.05.09

     

     

     

    XI. Von Brandgänsen und Feuerfalken

    Brandgans

    Für Tiernamen gibt es meistens viele Herleitungen. Nehmen wir z. B. die Brandgans (Tadorna tadorna), die zur Familie der Entenvögel gehört. Laut Wikipedia gibt es für ihre Bezeichnung mindestens drei Erklärungen: Nach der geläufigsten Version soll sich ihr Name aus dem rostbraunen Brustband ableiten. Nach einer weiteren Version weist er auf die schwarzen (»angebrannt« wirkenden) Flecken in ihrem Federkleid hin und nach noch einer anderen Version könnte er auch ein Hinweis auf ihr Leben als Küstenvögel in der Nähe der Brandung sein. Da die Brandgans gelegentlich auch in Fuchshöhlen brütet, könnte man als weitere Variante ergänzen, dass sie »brandgefährlich« lebt...Wie dem auch sei, ganz anders verhält es sich bei dem Namen »Feuerfalke«, der eine Bezeichnung der australischen Ureinwohner für den Schwarzmilan (Milvus migrans) ist.

    Im Unterschied zum deutschen Namen hat er nichts mit der Färbung des Gefieders zu tun*). Der Name »Feuerfalke« bezieht sich auf eine geradezu unheimlich erscheinende Jagdtaktik der Schwarzmilane**): Die australischen Ureinwohner erzählen, der Schwarzmilan hole sich nach einem Buschbrand einen noch glimmenden Stock, fliege damit viele hundert Meter weit über unversehrtes Gelände und lasse dann die heiße Fracht auf trockenes Gras fallen. Dem neu entstehenden Brand entflöhen alsbald Nagetiere und Reptilien, die der Räuber dann bequem erbeuten könnte. Diese in der Bezeichnung »Feuerfalke« von den Aborigines überlieferte, ausgeklügelte Jagdtechnik des Schwarzmilans fand erst jüngst durch die Beobachtung von Studenten eine erste wissenschaftliche Bestätigung.

    Ein allgemein akzeptierte wissenschaftliche Erkenntnis ist sie damit allerdings noch nicht, denn die Naturwissenschaft ist bekanntlich sehr autoritätsgläubig. Eine jahrhundertealte Überlieferung von Aborigines zählt da kaum etwas, eine zufällige Beobachtung von Studenten kurioserweise schon erheblich mehr. Zu einer seriösen wissenschaftlichen Beobachtung wird sie erst dann, wenn sie von ausgewiesenen Experten des Wissenschaftsbetriebes beobachtet und dokumentiert werden kann.

    Anmerkungen

    *) Da die Gefiederfarbe des Schwarzmilans eher braun als schwarz ist, ist sein deutscher Name allerdings eher irritierend als bezeichnend.

    **) vgl. Cerutti, Herbert (1994): »Von Tieren – Wenn es Schildkröten regnet.« – In: NZZ Folio 10.

    G.M., 05.04.09

     

     

     

     

    Schwarzmilan
                Jörg Kalok

    Der von den australischen Ureinwohnern auch Feuerfalke genannte Schwarzmilan lebt im Unterschied zur Brandgans nicht brandgefährlich, sondern er ist es.

     

    X. Von Knochenschmieden und dem tragischen Tod des weisen Aischylos

    Brandgans

    Die Bezeichnung »Knochenschmiede« bezieht sich auf ein erstaunliches Verhalten von Bartgeiern. Dieser auch unter dem Namen Lämmergeier bekannte, imposante Vogel war früher in den Bergregionen Europas weitverbreitet. Nach erbarmungsloser Verfolgung im 19. Jahrhundert (man verdächtigte ihn, fälschlicherweise Lämmer und sogar kleine Kinder zu rauben) versucht man ihn heute in den Alpen, wieder heimisch zu machen. Er ernährt sich von Aas und Knochen, die er mit seiner konzentrierten Salzsäure in seinem Magen restlos verdaut. Große Brocken, wie etwa den Oberschenkel einer Gams, die er nicht herunterschlucken kann, knackt er mit einem Abwurftrick, in dem er sie aus 50 bis 80 Metern Höhe auf einen Felsen prallen lässt. Die Geier sind dabei außerordentlich zielsicher und haben regelrechte Abwurfzentren (»Knochenschmieden«), in denen sich Unmengen zerborstener Knochen anhäufen.

    Als einzige lebende Fracht nimmt der Bartgeier im Mittelmeerraum auch Landschildkröten auf, vermutlich weil deren Panzer eine gewisse Ähnlichkeit zu Knochen aufweisen. Viel häufiger wird dies von Steinadlern berichtet*): In manchen Gegenden Südosteuropas machen Landschildkröten sogar einen Hauptbestandteil ihrer Beute aus. Eher selten knacken sie deren Panzerung mit Schnabel, weitaus häufiger lassen sie ihre Beute aus großer Höhe auf einen felsigen Grund zerschellen. Es wurde sogar schon beobachtet, dass die Adler die abstürzenden Schildkröten auf ihrem Todesflug begleiten, um nach deren Aufprall unverzüglich über ihre Weichteile herfallen zu können. Hat der Panzer dem Aufprall standgehalten, wird der Abwurf so oft wiederholt, bis er geknackt ist. Dort wo es Adler oder Bartgeier gibt, muss man folglich damit rechnen, dass nicht nur Regen, sondern gelegentlich auch eine Schildkröte vom Himmel fällt.

    Dieses Kuriosum hat auch Eingang in eine Legende gefunden. Sie wurde uns von dem römischen Universalgelehrten Gaius Plinus Secundus überliefert und berichtet vom tragisch-komischen Ende des großen griechischen Dichters Aischylos: Ihm war prophezeit worden, dass er seinen Tod durch ein zusammenfallendes Haus finden würde. Um diesem Schicksal aus dem Weg zu gehen, hielt er sich fortan nur noch im Freien auf. Eines Tages flog ein Adler mit einer Schildkröte in seinen Fängen, der auf der Suche nach einem Felsen war, um sein Beute zu zerschmettern, über ihm hinweg. Als er den kahlen Kopf des Aischylos in der Sonne glänzen sah, hielt er dessen ehrwürdiges Haupt für einen Stein. Zielsicher ließ er seine Beute fallen und tötete auf diese Weise den großen Dichter. So erfüllte sich die Prophezeiung, dass er durch ein einstürzendes Haus getötet würde, denn die Schildkröte trägt bekanntlich ihr Haus mit sich.

    Bei dem Bericht über den skurrilen Tod des weisen Aischylos handelt es sich sicherlich um keine wahre Begebenheit, sondern um eine amüsante Anekdote, in der das tragische Ende eines großen Dichters ausgeschmückt wird. Immerhin wirft sie ein interessantes Licht auf die vieldiskutierte Frage, inwieweit naturwissenschaftliche Kenntnisse zur Bildung gehören. Der bekannte Literaturprofessor Dietrich Schwanitz hatte in seinem Bestseller »Bildung – Alles, was man wissen muß« geschrieben, dass naturwissenschaftliche Kenntnisse zwar nicht versteckt werden müssen, aber nicht zur Bildung gehören, weil sie wenig zum Verständnis der Kultur beitragen. Die Anekdote über das Ende des Aischylos zeigt nun, dass sie zumindest geeignet sind, den realen Bodensatz von Legenden freizulegen. Im Extremfall könnten sie sogar hilfreich sein, einen prophezeiten ›Schicksalsschlag‹ abzuwenden. Kurioserweise besteht aber eine größere Chance, davon zu erfahren, dass es »Schildkröten vom Himmel regnen« kann, wenn man ein Philosophie- und nicht ein Biologiebuch zur Hand nimmt.

    *) vgl. Cerutti, Herbert (1994): »Von Tieren – Wenn es Schildkröten regnet.« – In: NZZ Folio 10.

    G.M., 05.04.09

     

     

    Bartgeier-Knochen

    Bartgeier knacken große Knochen durch einen Abwurftrick

     

    IX. Der schöne Fink und das grausige Biest

    Seidenspinne Braunbrust Schilffink

    Ein Braunbrust-Schilffink (Munia castaneothorax) hat sich in dem starken Netz einer gigantischen Seidenspinne (Nephila edulis) verfangen und steht wohl kurz davor, getötet und verspeist zu werden. Solche Bilder mobilisieren bei den meisten Menschen Urängste vor ekelerregenden Krabbeltieren. Ohne Frage ist für uns die Vorstellung erträglicher, dass ein Vogel in den Klauen eines Sperbers oder den Krallen einer Katze verendet als im Netz einer Spinne.

    Es ist davon auszugehen, dass Vögel keine Abscheu vor Krabbeltieren kennen, zumal sie zu ihrem Nahrungsspektrum gehören. Wir wissen daher nicht, welches Ende diesem Prachtfink lieber gewesen wäre, wenn er denn die Wahl gehabt hätte. Vielleicht denkt er aber: Wenn ich nicht saudummerweise in das Netz dieses heimtückischen Biestes geraten wäre, hätte es nicht die geringste Chance gegen mich gehabt.

    G.M., 14.03.09

     

     

     

    VIII. Staraufgebot

    Staraufgebot
    Patrick Pleul

    Der Star (Sturnus vulgaris) ist für seine Fähigkeit berühmt, Stimmen und Laute nachzuahmen. Jeder (männliche) Star hat sein individuelles Repertoire, das vom melodischem Pirolgesang über nervige Mobiltelefonklingeltöne bis hin zu knatternden Rasenmähergeräuschen reichen kann. Im Prinzip verfügt ein Star damit über das Gesangsspektrum eines recallverdächtigen Casting-Kandidaten bei »Deutschland sucht den Superstar«. Um dies zu würdigen, sollte sein überkommener lateinischer Name in Castus vulgaris geändert werden, was übersetzt in etwa so viel wie Gemeiner Bohlenstar bedeutet.

    G.M., 20.12.08

     

     

    VII. Landeverbot!

    Landeverbot

    »Hey Du Vogel, warum fliegst Du nicht ab Dortmund?«

    G.M., 21.09.08

     

     

    VI. Riskanter Opportunismus

    Haidenangst

    Zum normalen Beutespektrum eines Sturmvogels gehören Fische bis zur Größe einer Sardine. Bei günstiger Gelegenheit schreckt er allerdings wie viele Beutegreifer auch vor größeren Brocken nicht zurück...

    G.M., 10.02.08

     

     

    V. Idyllisches

    Schwule Sau

    ›Schwule Sau‹...

     

     

     

    IV. Ku’linarisches

    Ku'linarisches

    Wo geht’s denn hier zum Ku’damm?

     

     

     

    III. Der braune Bär und das auswärtige Amt

    Das »Auswärtige Amt«, Deutschlands superteuerer Partyservice für Staatsbesuche und Auslandsreisen unserer höchstrangigen Regierungsvertreter, hat aus aktuellem Anlass eine Reisewarnung herausgegeben. Diesmal warnt es anlässlich des illegalen, d. h. protokollarisch nicht vorgesehenen Eindringens eines braunen ›Risikobären‹ nach Oberbayern vor Reisen in den süddeutschen Freistaat. Tatsächlich scheint der aus Österreich kommende (und diesmal zum Abschuss freigegebene) braune Bär aber mit dem Partyservice des auswärtigen Amtes vollauf zufrieden zu sein und macht bislang wenig Anstalten, sich an deutschen Staatsbürgern zu vergreifen. Nachtrag: Der Problembär Bruno wurde am 17.12.2008 Opfer eines legalen jagdlichen Attentates. Gott hab ihn selig!

     

     

     

    II. Achtung Bremsen

     Regenbremse
    (Fundsache von Helga Helbig, Detmold)

    Die graue Regenbremse (15-25mm) ist an schwülen Sommertagen eine quälende Plage für Mensch und Tier. Sie sitzt mit dachartig angelegten Flügeln und ist dann im Gegensatz zur Stubenfliege leicht zu erschlagen. Links die großen regenbogenfarbenen Bremsenaugen (8fach vergrößert).

     

     

     

    I. GravitationsscHummel

    Die Hummel wiegt 4,8 g. Sie hat eine Flügelfäche von 1,45 Quadratzentimetern, bei einen Flächenwinkel von 6 Grad. Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann die Hummel nicht fliegen, aber das weiß sie zum Glück nicht!

     

     

     


    ›Mensch, Natur und Technik‹

    Ia. Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Natur und Technik

    shark-diver-helicopter

    Ib. Die Natur im Spannungsfeld zwischen Mensch und Technik

    Qinghai-Tibet-Bahn-Antilopen

    Ic. Die Technik im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur

    Versenkter-Guellezug

    Mensch, Natur und Technik müssen keine Gegensätze sein, sondern lassen sich durch geschickte Bild- (Ia+Ib) oder angepasste Bodenbearbeitung (Ic) zu einem harmonischen Miteinander verbinden.

    II. Umweltverträgliches Mountainbiking

    Mountainbike-Rueckegasse

    Der eindringliche Appell der Forstwirtschaft, aus Rücksicht auf die empfindliche Lebensgemeinschaft Wald auf ausreichend breiten Wege zu bleiben, stellt selbst für den geübten Mountainbiker eine große Herausforderung dar.

    G.M., 01.03.08

     

     

     

     


    Die europäische Expansion

    I. Zeitgenössische Darstellung

    Europäische Ankömmlinge

    Zahlreiche Ostindienfahrer steuerten im 17. Jahrhundert Mauritius an, um sich dort mit Schildkröten, Vögeln, Früchten und Frischwasser zu versorgen.

     

     

     

     

    II. The Far Side


    Gary Larson

    Europäische Barbaren überfallen eine friedliche Dodo-Hochkultur.

     

     

     

     


    Gezielte Werbung

    I. One-Shot Magazine

     

     

     

     

    II. Ultimative Endlösung

     

     

     


    Top
    www.kritische-naturgeschichte.de