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Das meiste hat man doch von anderen ...
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Arno Kleinebeckel
Seufzende Sterne - Die Weltmaschine im Darwinjahr - Eine Streitschrift zum Jubiläum.
ATHENA-Verlag - Oberhausen 2009, 66 S.
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Ende 2009 rief eines Abends ein Herr Kleinebeckel bei mir an, der, wie er einleitend
bemerkte, ein regelmäßiger Leser meiner Website sei. Wir führten ein interessantes,
ausgesprochen kurzweiliges Gespräch über Gott und die Welt im Allgemeinen und den
stupiden Geist der neodarwinistischen Wortführer im Besonderen. Am Ende des
Gesprächs fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, sein neustes Buch zum
Darwin-Jubiläum zu besprechen. Eigentlich hatte ich nicht, da mich in der
späten Adventszeit andere Dinge beschäftigten, die dringend einer Lösung bedurften,
vor allem die alljährlich wiederkehrende Frage: Was schenke ich den Lieben daheim
und den anderen in nah und fern? Und außerdem hatte ich im auslaufenden Jahr schon
so endlos viel über Darwin und sein doppeltes Jubiläum gelesen. Da konnte ich mir
kaum vorstellen, dass ein Journalist und Lyriker irgendetwas substanziell Neues
darüber schreiben könnte.
Nun kommt es nicht so häufig vor, dass sich jemand bei mir als regelmäßiger Leser
oder sogar Fan meiner Website vorstellt. Und da dachte ich, du kannst es dir eigentlich
nicht leisten, einem so freundlichen Menschen einen Wunsch abzuschlagen und schon gar
nicht vor Weihnachten, das ja bekanntlich das Fest der Liebe sein soll. Folglich bat
ich Herrn Kleinebeckel, mir sein Werk zuzusenden - und zwar möglichst unverzüglich, da
ich es zur Lektüre in meinen Jahresendurlaub mitnehmen wollte. Herr Kleinebeckel schien
zu merken, dass ich von seinem Ansinnen nicht völlig begeistert war und wies beschwichtigend
darauf hin, dass sein Buch nur von geringem Umfang also eigentlich nur ein Büchlein sei.
Na ja, dachte ich, da wird es mir zumindest keine zusätzlichen Probleme beim Kofferpacken bereiten.
Wider erwarten, habe ich es dann tatsächlich im Urlaub gelesen und schon nach der Lektüre weniger
Seiten Gefallen daran gefunden. Schlussendlich bedauerte ich sogar, dass es nicht umfangreicher
ist! Allerdings habe ich es - wie so viele Sachbücher - mehr von hinten als von vorne gelesen.
Und so bin ich erst spät auf das titel- und leitmotivgebende Gedicht des spanischen
Lyrikers Dámaso Alonso (1898 -1990) gestoßen:
Gebt Raum! Platz, Platz dem Menschen!
Unter der Bleihaube der Nacht, bedrückt von der
einmütigen Anklage,
der Gestirne, die lautlos seufzen,
wohin wirst du deinen Schritt lenken?
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Ein wunderbar schwermütiges Gedicht, in dem sich die zentrale Hoffnung und Botschaft des
Buches verdichtet: Es gibt einen Weltgeist, dem unser Handeln nicht egal ist und
der ›seufzt‹, wenn wir unsere Schritte in die falsche Richtung lenken. Kleinebeckel
plädiert daran anknüpfend für eine neue Sinnkonstruktion und radikale Ethik der
Verantwortung, die ein Gegenentwurf zum neuzeitlichen Alleinvertretungsanspruch
der neodarwinistischen Weltsicht sein will, in der das Universum stumm wie ein
seelenloser Stein und stumpf materialistisch organisiert ist. Die Journalistin
Christiane Willsch kommentiert in factum (2/2009) wie folgt: »Arno Kleinebeckel [...] setzt
mit seiner Streitschrift ›Seufzende Sterne‹ einen erfrischenden Kontrapunkt mitten ins
Geburtstagsgetöse um den Biologen Darwin. [...] Mit gelungenem Wortspiel treibt
Kleinebeckel vor allem eine Frage um: Wohin entwickelt sich eine Gesellschaft, die
wohl eine ›Informationsgesellschaft‹, aber keine ›Wissensgesellschaft‹ ist?«
Kleinebeckels Werk ist durchgängig von angenehmer Reflexion getragen und hebt
sich damit erfreulich von einem von sich selbst berauschten weltanschaulichen
evolutionären Materialismus ab, der die führende sinngebende Autorität der
Moderne sein will. Dieser bornierte Anspruch gipfelte darin, dass die
Giordano-Bruno-Stiftung, die deutsche Speerspitze der »organisierten
Konfessionslosigkeit« (Reinhard Bingener, FAZ), im Darwin-Jahr 2009 für
den 22. März einen »Evolutionsfeiertag« forderte, der ›Christi Himmelfahrt‹ ersetzen
soll. An diesem Tag soll die Menschheit fortan feiern, dass wir vom Affen abstammen.
Da fragt sich der verblüffte Laie bei allem Respekt vor unseren nächsten Verwandten,
was es da zu feiern gibt und ob die Affen wohl auch von so einem Feiertag begeistert
sind? Ich fürchte nicht! Werden sie nicht vielmehr denken, auf diese ›pucklige
Verwandtschaft‹ können wir gerne verzichten und feiern lieber mit den Halbaffen,
die ihnen höchstwahrscheinlich die angenehmeren nahen Angehörigen sind?
Zurück zu Kleinebeckels Gegenentwurf, der sich in einem Punkt nach meinem Geschmack
zu wenig von dem die alleinige Deutungshoheit beanspruchenden evolutionären Materialismus
absetzt. Ich vermisse die klare Ansage, dass es das ureigenste Recht eines jeden Menschen ist,
selber zu entscheiden, mit welchem Weltbild er leben und glücklich werden will. Dies müssen
wir uns weder von stumpfsinnigen Naturalisten, die glauben, aufgrund ihrer vermeintlich
überlegenen wissenschaftlichen Methodik, im Besitz existenzieller Wahrheiten zu sein,
vorschreiben lassen, noch von tiefgläubigen Theisten, die meinen in der Bibel oder auch
anderen Überlieferungen die letztgültige Quelle der Wahrheit gefunden zu haben. Es gibt
auf diesem Planeten kein für alle verbindliches und allein selig machendes Weltbild.
Die Frage, ob die Welt beseelt ist und ob uns da jemand hört, wenn wir vor Freude oder
Verzweifelung in Dunkelheit hinausrufen, können wir nur selbst und kein anderer für uns
beantworten. Natürlich ist die Antwort auch mehr oder weniger stark von kulturellen
Tradierungen vorformuliert.
Für einen überschlägigen Einblick in Kleinebeckels Werk lasse ich nun den Verlag zu Wort
kommen. Auf der Einbandrückseite lesen wir:
Als CHARLES DARWIN 1859 mit seinem Buch ›Die Entstehung der Arten‹ (›On the Origin of Species‹) die
moderne Evolutionslehre begründete, betraf das nicht nur die Naturforschung. Die Evolutionstheorie
und ihr Wandel sind Teil unserer Kultur- und Geistesgeschichte.
Die Konzeption schloss einen permanenten Kriegszustand ein. Von diesem erbarmungslosen Wettstreit - von
Darwin als ›struggle for life‹ bezeichnet - nahm er den Menschen nicht aus. Spätestens hier dürfte die
Evolutionslehre als universelles Erklärungsmodell für Kosmos und menschliches Verhalten an ihre Grenzen stoßen.
Darwin wäre 2009 zweihundert Jahre alt geworden. Ist das Leben in der »Weltmaschine« Zeichen eines
unaufhaltsamen Fortschritts, oder sind wir längst zu ohnmächtigen Zeugen eines kalten Universums
nackter Funktionen geworden? ›Seufzende Sterne‹, als Motto nach einem Gedichttext von Dámaso Alonso,
ist poetischer Ausdruck der Phantasie, dass das All nicht stumm zusieht, wie die Welt zu einem
sinnlosen und absurden Automaten verkommt - einer Phantasie, die zu Ethos und Verantwortung
verpflichtet.
Dieser Text enthält Passagen, denen ich voll beipflichten kann und solche, bei denen ich Widerspruch
einlegen muss: Ohne Frage hatte und hat die Darwinsche Evolutionslehre einen erheblichen Einfluss
auf die Kultur- und Geistesgeschichte. So hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die Physikotheologen,
die lange Zeit die naturgeschichtliche Forschung dominierten, aus den Universitäten zurückgedrängt wurden.
Die Naturalisten riefen ihnen höhnisch nach, ihr lügt für Gott! Heute ist der Darwinismus allerdings
so dominant geworden, dass er alle Züge einer zivilen Ersatzreligion trägt. Von seinen Gralshütern
wird dies zwar bestritten, aber zugleich betont, dass er ein Prüfstein ist, an dem sich jede andere
Weltanschauung messen lassen muss. Das ist natürlich purer Blödsinn! Die naturwissenschaftliche
Forschung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die Welt zu beschreiben. Und wer glaubt, ausgerechnet
im Neodarwinismus den Stein der Weisen gefunden zu haben und daraus sogar eine allgemeinverbindliche
Ethik ableiten zu können, der ist aus dem Spiel der Wissenschaft aus- und in eine quasireligiöse
Sekte eingetreten.
Roman Nies hat in einer auf amazon.de veröffentlichten Kundenrezension von Kleinebeckels Werk die
negative Wirkung von Darwins Thesen auf das gesellschaftliche Zusammenleben und Selbstverständnis
wie folgt formuliert: »Mit Darwins Thesen oder der moderneren These von der Selbstorganisation der
Materie entleert man sich quasi jeglicher eigenen Daseinsberechtigung, da man sich nur als Produkt
von Selektion, Mutation und Zufall sieht. In allen Lebensbereichen werden die Schlagsätze der
Evolutionslehre eingeschleust und verbreitet. Die Medien helfen mit, als ob sie dafür bezahlt
würden. Man denkt ›evolutiv‹ und handelt auch so. Nichts ist verbindlich, alles muss der Vorteilsnahme
dienen. Und das hat verheerende Auswirkungen auf die Gesellschaft.« Dieser harschen Abrechnung ist
zwar weithin zuzustimmen, allerdings mit der Einschränkung, dass sie weniger Darwins Thesen als
deren dogmatische Rezeption durch seine Epigonen betrifft.*)
Kommen wir nun zu den Punkten, wo ich Widerspruch einlegen muss. Nies wie auch Kleinebeckel
beurteilen die Darwinsche Evolutionslehre nur danach, was die Neodarwinisten aus ihr gemacht haben.
Dabei gerät aus dem Blick, dass die Naturforschung durch Darwins Werk maßgeblich an Rationalität
gewonnen hat, weil Gott als Argument keine Rolle mehr spielte. Dass mit der Theologie nicht auch
die Magie aus der Wissenschaft verbannt war, steht auf einem anderen Blatt. So war Darwins Behauptung,
dass der Artenwandel sich in kleinsten Schritten und unendlich langen Zeiträumen vollziehen sollte,
eher eine magische denn eine rationale Formel. Es trifft zwar zu, dass jede neue Theorie gezwungen
ist, zu flunkern und ordentlich auf die Pauke zu hauen, um zementierte alte Vorstellungen zu
überwinden, aber was Darwin uns da als neues Erklärungsschema angepriesen hat, ist forschungslogisch
als mindestens grenzwertig zu bezeichnen.
Kleinebeckel bemängelt - wie schon so viele vor ihm - den »permanenten Kriegszustand« oder »erbarmungslosen
Wettstreit«, der seit Darwin das gesellschaftliche Klima vergiftet habe. Auch dies ist nicht ohne weiteres
Darwin anzulasten. So hat die leitende FAZ-Redakteurin Julia Voss in ihrem - anlässlich der Überreichung
des Sigmund-Freud-Preises an sie - am 31.10.2009 gehaltenen Festvortrag »Die Sprachen der Evolutionstheorie«
darauf aufmerksam gemacht, dass Darwin in seinem Werk »Die Abstammung des Menschen« (1871) ein ganz anderes
Bild von der Urzeithorde entwirft: »In Bezug auf die körperliche Größe oder Kraft wissen wir nicht, ob der
Mensch von irgend einer vergleichsweise kleinen Art, wie der Schimpanse, abstammt oder von einer so mächtigen
wie der Gorilla ( ...) Wir müssen indes im Auge behalten, dass ein Thier, welches bedeutende Größe, Kraft
und Wildheit besitzt und welches, wie der Gorilla, sich gegen alle Feinde verteidigen kann, wahrscheinlich
nicht social geworden sein wird, und dies würde in äußerst wirksamer Weise die Entwicklung jener höheren
Eigenschaften beim Menschen, wie Sympathie und Liebe zu seinen Mitgeschöpfen, gehemmt haben. Es dürfte
daher von einem unendlichen Vortheil für den Menschen gewesen sein, von irgend einer verhältnissmässig
schwachen Form abgestammt zu sein.«
Kurioserweise sind die heutigen Kritiker und Befürworter Darwins offenbar erheblich ›darwinistischer‹ als
er es selber war und man kann ihnen daher nur dringend raten, ihren Darwin weniger zu instrumentalisieren
als ihn gründlich zu lesen! Doch zurück zu den unzweifelhaften Vorzügen des Buches, zu denen zählt,
dass es aus reichhaltigen Quellen schöpft. Die Literaturliste umfasst knapp 90 Titel. Auch wenn
einige der angeführten Titel den Eindruck erwecken, dass Kleinebeckel hier dokumentieren möchte,
was so alles in seinen Bücherregalen steht, so ist sie doch von imposanten Umfang. Manch anderem
Autoren wäre sie sicherlich Ansporn und Legitimation gewesen, daraus ein voluminöses Werk zu zimmern.
Nicht so Kleinebeckel, der nicht ausufernd herumschwafelt, sondern daran interessiert ist, uns die
Essenz aus seinen Quellen zu präsentieren. Aber Kleinebeckel zitiert nicht nur, sondern er formuliert
auch selber auf hohem Niveau. Bei der Beschreibung der GEO-Titelseite
»Das Rätsel des Charles Darwin - Eine
abenteuerliche Weltreise auf den Spuren des Genies« (11/2008) läuft er zur analytischen Höchstform auf.
Er zeigt auf eindrucksvolle Weise, was im Verhältnis zwischen Wissenschaft, Wissenschaftsjournalismus und
Leserschaft falsch läuft: »Das ahistorisch-mythische, überzeitliche und weltschwangere Zeugnis der modernen
Ikonographie, wie GEO es betreibt, ist beabsichtigt. Und die Suggestion ist auch von der Zielgruppe so
gewünscht und gewollt: Kauft Weisheit!« Nach der Lektüre dieser Passage habe ich mich gefragt, wieso
jemand, der soviel Begabung zur Bildanalyse in die Wiege gelegt bekommen oder sich im Leben erarbeitet
hat, nicht mehr Bilder moderner, darwinistischer Ikonographie - mit der wir im Darwin-Jubiläumsjahr
regelrecht zugemüllt wurden - in seinem Buch bespricht. Leider findet sich in Kleinebeckels Buch
neben dem GEO-Titel nur noch das obligatorische Bild Darwins. Es zeigt einen
alternden Darwin, der
ziemlich griesgrämig und wenig vertrauensvoll in eine ungewisse Zukunft zu schauen scheint. Nach
Auskunft des Autors war dies keine Absicht, sondern das Ergebnis der unzureichenden Wiedergabe
eines im Original
dezent farbigen, durchaus ästhetischen und dabei eher leicht melancholisch anmutenden Porträts.
Im letzten Kapitel des Buches »Abgesang: Im Sturz durch Hyperräume« fährt Kleinebeckel schweres
Geschütz von hoher intellektueller Durchschlagskraft gegen die Neodarwinisten auf. Er argumentiert
mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche, um die schale Trivialität derjenigen zu entblößen, die
des Darwinismus bedürfen, um dem Atheismus zu huldigen. Laut Christoph Markschies, Präsident
der Humboldt-Universität zu Berlin, sind existenzielle Atheisten im Sinne Nietzsches davon
überzeugt, »fortwährend durch ein unendliches Nichts zu stürzen«. Dagegen erscheinen die
neuen Atheisten, deren prominentester Vertreter der Biologe Richard Dawkins ist, wie ein
billiger Abklatsch. Sie meinen den christlichen Gott als mentales Beiprodukt der
Evolution (wer religiös ist, hat einen Fitnessvorteil und vermehrt sich besser...) weginterpretieren
zu können und machen sogar exakte Angaben über die Wahrscheinlichkeit, dass es keinen Gott gibt (98 %!).**)
Angesichts dieses Unsinns ist es nicht weiter verwunderlich, dass Nietzsche auch heute noch zum
Thema Wissenschaft und Darwin interessantes zu sagen hat. In Sachen Wissenschaft stützt sich
Kleinebeckel auf Nietzsches Werk »Die fröhliche Wissenschaft« und bemerkt: »Zunächst einmal
tat es ihm leid um die ›kleinen Mittelstandsgelehrten‹, Leute die ›die eigentlich großen
Probleme und Fragezeichen gar nicht in Sicht bekommen‹. Lustvoll räumt Nietzsche auf mit
den ›materialistischen Stubenhockern‹ und ihrer ›Welt der Wahrheit‹. Lässt sie spöttisch
vor die Wand fahren mit ihrer ›viereckigen kleinen Menschenvernunft‹. Nietzsche liebte
diese ›Mittelstandsgelehrten‹ nicht, ein Ausdruck der Geringschätzung, den er eigens für
sie erfand, und er hasste den bloß vulgären, risikofreien gewöhnlichen Materialismus,
den er als Abklatsch des echten erkannte.«***)
In Sachen Kritik an den von Darwin beschworenen unendlich langen Zeiträumen, in
denen sich der Artenwandel vollziehen soll, zitiert Kleinebeckel aus dem Nachlass-Werk »Der Wille zur Macht«.
Darin spöttelt Nietzsche »[ ...] man zeigt, dass, bei gehöriger Zeitdauer, alles aus allem werden kann,
man verbirgt ein schadenfrohes Schmunzeln nicht, wenn wieder einmal die ›anscheinende Ähnlichkeit im
Schicksale‹ einer Pflanze oder eines Eidotters auf Druck und Stoß zurückgeführt ist: kurz man huldigt
von ganzem Herzen, wenn in einer so ernsthaften Angelegenheit ein scherzhafter Ausdruck erlaubt ist,
dem Prinzip der größtmöglichen Dummheit.« ****) Zeitlos aktuelle Worte in einem wackeren Büchlein, dem
auch nach dem Ende des Darwin-Jubiläumsjahres eine große Leserschaft zu wünschen ist!
Anmerkungen
*) Darwin selbst hat 1861- in zwar weiser aber wie wir heute Wissen vergeblicher Voraussicht - folgende
mahnende Worte an den großen Weltanschauungs-Darwinisten Ernst Haeckel geschrieben: »Vielleicht darf
ich noch hinzufügen, dass wir täglich Männer die umgekehrten Schlüsse aufgrund derselben Vorrausetzungen
ziehen sehen und es mir daher eine zweifelhafte Angelegenheit scheint, allzu überzeugt von irgendeinem
komplexen Sachverhalt zu sprechen, auch wenn man noch so überzeugt von der Wahrheit der eigenen Schlüsse ist.«
**) Es ist diese alle existenziellen Fragen nivellierende, einfältige Rationalität, die uns die Manifeste
dieser neuen Atheisten, die hierzulande in der Giordano-Bruno-Stiftung (unter maßgeblicher Führung ihres
umtriebigen Funktionärs Michael Schmidt-Salomon) organisiert sind, so trostlos und lebensfremd erscheinen
lässt. Und weil sie diese innere Leere wohl selbst nicht ertragen können, brauchen auch sie ihre Säulenheiligen.
Allen voran ist dies natürlich der Namenspatron der Stiftung Giordano Bruno, der vor über 400 Jahren von der
katholischen Kirche wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Heute wird er von der Stiftung als
frühneuzeitliche Speerspitze der Aufklärung instrumentalisiert und gefeiert. Tatsächlich taugt er als den
Rationalismus vorwegnehmende Märtyrergestalt nicht, denn bei Bruno hätten, wie der Philosoph Schmidt-Biggemann
bei der Einweihung eines Giordano-Bruno-Denkmals süffisant bemerkte, Metaphysik und Religion aus allen Löchern
getropft. (vgl. hierzu den Beitrag »Auch der Atheismus pflegt seine Heiligen« von Thomas Thiel in der FAZ vom 05.03.2008)
***) ›Kleine Mittelstandsgelehrte‹ scheint mir auch eine treffliche Bezeichnung für die vielen schmalgeistigen
und philosophisch völlig ahnungslosen Kleinakademiker zu sein, die heutzutage die Wissenschaftsblogs bevölkern.
Darin ringen sie in immer neuen ebenso enthusiastischen wie reflexionsarmen Beiträgen um Anerkennung und
Aufmerksamkeit für sich und ihre angeblich von Pseudowissenschaftlichern bedrohte reine Wissenschaft.
****) Interessanterweise findet sich in dem 1901 erschienenen Werk »Entstehen und Vergehen der Welt als
kosmischer Kreisprozeß« des Naturphilosophen Johann Gustav Vogt eine in Teilen verblüffend ähnliche
Wortwahl bei seiner spöttisch paraphrasierenden Beschreibung des Darwinschen Evolutionsmechanismus:
»Aller Scharfsinn der Darwinianer wurde darauf verwendet, die äußeren Entwicklungsfaktoren festzunageln;
die organische Materie wurde geschoben, gedrückt, geknetet, gestoßen (...)«. Ist dies Zufall oder sollte
auch Vogt seinen Nietzsche gelesen haben?
G.M., 24.03.2010
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Ulrich Kutschera
Tatsache Evolution – Was Darwin nicht wissen konnte1)
Deutscher Taschenbuch Verlag – München 2009, 339 S.
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Das große Buch der Schrullen
Das Darwin-Jubiläumsjahr hat nicht nur die Wissenschafts- und Feuilleton-Spalten der Presse mit Berichten bis zum Überdruss rund um
Darwin gefüllt, sondern auch eine regelrechte Darwin-Buchindustrie hervorgebracht. Natürlich hat sich auch Deutschlands ambitioniertester
Evolutionsbiologe, der gelernte Pflanzenphysiologe Ulrich Kutschera, an dem Darwin-Hype beteiligt. Und zwar, wie der DTV-Verlag verkündet,
nicht mit irgendeinem, sondern »dem wohl wichtigsten Buch zum Darwin-Jahr«. Tatsächlich ist es eines der schrulligsten Bücher, das ich je
in meinen Händen gehalten habe. Was Kutschera, der ganz unbescheiden von einem »Zehn-Kapitel-Opus« spricht, da zusammengeschrieben hat,
ist milde formuliert, ein Buch im ungehobelten Rohzustand; ein Manuskriptentwurf, der vielleicht vorzeitig aus dem Fertigstellungsprozess
entlassen wurde, um pünktlich zum Darwin-Jahr zu erscheinen. Als eine der wenigen Rezensenten hat die Deutschlandradio-Redakteurin
Susanne Billig den Mumm gehabt, sich nicht von den superlativen Verlagsankündigungen beeindrucken zu lassen und den katastrophalen Zustand
des Buches auf den Punkt zu bringen: Ȇberhaupt wirkt Kutscheras Buch in vielen Teilen fragmentarisch kleinteilig. Es springt von einem zum
anderen Gedanken, scheint immer wieder den roten Faden zu verlieren (…) – mehr Klarheit und Struktur hätten dem Buch nicht geschadet.«
Außer dem geleimtem Einband wird das Werk nur durch Kutscheras bis zum Überdruss bekannte objektivistisch-naturalistische Botschaft
zusammengehalten: »Naturwissenschaft und somit Evolutionsforschung ist ein auf objektiven Fakten basierendes ideologiefreies Unternehmen,
bei dem subjektive Glaubensinhalte (Götter, Geister und Designer) aus erkenntnistheoretischen und methodologischen Gründen ausgeklammert
werden.«2) Der Wissenschaftsjournalist Benno Kirsch
bezeichnet das Buch als »Bekenntnisliteratur«, die »manchmal amüsant sein [kann],
meistens aber ärgerlich ist, weil sie im Gewand der Wissenschaftlichkeit daherkommt«. Amüsant, weil voller unfreiwilliger Komik, ist
das Buch allerdings nur, wenn man es zur Erheiterung liest und nicht etwa, um es zu besprechen. Die fast durchgängig verworren-verschrobene
Argumentation macht es nahezu unrezensierbar. Jede gewissenhafte Besprechung würde nicht nur Umfang des Buches, sondern auch ein
vertretbares Zeitbudget des Rezensenten übersteigen. Ich habe mich daher entschlossen, das Werk Schrullenweise abzuarbeiten, wobei
die Auswahl der Schrullen vor allem von ihrem Unterhaltungs- und Richtigstellungswert bestimmt ist und ihre Reihenfolge weitgehend
zufällig ist.
Trotz des hohen Amüsierfaktors kann ich die Lektüre des Werkes nicht uneingeschränkt empfehlen. Kutschera neigt dazu, ziemlich
oberflächlich und verquer über Darwin, die Evolutionsbiologie und die Weltgeschichte herumzuschwadronieren. Um von den kontextarmen
Ad-hoc-Darstellungen nicht völlig ›Kirre‹ zu werden, empfiehlt es sich, parallel zwei Bücher zu lesen, die Darwins Leben und Werk
und das, was er über moderne evolutionsbiologische Forschungsfronten nicht wissen konnte, gewinnbringend und erkenntnisvertiefend
darstellen: »Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus« von Joachim Bauer und »Charles Darwin – Der Große Naturforscher und
seine Theorie der Evolution« von David Quammen. Die eindrucksvolle Beschreibung des Menschen Charles Darwin und seines Werkes durch
den Wissenschaftsjournalisten Quammen wird von der deutschen Evolutionsbiologie weitgehend ignoriert, vermutlich weil er kein
ausgewiesener Wissenschaftler ist und den disziplinären Mainstream nicht bedroht. Das Werk des Molekular- und Neurobiologen Bauer
wird dagegen vernichtend kritisiert, weil der sich als disziplinärer Quereinsteiger nicht nur erlaubt hatte, darwinistische Dogmen
in Frage zu stellen, sondern seine Thesen auch noch erfolgreich zu vermarkten. Für diesen doppelten Tabubruch wird er von den
evolutionsbiologischen Wortführern aufs Übelste herabgesetzt.
Besonders negativ hervorgetan hat sich bei diesem Bauer-Bashing der renommierte Molekulargenetiker Axel Meyer. Er bescheinigt
Bauer in einer schmalen Rezension, dass er »keine Ahnung von Evolutionsbiologie«, »wirres Zeug postuliert« und in seiner »Klausur
Evolutionsbiologie sicherlich durchfallen« würde und zwar ohne diese schweren Vorwürfe, auch nur ansatzweise inhaltlich zu
begründen3). Diese Entgleisung kann ich mir nur wie folgt erklären: Der bislang hellste Stern am deutschen evolutionsbiologischen
Himmel Meyer fühlt sich von dem Außenseiter Bauer überrumpelt, weil der völlig unerwartet das mit Abstand erfolgreichste und beste
fachwissenschaftliche Buch zum Darwin-Jubiläumsjahr geschrieben hat. Dies fuchst Meyer, weil der in den letzten Jahren zunehmend
selber versucht hat, sich als Darwin-Experte und Wissenschaftspopularisierer zu etablieren. Nun hat Bauer ihm offenbar die Butter
vom Brot genommen. Wie so oft scheint der Neid das dominierende Motiv für die unappetitliche Kollegenschelte zu sein. Natürlich
missgönnt auch unser Protagonist Kutschera seinem Konkurrenten Bauer den Erfolg. In einem erbosten
Kommentar auf der Amazon-Website
verunglimpft er Bauers Werk als »wirre Sachbuch-Spekulationen eines Alzheimer-Forschers«, die »in aktuellen Bio-Lehrbüchern nichts
verloren« hätten. Anlass genug, sich einmal näher mit seinem eigenen Werk zu beschäftigen.
Schrulle 1
Kutschera (2001, 2004, 2006, 2008a...) oder warum Kutschera penetrant auf eigene Werke verweist
Wer Kutscheras Buch liest, muss sich auf diverse Zumutungen gefasst machen. Hilfreich für die Lektüre ist, wenn sich der Leser durch
die permanenten Verweise auf die Werke des Autors nicht nerven, sondern freundlich stimmen lässt. Der bringt das unglaubliche
Kunststück fertig, sich auf kaum mehr als 300 Seiten Buchumfang über 140 (in Worten einhundertundvierzig) Mal selbst zu zitieren.
Zweifellos ein Rekord in der Geschichte des populärwissenschaftlichen Taschenbuches hinter dem selbst als egozentrisch bekannte
Autoren wie Däniken, v. Buttlar oder Zillmer um Lichtjahre zurückfallen. Rekordverdächtig ist die Seite 305, auf der er allein
8 Mal auf eigene Werke verweist. Konkret sieht das dann so aus: »(Kutschera 2001, 2004, 2008 a, c; Kutschera und
Niklas 2004, 2005, 2008«). Schauen wir einmal genauer hin, was Kutschera eigentlich mit solchen monomanen Zitierexzessen bezwecken
will? Im zuvor angeführten Fall versucht er, den von ihm kreierten Terminus »Erweiterte Synthetische Theorie« mit einer Vielzahl
von selbstreferenziellen Belegen zu unterfüttern und hoffähig zu machen. Dabei wirft er ein bezeichnendes Licht auf seine wenig konstruktive
Art, zur wissenschaftlichen Theoriebildung beizutragen.
In seinem Lehrbuch »Evolutionsbiologie« verwendet er den Terminus »Erweiterte Synthetische Theorie« synonym mit den Begriffen »moderne
Evolutionstheorie« und sogar »Evolutionsbiologie« selber, was schon dessen Sinnentleertheit unterstreicht. In einer erläuternden Abbildung
subsumiert er darunter zehn mehr oder weniger aktuelle evolutionsbiologische Forschungsfelder, wie z. B.
die »Entwicklungsbiologie (Hox-gene)«, die »Soziobiologie (Verwandtenselektion)« oder die »Geologie (Massensterben)«. Diese
Forschungsfelder, die außer durch dürftige Stichworte in Klammern, nicht näher spezifiziert sind, pfropft er dem alten Standardmodell
der Evolution (der »Synthetischen Theorie«) auf. Dies soll wohl suggerieren, dass in der modernen Evolutionsbiologie alte und neue
Erkenntnisse nicht konkurrieren, sondern aufeinander aufbauen und sich bei der Erklärung »verschiedener Aspekte des dokumentierten
Artenwandels« zu einem fruchtbaren Ganzen vereinen. Das ist natürlich eine naive Vorstellung und ein frommer Wunsch. Damit dies nicht
unmittelbar deutlich wird, werden brisante Theorien, wie die »Neutrale Theorie der molekularen Evolution« oder
die »Hydraulik-Evolutionstheorie der Frankfurter Schule«, erst gar nicht aufgelistet. Kutscheras Bemühen, den Terminus »Erweiterte
Synthetische Theorie« zu etablieren, ist folglich ein leicht durchschaubarer Versuch, sein trivialisierendes Verständnis der ebenso
komplexen wie widersprüchlichen evolutionsbiologischen Theoriebildung hoffähig zu machen.
Von den bereits erwähnten 140 Verweisen auf seine eigenen Werke entfallen allein über 40 auf das Lehrbuch »Evolutionsbiologie« (»2008 a«).
Er behandelt es damit geradeso, als wenn es sich bei seinem Lehrbuch um von ihm erarbeitete und publizierte weiterführende
Forschungsliteratur handeln würde und nicht um das, was Lehrbücher im Allgemeinen sind, nämlich eine eher konventionelle Auswertung und
Zusammenfassung der einschlägigen Forschungsliteratur. Fast alle Lehrbuchverweise hängen zudem in der Luft, d. h. sind ohne spezielle
Seiten- oder Kapitelangabe. Da wird sich wohl selbst ein von Kutscheras Qualitäten als Lehrbuchautor überzeugter Leser fragen, ob nicht
der bereits in der Einleitung vorhandene Hinweis auf das Werk völlig ausgereicht hätte, um alle anderen Verweise überflüssig zu machen.
Kutscheras ungenierte Zitierexzesse sind von diversen Rezensenten gerügt worden, auch von solchen, die seiner atheistischen Mission
ansonsten wohlwollend gegenüberstehen. Es ist zu befürchten, dass Kutschera sich davon nicht weiter irritieren lässt. Er scheint von der
Vorstellung berauscht zu sein, dass er seit seiner kurzen evolutionsbiologischen Karriere in nahezu allen evolutionären Forschungsfeldern
ein bedeutender Akteur ist. Und auf diese selbstillusionierte Größe kann er den Leser offenbar nicht oft genug aufmerksam machen!
Schrulle 2
»Darwin (1859/1872)« oder »was Darwin wirklich sagte«
Seit dem Beginn des Darwin-Jahres 2009 ist auch einem Laienpublikum bekannt, dass Darwins epochales Werk über die Entstehung der Arten
erstmals 1859 erschienen ist. Nicht ganz so bekannt ist, dass der Erstveröffentlichung bis 1872 fünf weitere Auflagen folgten. Die Ausgaben
unterscheiden sich z. T. erheblich voneinander. Z. B. fügte er in dritte Auflage eine Aufzählung seiner theoretischen Vorgänger bei, um
Anschuldigungen zu begegnen, er beanspruche die Urheberschaft von Ideen anderer Naturforscher. Nicht jede Veränderung stellte auch eine
Verbesserung dar. Quammen (2008) lobt z. B. die couragierte Erstausgabe und bemängelt, dass Darwin in späteren Ausgaben auf Kritik
überreagiert habe, indem er zuvor klare Aussagen durch »Spitzfindigkeiten« und »Abmilderungen« verwässert habe. Es ist also gar nicht
so einfach zu rekonstruieren, welche Meinung Darwin denn nun tatsächlich vertreten hat. Natürlich gilt das nicht für unseren Protagonisten
Kutschera. Der kündigt schon in der Einleitung seines Werkes großspurig an, darzulegen, was »Darwin wirklich sagte«. Um dies herauszufinden,
genügt ihm ein trivialer statistischer Vergleich des Vorkommens bestimmter Begriffe wie »evolution«, »descent with
modifikation«, »survial of the fittest« oder »creation« in der ersten und in der letzten Ausgabe des Werkes.
Aus dem zahlenmäßigen Ergebnis seiner ›Analyse‹ zieht er abenteuerliche Schlüsse, z. B. dass Darwin in 1859 noch über keine
Evolutionstheorie verfügte, weil er in der Erstausgabe seines Artenbuches noch nicht die Phrase »survial of the fittest« verwendete.
Leider versäumt Kutschera, uns darüber aufzuklären, warum erst diese von dem Philosophen Herbert Spencer übernommene Formulierung,
die bekanntermaßen nichts an den Grundfesten des Variations-/Selektionsmechanismus geändert hat, aus Darwins Theorie eine richtige
Evolutionstheorie gemacht hat. Ferner erfahren wir, dass Darwin weder in der ersten noch in der letzten Ausgabe den Begriff »Bible«
verwendet hätte. Auch hier überrascht Kutschera den Leser mit einer verblüffenden Interpretation: »Die Kreationisten seiner Zeit hätten
dem ängstlich-zurückgezogen lebenden Naturforscher wohl großen Ärger bereitet (Protestaufmärsche vor seinem Anwesen etc.).« Woher weiß
Kutschera so konkret von Gefahren, die nicht einmal Darwin selber in Erwägung gezogen hat? Quammen (2008) führt in seinem sorgfältig
recherchierten Werk ein ganzes Bündel von möglichen Gründen dafür an, warum sich Darwin bezüglich der theologischen Implikationen seiner
Theorie so vorsichtig verhalten hat. Die Angst vor Protestmärschen von fanatisierten Gläubigen, die seine »Villa umstellen«, zählt nicht
dazu.3)
Abgesehen von diesen trivialen Vergleichen und Interpretationen bedient sich Kutschera nur der letzten Ausgabe, um herauszufinden,
was »Darwin wirklich sagte«. Die ist aber – wie bereits bemerkt – aufgrund von Darwins überzogenen Relativierungen anlässlich von
Kritik nicht unbedingt die Informativste. Kutschera begnügt sich aber auch hier nicht einmaligen Hinweis auf seine Vorgehensweise,
sondern meint, seinen einzigartigen Zugang zu Darwins Werk damit dokumentieren zu müssen, indem er insgesamt über vierzig Mal auf die
ungewöhnliche Literaturangabe »Darwin (1859/1872)« verweist. Zweifelsfrei hätte hier ein Hinweis in der Einleitung genügt, um dem Leser
viele sperrig zu lesende Verweise zu ersparen. Vermutlich muss der Leser aber froh sein, dass Kutschera darauf verzichtet hat, die
einzigartige Sorgfalt, mit der er Darwins »Artenbuch« studiert hat, nicht mit der 40-maligen Wiederholung der Formulierung
Darwin (1859, 1860, 1861, 1866, 1868 & 1872) zu dokumentieren. Mit Blick auf die bereits in Schrulle 1 angeführten monomanen
Zitierexzesse können wir resümieren, dass das laut DTV-Verlag »wichtigste Buch zum Darwin-Jahr« im erheblichen Umfang aus überflüssigen
Verweisen besteht, entweder auf den ehrwürdigen Jubilar oder den nach eigener Einschätzung ›wohl größten Evolutionsbiologen und
Darwin-Kenner aller Zeiten‹, nämlich Kutschera selber.
Schrulle 3
Die per Akklamation von ›Ismen‹ befreite, einheitlich paradigmatisierte evolutionsbiologische Lehre
Kutschera impft dem Leser immer wieder ein, dass die Evolutionsbiologie eine völlig rationale, auf Fakten und Tatsachen fest gegründete
naturwissenschaftliche Fachdisziplin ist, die heute weit davon entfernt ist, in konkurrierende Denkrichtungen zerfallen zu sein. Wie wir
bereits gesehen haben, räumt er zwar ein, dass es unterschiedliche Theorien (›Forschungsfelder‹) gibt, die würden aber nicht konkurrieren,
sondern sich bei Erklärung der Vielfalt evolutiver Prozesse ergänzen. Damit keine Zweifel an seiner Darstellung einer einheitlich
paradigmatisierten Fachdisziplin »Evolutionsbiologie« aufkommen, versteigt er sich im Kapitel »Abschied von der Evolutionstheorie und den
biologischen Ismen« zu dem Resümee: »Als Schlussfolgerung dieses Abschnittes wollen wir festhalten, dass populäre Begriffe wie z. B.
Lamarck-, Darwin-, Weismann-Ismus und andere‚›Ismen‹ in der Fachdisziplin Evolutionsbiologie seit Jahren nicht mehr in Gebrauch sind,
da diese Termini u. a. an politisch-religiöse Ideologie erinnern (z. B. Sozialismus, Marxismus, Katholizismus usw.)«. Das ist natürlich
keine Aussage über die Praxis des evolutionsbiologischen Wissenschaftsbetriebes, sondern eine von Kutscheras durchsichtigen
Wirklichkeitsbeschwörungen. Tatsächlich streiten sich die in unterschiedliche Denkrichtungen zerfallenen Evolutionsbiologen wie die
Pfaffen um die wahre Lehre.
Das beginnt schon mit dem Streit darum, wer eine neue Erkenntnis überhaupt verkünden darf. So meint der schon zitierte Molekulargenetiker
Meyer seinen Kollegen Bauer dafür herabsetzen zu müssen, dass er sich anmaßt, zur bisher unterschätzten evolutiven Bedeutung von
Genomverdopplungen das Gleiche wie er zu sagen. Merke: ›Was ein führender deutscher Evolutionsbiologe darf, darf ein erfolgreicher
Außenseiter noch lange nicht‹. Die Auseinandersetzungen nehmen geradezu groteske Formen an, wenn der international bedeutende
Evolutionstheoretiker Richard Dawkins seine Leser davor warnt, auf Schriften des ebenso bedeutenden Evolutionstheoretikers Stephen
Jay Gould hereinzufallen, weil der im Unterschied zu ihm »schlechte poetische Naturwissenschaft in Reinkultur« verbreiten würde. Goulds
poetisches Vergehen besteht darin, dass er während dramatischer evolutiver Phasen, wie z. B. im Kambrium, auch Makromutationen in seine
Erklärungsmodelle mit einbezieht. Dawkins ist darüber erbost, weil solche »sprunghaften Veränderungen« nicht mit dem von ihm favorisierten
überkommenen gradualistischen Standardmodell der Evolution kompatibel sind. Der amerikanische Molekularbiologe James A. Shapiro bezeichnete
kürzlich das Festhalten an der darwinistischen Evolutionstheorie in einem Interview mit dem Magazin »Bild der Wissenschaft«
als »schizophren«: »Vielen Biologen ist mehr oder weniger bewusst, dass die konventionelle Sicht nicht mehr zu halten ist. Aber kaum
einer sagt es öffentlich. Es ist praktisch ein Tabu.«
Doch zurück zu Kutschera, der schafft zwar die ›Ismen‹ und damit die konkurrierenden Denkrichtungen in der Evolutionsbiologie per
Akklamation ab, findet aber in seinem Werk selbst großen Gefallen daran, nicht nur ›Ismen‹ zu verwenden, sondern sogar neue zu kreieren.
Er tut also genau das, was er eigentlich verhindern will, nämlich die biologischen ›Ismen‹ noch populärer zu machen. Das beginnt mit der
vielfachen Verwendung von geläufigen Begriffen wie »Lamarckismus«, »Darwinismus« oder »Neo-Darwinismus«, setzt sich fort in der Verwendung
von eher seltenen Begriffen wie »Cuvierismus«, »Mendelismus«, »Weismannismus« oder »Geoffroyismus« und endet in so skurrilen Neuschöpfungen
von Wortungetümen wie »Dobzhanskyismus«, »Dobzhansky-Mayr-Ismus« oder gar »Merezhkowskyismus«. Ferner gibt es sogar eine Kapitelüberschrift,
die nur aus ›Ismen‹ besteht, die angeblich seit Jahren nicht mehr im Gebrauch sind. Es ist ein charakteristisches Merkmal von Kutscheras
Argumentationsstil, dass seine eigene Praxis weit hinter dem elitären Bild zurückfällt, dass er dem Leser von der
Fachdisziplin »Evolutionsbiologie« vermitteln möchte5). Dieser krude Mischung aus einer irrealen Zustandsbeschreibung und seiner eigenen
Disziplinlosigkeit in der Formulierung und Argumentation trägt wesentlich dazu bei, das Buch unbesprechbar zu machen. Fast auf jeder Seite,
ja oft in jedem Satz steht verworrenes oder widersprüchliches. Es übersteigt die Kraft eines jeden Rezensenten, den Sinn dieses fortlaufenden
Unsinnes zu rekonstruieren.
Schrulle 4
Kutschera erklärt uns die Weltgeschichte
Im Kapitel »Eine kurze Zeitreise und das Diluvium« erklärt Kutschera uns im trivialisierenden Jugendbuch-Stil das Leben unserer Vorfahren.
Gleich zu Beginn lesen wir: »In der ›guten alten Zeit‹ als Charles Darwin noch Student war (um 1830) hatten die Menschen im christlich
geprägten Europa keine ›Zeit-Probleme‹. Die durchschnittlich 50 Jahre dauernde Lebenszeit war mit Arbeiten, Beten, Kinderaufzucht und dem
damit verbundenen harten Daseins-Wettbewerb (Struggle for Life) ausgefüllt.« Was an dieser Zeit ›gut‹ und ›alt‹ gewesen sein soll, bleibt
Kutscheras Geheimnis, denn in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert strebte in Europa die industrielle Revolution ihrem ersten
Höhepunkt entgegen und zwar mit all ihren negativen Folgen für die Arbeiterschichten. Die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten ist
mit »Arbeiten, Beten und Kinderaufzucht«, »ausgefüllter Lebenszeit« und einem »harten Daseinswettbewerb« (Gibt es den nicht schon seit dem
die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden?) nur sehr oberflächlich beschrieben. Stichworte, wie Siechtum, 12-Stunden Arbeitstage,
Kinderarbeit (wurde bezeichnenderweise in England schon 1830 für Kinder unter 9 Jahren verboten), hohe Kindersterblichkeit,
Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Verschuldung, Verrohung der Sitten und Vereinzelung durch den Zerfall überlasteter Familien sind
unverzichtbar, um nicht fahrlässig, die »gute alte Zeit« zu einer idealisierten Karikatur frommer und arbeitsamer Erfüllung zu verklären.
Begleiten wir Kutschera noch tiefer in die Geschichte: »Vor nur 16 Menschen-Generationen [Jahr 1600] waren unsere in kleinen
Dörfern wohnenden Vorfahren noch an eine weitgehend intakte Umwelt angepasst. Es gab damals z. B. noch Wölfe, Bären und an der heute
von ›zivilisierten Menschen‹ im Mitteleuropa weitgehend ausgerotteten Säugetiere, mit denen sich unsere Vorfahren auseinandersetzen
mussten (Konkurrenz um begrenzte Nahrungsressourcen usw.).« Nun ja, um 1600 war die Umwelt für unsere Vorfahren keineswegs so »intakt« wie
Kutschera vermutet und schon gar nicht kämpften unsere Altvorderen mit Bären (die es damals ohnehin nur noch in entlegenen, unzugänglichen
Regionen gab) um knappe Nahrungsressourcen. Die Bauern litten damals unter der maßlos übertriebenen Jagdleidenschaft ihrer Landesfürsten.
Die Saat oder Ernte auf den Äckern wurde von den Jagdgesellschaften, die rücksichtslos durch Feld und Flur ritten, zerstört oder durch
Rehe und Hirsche aufgefressen. Zudem waren die jagdlichen Frondienste eine drückende Last. Dazu zählten auch aufwendige, von den Jagdherren
angeordnete Treibjagden auf Wölfe, aber nicht – wie Kutschera wohl vermutet – weil sie die Dörfer bedrohten, sondern die Jagdbeute der
Landesfürsten. Diejenigen, die gegen das Jagdrecht verstießen, mussten mit härtesten Strafen rechnen. Kein Wunder, dass das bedrückende
Jagdrecht als eine Hauptauslöser der Bauernkriege gilt.
Gehen wir mit Kutschera noch vier weitere Jahrhunderte in die Geschichte zurück: »Die [...] Naturlandschaft aus dem Jahre 1200, in der noch
relativ kleine, Ackerbau und Jagd betreibende Menschenpopulationen lebten, verliert sich für uns ›in der grauen Vorzeitgeschichte‹«. [...] Es fällt
uns daher heute schwer, in diese natürliche Umwelt europäischer «Eingeborener zurückzukehren, da wir uns buchstäblich ›meilenweit‹ von
diesem ursprünglichen Zustand entfernt haben. »Meilenweit entfernt« ist wiedereinmal Kutscheras Darstellung vom tatsächlichen Zustand der
Landschaft um 1200. Das klimatische angenehme Hochmittelalter (1050-1250) ist das Zeitalter der Siedlungsexpansion und der Ausdehnung der
Ackerflächen bis hin zu landwirtschaftlichen Grenzstandorten. Die dafür notwendigen Rodungsaktivitäten erreichten vielerorts schon Ende
des 12. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Der enormen Ausweitung der Siedlungsräume folgte dann im 14. Jhdt. eine Ära des Niedergangs, die
sogenannte »Agrarkrise des Spätmittelalters«. Sie war durch eine Klimaverschlechterung, Hungersnöte, Pestepidemien und einen damit
verbundenen starken Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet. Die Folge war eine Rückeroberung von Siedlungsräumen durch den Wald. Der
Anteil der wüstfallenden Siedlungen betrug in Mittelgebirgslagen über 50 %. Schon dieser kurze Abriss zeigt, dass die Besiedlungsgeschichte
Mitteleuropas keineswegs so linear (je älter desto natürlicher) verlaufen ist, wie Kutschera uns hier weismachen will. Tatsächlich würde
uns die stark kultivierte Landschaft des 12. Jhdts. weniger »ursprünglich« und »natürlich« erscheinen als die von Wüstungs- und Entvölkerungsvorgängen
betroffenen Landschaften der darauf folgenden Jahrhunderte.
Schließen wir Kutscheras »virtuelle Zeitreise« mit seiner Bewertung des gegenwärtigen Zustandes der Landschaft ab: »Autobahnen und Bahngleise
durchkreuzen die Landschaft, so dass für die Tier- und Pflanzenwelt nur noch Inseln übrig bleiben. Großstädte und Industriegebiete, aus denen
die Vegetation fast vollständig eliminiert ist, bieten den Menschen un-natürliche aber bequeme Lebensbedingungen.« Auch hier verbreitet
Kutschera überkommene, sprachlich verfestigte Klischees, die im krassen Widerspruch zu den gesicherten Erkenntnissen ökologischer Experten
stehen: Die sprechen von einer »Landflucht der Arten«, weil die Peaks der biologischen Vielfalt heute im Umkreis der großen Agglomerationen
liegen. Verantwortlich dafür ist die städtische Flächenutzung, die viel heterogener als die moderne agrarwirtschaftliche Nutzung ist. Eine
ausufernde Vorstadtsiedlung oder ein Bahngelände ist für Tiere und Pflanzen allemal attraktiver als ein riesiges Mais- oder Rapsfeld. Und
Autobahnen mögen zwar für manche Arten zerschneidende Wirkung haben, für viele andere sind sie Lebensraum und Ausbreitungskorridor. Der
Bussard, der geduldig auf einem Verkehrsschild sitzt und die Fahrbahnen nach Aas abscannt oder der Fuchs, der in der Morgendämmerung eine
innerstädtische Straße auf dem Weg zu seinem Tageseinstand in einer Parkanlage überquert, sind vielerorts schon ein vertrautes Bild. Zweifelsfrei
bieten die verstädterten Lebensräume nicht nur dem Menschen sondern, auch der Tier- und Pflanzenwelt »bequeme Lebensbedingungen«. »Un-natürlich« erscheinen
sie nur bei oberflächlicher Betrachtung, wenn mit »natürlich« nicht die originären ökologischen Ansprüche einer Art gemeint sind, sondern die rückblickend
als »natürlich« verklärten Umwelten der vorindustriellen Kulturlandschaft. Das ist aber eine Geschichte, die bereits in einem
anderem Zusammenhang erzählt wurde.
Schrulle 5
Wenn der große Vorsitzende einen »kleinen Fehler« einräumt...
Im Kapitel »Der blinde Käfermacher: Warum gibt es so viele Coleopteren auf der Erde?« zitiert Kutschera – sich wie immer ungeniert als
Forscher mit hohem internationalen Renommee darstellend – aus einem Interview, das er »im Februar 2007 in San Francisco Kalifornien (USA)
am Rande einer internationalen Wissenschaftskonferenz« gegeben hatte: »Der Schöpfer war ein Käfermacher! Warum sonst hätte er Hunderttausende
verschiedene Käferspezies erschaffen ... und nur etwa 4600 Säugetierarten zustandegebracht? Der Kreationismus liefert dazu keine Antwort, die
moderne Evolutionstheorie sehr wohl.« Erläuternd fügt er hinzu: »Da das Interview im auflagenstarken Magazin Stern [...] unter der
Überschrift ›Der Schöpfer ist ein Käfermacher‹ veröffentlicht wurde, erhielt ich bald darauf zahlreiche Protestbriefe bibelgläubiger
Bundesbürger, die sich bei mir u. a. über diesen ›arroganten gottlosen Käfermacher-Ausspruch‹ beschwert haben.« Im darauf folgenden
Kapitel »Fehlerkorrektur: Von Elefantenherden und Käferhorden« korrigiert Kutschera dann einen »kleinen Fehler«, der ihm in dem Interview
unterlaufen wäre: »Die von mir damals aus dem Gedächtnis wiedergegebene Säuger-Artenzahl von 4600 stammt aus dem Jahr 1993. 15 Jahre
später (2008) waren bereits rund 5480 Säugetierspezies beschrieben.« Was hier auf den ersten Blick wie eine zwar belanglose, für Kutschera
allerdings schon bemerkenswerte Einsicht in die eigene Fehlbarkeit aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als gewieftes Manöver,
mit dem er von gezielt irreführenden Behauptungen in seinem Interview ablenkt.
Kutschera hatte in dem Interview – vermutlich aus Ärger über den Erfolg eines ihm verhassten evolutionskritischen Lehrbuches – behauptet:
»Ich habe die Kopie eines Briefs in meinen Unterlagen, in dem ein Wort- und Wissen-Mitglied einen Schulleiter explizit darum bittet, dieses
Buch in der Schulbibliothek zu deponieren, es zu verwenden, und der sogar anbietet, Geldspenden an die Schulen zu geben. Unter der Auflage,
dass dieses ›hervorragende Buch‹ doch bitte schön benutzt wird.« Eine glatte Falschinformation, wie sich später herausstellte. Nachdem die
evangelikale Studiengemeinschaft »Wort und Wissen« sich gegen diese »unwahre Behauptung« verwahrt hatte und sowohl Kutschera als auch dem
von ihm instrumentalisierten Magazin Stern rechtliche Schritte angedroht hatte, beeilte sich der Geschäftsführer der AG Evolutionsbiologie
Martin Neukamm, die Falschdarstellung auf der AG eigenen Website zu korrigieren: »Zu den genannten Vorwürfen ist zunächst festzustellen,
dass in dem Interview, welches in San Francisco auf Tonband aufgezeichnet wurde, tatsächlich zwei irrtümlich erhobene Behauptungen abgedruckt
wurden: Zwar liegt uns ein Brief vor, aus dem hervorgeht, dass ein Mitglied von Wort und Wissen einem Gymnasium ein kostenloses Exemplar
des ›evolutionskritischen Lehrbuchs‹ von Junker und Scherer zur Verfügung stellte. Von Geldspenden ist dort aber nicht die Rede. Des Weiteren
war die Bücherspende nicht, wie behauptet wurde, an einen Zweck gebunden - tatsächlich ging die Schule mit der Annahme der Spende keinerlei
Verpflichtungen ein. Wir bedauern diesen Irrtum und haben die Redaktion des ›Stern‹ bereits um eine Richtigstellung gebeten.«
Wir sehen, dass der große Vorsitzende sich in seinem ›Tatsachenwerk‹ über die von ihm in die Welt gesetzten, wirklich gravierenden und der
Richtigstellung bedürftigen Falschinformationen ausschweigt. Stattdessen berichtet er lieber – weil das besser zu seiner selbstgefälligen
Kampagne passt – über Protestschreiben, in denen »bibelgläubige Bundesbürger« sich angeblich bei ihm über seinen »arroganten gottlosen
Käfermacher-Ausspruch« beschwert hätten. Ich vermute, dass die meisten Beschwerden nicht seinen Ausspruch, sondern seine gezielte
Falschinformation betrafen. Dafür spricht auch, dass die Geschichte vom (blinden) Käfermacher nicht originell ist, sondern eine
Verballhornung von Richard Dawkins Bestseller-Titel »Der blinde Urmacher« und einem Bonmot des berühmten Biologen J. B. S. Haldane (1892–1964).
Als der einmal gefragt wurde, was ihm seine biologischen Studien über Gott gelehrt hätten, soll er geantwortet haben: »Der Schöpfer, falls er
existiert, muss eine ganz außergewöhnliche Vorliebe für Käfer gehabt haben, denn es gibt mehr Käferarten als Arten irgendeiner anderen
Tiergruppe.« Mir ist nicht bekannt, dass Dawkins Bestseller-Titel oder Haldanes pfiffige Bemerkung die Gefühle irgendeines »bibelgläubigen« Christen
verletzt haben. Im Gegenteil, sogar der versierte, schöpfungsgeschichtlich motivierte Evolutionskritiker Wolf-Ekkehardt Lönnig sieht die Sache
sportlich und liefert eine verblüffend einfache Erklärung für die vielen Käferspezies. Sie lautet: Wir haben diese riesige Artenzahl bei den
Käfern, weil die Systematiker jahrhundertelang jede unterscheidbare Population von Mendelschen Rekombinanten als eigene Arten beschrieben haben.
Und solange Systematiker genetische Rekombinanten als eigenständige Arten beschreiben, dürfte der Schöpfer ein Käfermacher bleiben.
Schrulle 6
»Evolution ist eine Tatsache, das Schnabeltier existiert.«
Schrulle 7
›Den Elefanten zu wenig Zähne gemacht‹
Fortsetzung folgt...
Anmerkungen
1) Kreativität ist nicht die Sache Kutscheras. Dass zeigt sich schon beim von ihm gewählten Titel, der wohl eine Kombination von
Ernst Mayrs populären Credo »Evolution ist eine Tatsache« und Gerd & Heidi von Wahlerts Buch »Was Darwin noch nicht wissen
konnte« (ebenfalls bei DTV erschienen) ist. Alternativ könnte er den Untertitel auch von dem 2004 verfilmten
Vortragstitel »Was Darwin nicht wissen konnte« des schöpfungsgeschichtlich motivierten Evolutionskritikers
Siegfried Scherer (TU München) abgekupfert haben. Da der renommierte Molekulargenetiker Scherer zu den beliebtesten Zielobjekten
von Kutscheras antikreationistischen Attacken zählt, wäre das nicht nur unoriginell, sondern auch noch geschmacklos.
2) Diese Botschaft ist trivial, wenn sie darauf abhebt, dass der Wissenschaftsbetrieb ein naturalistisches Unternehmen ist
und naiv, wenn
sie meint, dass sich wissenschaftliche Forschung ausschließlich über eine objektiv erfassbare Wirklichkeit und nicht ebenso über
philosophische Grundüberzeugungen und andere gesellschaftliche Verwicklungen definiert.
3) Meyer hat seine vernichtende Kritik an Bauer im Laborjournal (1-2/2009) unter dem Titel »Nonstop Nonsens« und in seiner
Handelsblatt-Kolumne »Quantensprung« vom 04.12.2008 unter der Überschrift »Dummes Zeug über Darwin« veröffentlicht. Zur
Entstehungsgeschichte dieser Rezensionen gibt der Chefredakteur des Laborjournals Ralf Neumann in einer Auseinandersetzung mit
Bauer auf einem österreichischen Scienceblog etwas unbeabsichtigt interessante Hintergrundinformationen preis.
4) Die Unterstellung, dass Gläubige randalieren, ist für Kutschera eine beliebte Polemik. Er hat sich ihr schon früher bedient, um Vorurteile zu schüren
oder auch seine mangelnde Courage zu verbergen, sich mit Kreationisten öffentlich auseinander zu setzen. Im Magazin »Der Spiegel« (52/2005) behauptet
er z. B.: »Wenn die Zeugen Jehovas in den Saal kommen, dann kann ich einpacken. Die stören und rufen rein, bis keine Diskussion mehr möglich
ist.« Dahinter verbirgt sich keine konkrete Erfahrung, sondern wohl eher die Befürchtung, dass ruchbar werden könnte, dass der Vorsitzender der
AG Evolutionsbiologie aus Mangel an fachlichem Selbstvertrauen die öffentliche Diskussion mit Kreationisten scheut.
5) Im Kapitel »Darwins Korallen und das moderne Baum-Denken« stellt Kutschera in (mit dem selben Brustton der Überzeugung,
wie bei seiner Abschaffung der ›Ismen‹) fest: »Alt-Darwinsche Begriffe wie ›primitiv‹, ›höher‹ oder ›Perfektionierung‹ existieren seit
Jahrzehnten in der Evolutionsbiologie nicht mehr«. Selbst wenn wir großzügig davon absehen, dass dies keine »alt-Darwinschen« Begriffe
sind, weil Darwin selbst es war, der vehement vor der Annahme einer »Höherentwicklung« warnte, irritiert uns Kutschera, wenn er nur
wenige Seiten später formuliert: »Neben dem Schnabeltier (...) lebt in Australien ein zweiter Eier legender primitiver Säuger...«. Wer
offenbar nicht weiß, was er wenige Seiten vorher verkündet hat, sollte sich hüten, das Buch einen missliebigen Kontrahenten gezielt
missverständlich als »wirre Sachbuch-Spekulationen eines Alzheimer-Forschers« zu bezeichnen.
G.M., 18.07.2009
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Edgar L. Gärtner:
Öko-Nihilismus. Eine Kritik der Politischen Ökologie
TvR Medienverlag – Jena 2007, 284 S.
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Dieses Buch ist ein ›Muss‹ für alle Bürger, die sich im Klimaschutz engagieren oder in der Klimapolitik
einen informierten Standpunkt einnehmen möchten. Wer sich vor überraschenden, ja wahrscheinlich sogar schmerzlichen
Einsichten fürchtet, sollte allerdings die Finger von Gärtners Werk lassen.
»Die spinnen die Ökos!« oder vorsorgender Klimaschutz als total oder auch totalitär verrückte Hauswirtschaft...
von Franziska Grübner-Schweickhoff
»Edgar L. Gärtner kennt viele unbekannte Hintergründe und Details aus der Geschichte der internationalen
Umweltpolitik als ehemaliger Chef eines großen deutschen Öko-Magazins aus eigener Anschauung. Um diese für viele
Außenstehende sicherlich neuen Zusammenhänge geht es in ›Öko-Nihilismus‹, seinem neuestem Werk. So kann er sehr gut
belegen, dass der beinahe zeitgleiche Start der ›grünen‹ Politik in allen führenden Industrieländern keine Frucht
einer irgendwie gearteten Verschwörung, sondern überwiegend Ergebnis der Nachahmung eines zuerst in den USA unter dem
damaligen Präsidenten Richard Nixon erfolgreich erprobten Politikmodells war.
Es überrascht, dass gerade ihre eindrucksvollen Ergebnisse bei der Reinhaltung der Gewässer und der Luft die Umweltpolitik
in die Falle des Populismus, in eine von Katastrophenangst und Hysterie getriebene mentale und tendenziell auch ökonomische
Abwärtsspirale lockten. Mit anderen Worten: Als die Bekämpfung konkreter, messbarer Belastungen von Wasser und Luft bereits
große Fortschritte gemacht hatte und die Umweltpolitik somit dabei war, sich selbst überflüssig zu machen, begannen sich
Politiker um ungelegte Eier zu sorgen, indem sie sich im Namen des ›Vorsorgeprinzips‹ der vorgeblichen Bekämpfung hypothetischer
Zukunftsprobleme wie dem als Bedrohung hingestellten Klimawandel zuwandten.
Gärtner zeigt auch, dass die dem ›Vorsorgeprinzip‹ zugrunde liegende Denkfigur des Alles oder Nichts ein Kind des Kalten Krieges
zwischen dem mehr oder weniger marktwirtschaftlich verfassten Westen und der Befehlswirtschaft des kommunistischen Ostens ist.
Es ließen sich damit Investitionen rechtfertigen, die sich – rein ökonomisch gesehen – bei weitem nicht rechneten. Ging es dabei
doch um den Fortbestand der westlichen Welt als solche, d.h. um eine reale Bedrohung von Freiheit und Demokratie. Werde diese Logik
jedoch auf hypothetische Gefahren angewandt, drohe das Abgleiten in den Nihilismus, warnt Gärtner.
Nihilist sein heißt nach Albert Camus, irgendetwas für wichtiger zu erachten als das menschliche Leben in Freiheit und Würde.
Aktuelle Musterbeispiele dafür sind ohne Frage islamistische Selbstmord-Attentäter. Weniger offenkundig ist die nihilistische
Tendenz bei vielen Umweltschützern. Doch auch sie stellen, wie Gärtner nachweist, nicht selten fragwürdige Ziele wie den Schutz
des (nicht definierbaren) ›Weltklimas‹ durch eine drastische Drosselung des Ausstoßes des angeblichen ›Klimakillers‹ Kohlendioxid (CO2)
und die Förderung so genannter erneuerbarer Energien mithilfe von Zwangsabgaben über das Ziel der Bewahrung von Freiheit und Menschenwürde.
Sie nehmen dabei, so Gärtner, nicht nur in Kauf, dass die Armen infolge der Verteuerung von Nahrung und Energie noch ärmer werden,
sondern verschlechtern auch allgemein die Voraussetzungen für den Fortgang technischer Innovationen und des wirtschaftlichen Wohlstands.
Noch boomt die deutsche Wirtschaft. Noch sind Strom, Gas und Benzin für die meisten einigermaßen erschwinglich. Aber wenn das von der
Bundesregierung bereits beschlossene Programm einer 40-prozentigen CO2-Einsparung bis zum Jahre 2020 bei gleichzeitigem Ausstieg aus
der Nutzung er Atomenergie umgesetzt wird, könnte das ganz anders aussehen, mahnt Gärtner. Er zeichnet nach, wie der ›Klimaschutz‹ zur
letzten Bastion derer wurde, die auch im Zeitalter der Raumfahrt, der Globalisierung der Märkte und des Internet an der Fiktion einer
geschlossenen Welt festhalten und Politik weiterhin im Sinne einer paternalistischen und protektionistischen Hauswirtschaft betreiben
wollen. In diesem Sinne, so Gärtner, ist der Ansatz vieler heutiger Ökologen ›verrückt‹. Doch eine Welt, in der für Glaubensfreiheit
und individuelle Verantwortung kein Platz ist, sei weder erstrebenswert noch genüge sie dem Anspruch der Nachhaltigkeit, betont Gärtner.«
Wer jetzt noch zweifelt, ob er sich Gärtners Werk zulegen soll, dem empfehle ich die Rezension »Statt Atomstaat der Karbonstaat?« von Ulli Kulke zu lesen.
Kulke ist eine engagierter Wissenschaftsjournalist, der in der reichlich überhitzten Klimadebatte einen ausgesprochen kühlen Kopf bewahrt. Es erstaunt
daher nicht, dass er auf der ›Schwarzen Liste‹ des rabiaten Klimaschützers Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) steht.
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Andreas Otte (Hrsg.):
Zeitenspringer – Heribert Illig zum 60. Geburtstag
Verlag Andreas Otte – Oerlinghausen 2007,
171 S., Preis: 19,95 €
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Dr. Heribert Illig – versierter Karlsleugner und Herausgeber des renommierten Zeitensprünge-Bulletins – verdient unser Mitgefühl.
Lang- und weniger langjährige Weggefährten haben ihm anlässlich seines sechzigsten Geburtstags einen Festband gewidmet. Darin erzählen
sie, wie sie zur Chronologiekritik im Allgemeinen und zu Illig im Besonderen gefunden haben. Herausgeber der Festschrift ist Andreas Otte,
ein Organisationstalent mit außergewöhnlich guten Informatikkenntnissen und ein Opportunist vor dem Herrn. Er gehört zu einer umtriebigen,
im ostwestfälischen Raum beheimateten Zeitenspringer-Gruppe, die sich zwischenzeitlich »Freundeskreis karolingischer Baukunst« nennt.
Es ist zweifellos ein Verdienst von Otte, längst überfälligen frischen Wind in die Öffentlichkeitsarbeit der Chronologiekritik gebracht zu haben.
Mit der von ihm betriebenen Website http://www.fantomzeit.de/ hat er Illig eine
attraktive Internetplattform zur Verfügung gestellt. Die Website soll den bisherigen Internetauftritt http://www.mantisverlag.de
mittelfristig ablösen, was zeigt, dass Illig mit Otte wohl seinen idealen Internetadlatus gefunden hat. Ob Illig allerdings davon begeistert ist,
dass Otte auch Herausgeber seiner Festschrift ist, kann bezweifelt werden. Dazu bedarf es – das weiß niemand besser als Illig selbst – mehr als
Organisationstalent und guter Informatikkenntnisse.
Otte hat die Festschrift-Beiträge entsprechend seiner Möglichkeiten nicht redigiert, sondern nur Rechtschreibfehler korrigiert. Wohl eher
unbeabsichtigt verrät die Festschrift daher mehr über die persönlichen Motive und Befindlichkeiten einiger Chronologiekritiker, als dem Jubilar
lieb sein kann. So haben verschiedene Autoren die Gelegenheit genutzt, zu zeigen, auf welch schicksalhafte Weise ihre Lebensgeschichte mit der
Chronologiekritik verwoben ist. Andere wiederum meinten, mit der Preisgabe privater Details aus dem Leben des Jubilars dokumentieren zu müssen, dass
sie zum innersten Zirkel der Zeitenspringer gehören.
Nicht wenige Beiträge wirken daher auf den Leser befremdlich, weil sie voller kryptisch anmutender Selbststilisierungen aber auch voller
unfreiwilliger Komik sind. Vor allem bei Außenstehenden mögen einige Beiträge sogar manches Vorurteil über die emotional verirrte und intellektuell
verwirrte Anhängerschaft der Chronologiekritik bestärken. Und so gereicht die Festschrift dem Jubilar nicht nur zur Ehre, sondern auch zur Warnung.
Auf eindrucksvolle Weise zeigt sie, was dabei herauskommt, wenn Illig das mit seiner äußerst heterogenen Anhängerschaft besetzte Narrenschiff nicht
selber durch Klippen und Untiefen steuert.
Belegen wir die Eindrücke mit einigen Beispielen. Besonders hervorheben werde ich Beiträge aus dem »Freundeskreis karolingischer Baukunst«, einer Gruppe,
der ich mich als Ostwestfale besonders verbunden fühle. Beginnen wir mit Anga H.. Sie ist mütterlicherseits mit okkulter Runenmagie vorbelastet und
lässt keine Gelegenheit aus, Horoskope in rosaroten Blättchen zu studieren. Anga H. macht keinen Hehl daraus, dass sie dem Sternzeichen Jungfrau
zugeneigt ist. Leider merkt sie nicht, dass ihr die astrologische Annäherung an den Jubilar zu einer vereinnahmenden Bedrohung entartet:
»Astrologisch zugeordnet ist Heribert Illig eine Jungfrau. Dazu könnte ich schon aus persönlicher Betroffenheit [jetzt wird es spannend] eine ganze Menge sagen,
denn Herbert [ach so ihr Gatterich] ist auch eine und sein Vorgänger war es ebenfalls [der wird sich doch wohl nicht in ein anderes Sternzeichen geflüchtet haben?].
Ich halte mich aber gepflegt zurück [keine Kunst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist]. Mein Sternzeichen ist der Skorpion. Ihm wird bedauerlicherweise
viel Übles nachgesagt [vor allem, dass er Kochwaschgänge und Backofenaufenthalte problemlos überlebt...], und angeblich gibt es nur wenige Sternzeichen, die zu
ihm passen. In einem sind sich aber sämtliche Astrologen in den Boulevardblättern einig: Die Jungfrau und der Skorpion harmonieren prächtig!«
Schön für die kantig-verkannte ›Skorpionin‹ – allerdings habe ich große Zweifel, dass der ›jungfräuliche‹ Jubilar es auf einen Praxisversuch ankommen lassen möchte,
zumal er schon seit Jahren bestens bedient ist. Fahren wir aber mit Marianne K. fort, die wegen ihres Ticks, zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit über den
mittelalterlichen Mönch Wibald von Stablo zu dozieren, auch Marianne von Stablo genannt wird. Von Stablo wurde bereits pubertär von der Chronologiekritik infiziert
und als Spätfolge eines familiären Initiationsritus erlebt sie Illigs mittelalterliche Enthüllungen als ganz persönliche körperliche Schockwellen.
»Unbemerkt hat sich das Velikovskygift bereits in pubertärer Zeit in mein Weltbild eingeschlichen und meine Wissenschaftsgläubigkeit häretisch zersetzt (…). Die Initiationsszene
steht mir plötzlich vor Augen: Väterstreit über ein ›Amibuch‹ im Familienzeltlager (…) an der Ostsee 1959, Weltuntergangsphantasien konkretisiert durch Fluchterlebnisse und
brennendem Dresden (...). Heribert Illig mit seinem Mantisverlag und den um ihn versammelten Autoren ist ein Lebenselixier, das beinahe körperlich die kindliche Neugier
auf Welterfassung in meinen Buchhändleralltag zurück bringt (…). So hätte es weitergehen können (…). Doch dann der Schock des Jahres 1991, er rollt in Wellen mit jeder
VFG-Ausgabe auf mich ganz persönlich zu und gipfelt in Illigs Sonderveröffentlichung »Karl der Fiktive, genannt Karl der Große.«
Nach soviel magischer Umgarnung (Anga H.) und unverblümter Entzückung (von Stablo) zurück zu Otte. Der belegt mit seinem einleitenden Beitrag »Statistik der Zeitschrift Zeitensprünge«, dass
er nicht nur ein Organisationstalent, sondern auch ein Langweiler und Erbsenzähler ist. Wer hier erwartet hat, dass Otte von Illig autorisiert wurde, das bislang streng gehütete Geheimnis
der Entwicklung der Auflage des Magazins zu lüften, wird arg enttäuscht. Otte lüftet nicht, sondern dokumentiert lediglich in großformatigen Tabellen die Entwicklung der Zahl der Seiten,
Beiträge und Autoren des Bulletins. Doch damit nicht genug, er versteigt sich in folgende sinnentleerte Auswertung:
»Auch die Zahl der Beiträge weist eine wenn auch weniger klare Tendenz nach oben aus. In der Summe sind es über 800 Beiträge unterschiedlicher
Autoren. Die durchschnittliche Seitenzahl liegt bei etwas mehr als 12 Seiten pro Beitrag. Der Anteil von Heribert Illigs Beiträgen
schwankt dabei absolut zwischen 8 und 16 pro Jahrgang, relativ zwischen 16% und 36% ohne klare Tendenz. In der Summe sind es über 200 also
etwa 25% der berücksichtigten Zeitensprünge-Beiträge. Die Anzahl der Autoren orientiert sich grob an der Anzahl der Beiträge pro Jahr (…).«
Kurz: Groteske Zahlenakrobatik, die die Welt nicht braucht. Otte zeigt hier, dass er die Tabellenkalkulation beherrscht, mehr nicht. Erika Vierling, Quasi-Gründungsmitglied und so etwas wie
gutbürgerliche Seele der deutschen Chronologiekritik, beherrscht sie vermutlich nicht. Trotzdem bringt sie in ihrem Beitrag die Sache auf den Punkt, in dem sie kurz und knapp bemerkt: Die Begeisterung
für die Chronologiekritik zeigt sich darin, dass die Bulletins stets umfangreicher wurden! Bleiben wir bei Otte, den ich einleitend als Opportunisten bezeichnet habe. Dies zeigt sich u. a. darin, dass
er als Herausgeber der Festschrift ziemlich überfordert ist, mit den diversen Interessenkonflikten, Anfeindungen und Abspaltungen innerhalb der Chronologiekritiker angemessen umzugehen.
Nehmen wir als Beispiel Ottes Umgang mit Christoph Marx. Marx ist einerseits Velikovsky-Übersetzer und Gründungsmitglied der Gesellschaft zur Rekonstruktion der Menschheits- und Naturgeschichte (GRMNG). Andererseits
hat er sich seit seinem Zerwürfnis mit Illig eine Einmann-Weltanschauung mit radikaler Kalenderreform, eigener Physik und Kollektivpsychologie sowie kryptischen Sprachkürzeln zugelegt. Er hat sich in dieser seiner
Welt eingeigelt und nahezu unkommunizierbar gemacht. Otte beschreibt im Nachwort seine Schwierigkeiten bei der Erstellung der Festschrift am Beispiel des von Marx eingereichten (wie zu erwarten ziemlich kryptischen) Beitrages:
»Was macht man z. B. mit einem Beitrag wie dem von Christoph Marx? Bringt man ihn überhaupt und wenn ja, wo? Oder lässt man ihn weg?
Wenn man ihn bringt, muss der Kontext für den Leser verstehbar sein. Wie stellt man den sinnvoll her? Am Ende habe ich ihn hereingenommen,
er spricht für sich selbst.«
Otte lässt den Leser hier an einem wunderbaren Monolog in Form einer klassisch zirkulär-paradoxen Argumentationskette teilhaben. Man könnte sie als zwangsläufiges Produkt eines Konfliktes deuten, der u. a. dadurch genährt wird, dass er erst seit
wenigen Jahren und Marx seit über einem viertel Jahrhundert Chronologiekritiker ist. Vor diesem Hintergrund ist Ottes Unvermögen, sich eine eigene Position zu erarbeiten, in diesem Fall sogar entschuldbar. Auf seine Neigung zum Opportunismus
angesprochen, beschreibt Otte sich gern als Opfer, der bei Konflikten zwischen allen Stühlen sitzt. Auf die Idee, dass er selber auch Täter ist, kommt er nicht.
Otte kritisiert in einem einleitenden Beitrag über die GRMNG e.V., dass Marx sich nach der Auflösung des Vereins dessen Namen angeeignet hat, ohne dafür autorisiert zu sein. Genau das macht aber er selber, wenn es nur zu seinem Vorteil ist. Otte ist
Mitbegründer der in Ostwestfalen beheimateten Gruppe »Freunde der karolingischen Baukunst« (FdkB). Nach einem Konflikt zwischen den Mitgliedern (eine absurde Zickenintrige, bei der Otte sich mal wieder zwischen alle Stühlen platziert hatte…) hat
der Urheber des Gruppennamens Otte untersagt, die Bezeichnung weiter zu benutzen. ›Ideenreich‹, wie Otte nun mal ist, hat er den Namen geringfügigst in »Freundeskreis karolingischer Baukunst« geändert und ohne Skrupel weiter verwendet.
Resümee: Man kann Illig nur wünschen, dass seine (ostwestfälischen) Anhänger ihm zu seinem nächsten Jubelfest – statt ihm eine ziemlich teuere Festschrift zu widmen – aus seinen chronologiekritischen Werken vorlesen, um weiteren Schaden von der Chronologiekritik abzuwenden.
G.M., 26.11.2007
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Nigel Calder
Die launische Sonne widerlegt Klimatheorien
Dr. Böttiger Verlags-GmbH Wiesbaden 1997, 208 S.
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Der englische Wissenschaftsautor Nigel Calder zeigt in diesem Buch, dass globale Klimaveränderungen kein
menschengemachtes Phänomen sind, sondern ein Produkt des Zusammenspiels von kosmischer Strahlung und Veränderungen
der Sonnenaktivität. Kurz: Unser Klima wird nicht auf der Erde, sondern im Himmel gemacht!
Calder schildert, wie die dänischen Meteorologen Friis-Christensen, Henrik Svensmark und Knud Lassen herausgefunden
haben, dass es einen Zusammenhang zwischen der kosmischen Strahlung und der Wolkenbildung gibt und wie die Vertreter der
dominierenden Treibhausklima-Theorie versucht haben, diesen evidenten Befund zu unterdrücken.
Calder ist ein scharfsinniger und unbestechlicher Autor. Im Schlusskapitel analysiert er »Was schief gelaufen
ist«. Die Treibhausgeschichte ist für ihn ein Lehrbeispiel dafür, wie und wodurch Wissenschaft auf
Abwege geraten kann. Nach seiner Auffassung geschieht dies vor allem dann, wenn Wissenschaftler sich in den Dienst der
Politik stellen und die Politik dies durch Fördergelder honoriert.
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Ulrich Kutschera
Evolutionsbiologie
2., aktualisierte und erweiterte Auflage Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
2006, 283 S. [PDF - DATEI - 52 KB]
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›Des Kaisers neues Lehrbuch‹ – Einige randständige Bemerkungen zu der ersten und zweiten Auflage von Kutscheras Lehrbuch »Evolutionsbiologie«
Fast ein Jahr lang habe ich gezögert, mir die zweite Auflage von Kutscheras Lehrbuch »Evolutionsbiologie« zuzulegen. Die erste vom
Umfang magere, vom Inhalt lückige und von der Gestaltung schlichte Auflage motivierte kaum, sich noch eine weitere Auflage dieses Werkes zuzumuten. Wann
immer ich einen relevanten evolutionsbiologischen Sachverhalt genauer und differenzierter betrachten wollte, war ich gezwungen, in Junkers & Scherers
kritischem Lehrbuch »Evolution« nachzuschlagen. Ja noch heute bin ich verwundert, wie es Kutschera gelungen ist, für die erste Auflage seines
Kurzlehrbuches einen Verlag zu finden. Vielleicht hat den Ausschlag gegeben, dass Kutschera sich durch seine heftigen öffentlichen Attacken gegen deutsche
Kreationisten einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet hatte und sich in den beiden letzten Kapiteln seines Buches dieser Thematik annimmt. Mag sein, dass
dem Parey Buchverlag das unternehmerische Risiko deshalb kalkulierbar erschien. Kutschera selber bemerkt: »Die Darstellung und Offenlegung
eines bisher tabuisierten Problems hat zur weiten Verbreitung dieses Buches beigetragen«. Im Klartext bedeutet dies: Kutschera verdankt seinen
publizistischen Erfolg wohl weniger den eher dürftigen evolutionsbiologischen Inhalten seines Buches als der populistischen, für ein naturwissenschaftliches
Lehrbuch eher ungewöhnlichen Auseinandersetzung mit dem Kreationismus.
Auf seiner universitären Website preist Kutschera die erste Auflage seines Kurzlehrbuches damit an, dass es ca. 15 Mal in
verschiedenen Fachzeitschriften positiv rezensiert wurde. Da Kutschera hinsichtlich seiner fachlichen Kompetenz keine Zweifel und deshalb bei seiner
Selbstvermarktung auch keine Skrupel kennt, lohnt sich hier genauer hinzuschauen. Folgendes fällt auf: Drei der »Fachzeitschriften« sind regionale
und überregionale Tageszeitungen. Darunter die sozialistische Tageszeitung »Neues Deutschland«, die vor der Wende als Propagandawerkzeug der SED diente.
Positive Besprechungen in Tageszeitungen steigern zwar die Verkaufszahlen, sind aber nicht dazu geeignet, die Qualität eines naturwissenschaftlichen Fachbuches
zu dokumentieren. Dies betrifft auch die Rezension in dem nur in geringer Auflage erscheinenden Magazin »Pterodactylos«. Hinter diesem Namen
verbirgt sich das »erste deutsche Magazin zur Kryptozoologie, Paläontologie und Evolutionsforschung«. Den Herausgeber interessieren nach eigenem Bekunden am
meisten »die Rätsel um Bigfoot, Yeti und Nessie«. Hier fragt sich, wie die Veröffentlichung dieser positiven Kurzrezension aus einem parawissenschaftlichen Insiderblättchen auf
der offiziellen Website der Universität Kassel mit Kutscheras erbitterten Kampf gegen wissenschaftliche Institute
zusammenpasst, die kreationistischer Evolutionskritik eine Plattform bieten (vgl. die Affäre Kutschera gegen Lönnig/Max-Planck-Institut)?
Daraus kann man doch nur folgern, dass er offenbar keine Skrupel kennt, sein Credo zu ignorieren, wenn es um Verbreitung seiner Werke, also seinen Ruhm geht.
Ferner befinden sich unter Kutscheras so genannten »Fachzeitschriften« schulbiologische Zeitschriften (z. B. Biologie heute oder Praxis der Naturwissenschaften),
Zeitschriften für biologische Spezialgebiete (z. B. Mikrokosmos oder Journal of Ornithologie) und eine biologiepraktische Zeitschrift (Gesunde Pflanzen). Erstaunlichweise aber keine einzige
ausgewiesene evolutionsbiologische Publikation. Fünf der Rezensenten stammen aus dem engeren Umfeld des Kutschera-Clubs (AG
Evolutionsbiologiemitglieder Hossfeld, Jacobsen, Junker (2x), Mahner u. Neukamm). Positive Besprechungen sind hier wohl eine Erfordernis des gemeinsamen Kampfes gegen
Kreationisten oder auch eine Sache der Kollegialität. Eine rühmliche Ausnahme bildet Mahners Rezension im »Skeptiker«, einer Zeitschrift für
Wissenschaft und kritisches Denken. Der scheut sich nicht, Schwächen und Fehler in Kutscheras Buch deutlich anzusprechen. Kutschera zitiert auf seiner Website auch
Mahner, aber so verkürzend bzw. verfälschend, dass von der Kritik nichts zu lesen ist. So verbirgt sich hinter drei Pünktchen in der zensierten
Website-Version folgende aufschlussreiche Passage aus Mahners Originalrezension: »Neben den positiv zu vermerkenden Aspekten weist das Buch
aber leider auch Schwächen auf, die geeignet sind, sein lobenswertes Anliegen zu beeinträchtigen. Zunächst macht das Buch den Eindruck, als sei es unter
großem Zeitdruck zustande gekommen. So wirkt die Präsentation oft etwas gehetzt, und manchmal folgen Abschnitte verschiedenen Inhalts überleitungslos
aufeinander, sodass nicht immer klar ist, was das eine mit dem anderen zu tun hat, warum gerade dieser Aspekt wichtig ist oder worauf der Autor damit später
hinaus will. Vielleicht haben sich auch deshalb einige sachliche Fehler eingeschlichen (…)«.
Bei der Rezension in der renommierten Naturwissenschaftlichen Rundschau stößt auch Kutscheras ›Schnippelverschönerungsmethode‹ an
ihre Grenzen. Darin werden die Schwächen des Lehrbuches so schonungslos aufgezeigt, dass Kutschera sich offenbar gezwungen sah, auf ihren Abdruck gleich vollständig zu verzichten.
Stattdessen hat er – ein wohl einmaliges Vorgehen – eine Richtigstellung zu der Rezension auf seiner Website eingestellt! Wer so unverfroren mit Kritik umgeht, muss ein tiefes Misstrauen gegen seine Leser haben. Zumindest fürchtet er, dass
diese sich ein eigenes, von ihm nicht manipuliertes Urteil bilden können. Tatsächlich kommt der Bielefelder Biologe Andreas Schmidt-Rhaesa zu
einer wenig schmeichelhaften Bewertung des Lehrbuches. Zwei zentrale Kapitel (»Stammbaumanalyse und molekulare Uhren« sowie »Rekonstruktion der Phylogenese
durch Beobachtung und Vergleich«) bezeichnet er schlicht als »misslungen« und fügt erläuternd hinzu: »So schwanken Kapitel 7 und 8 zwischen phylogenetischem
und typologisch-klassifikatorischem Vokabular hin und her. Auch die Darstellung molekularer Methoden ist verwirrend«. Schmidt-Rhaesa resümiert wie
folgt: »Die Auswahl von Themen für ein kurzes Lehrbuch zur Evolutionsbiologie ist mit Sicherheit extrem schwierig. Ob es sich ein modernes Buch aber leisten
kann, Gebiete wie die Phylogenetische Systematik, Kladistik, Biogeographie, Populationsgenetik, Grundlagen der molekularen Evolution, molekulare Systematik
oder den Artbegriff auszulassen, ist fraglich«. Was Herr Schmidt-Rhaesa hier in vorsichtig-zurückhaltender Weise formuliert
hat, heißt wohl im Klartext: Fast alles Wichtige fehlt!
Mein Sinneswandel bezüglich der Frage, ob es sich lohnt, mir die zweite Auflage zuzulegen, setzte ein als mich der Intelligent
Design-Theoretiker Markus Rammerstorfer darauf aufmerksam machte, dass Kutschera auf der Website der AG Evolutionsbiologie einen neuen antikreationistischen
Diskussionsbeitrag eingestellt hat. Sein Titel lautet »Gegendarstellung zum Wort-und-Wissen-Beitrag 6/06. Was ist ein Lehrbuch?«. Diese
Streitschrift ist eine Reaktion auf den Beitrag »Punkt für Punkt widerlegt?« des kreationistischen Lehrbuchautors Reinhard Junker.
Der stellt darin einige wenig stichhaltige Behauptungen und nicht nachvollziehbare Verdrehungen Kutscheras zu den Inhalten des kritischen Lehrbuches »Evolution« richtig. Kutschera
hatte sich zuvor damit gerühmt (auf gerade einmal 18 Seiten seiner ›Evolutionsbiologie‹!), die Aussagen des (300 Seiten umfassenden!) kritischen
Lehrbuches von Junker & Scherer »Punkt für Punkt« widerlegt zu haben. Kutschera nutzt seine Entgegnung dazu, grundsätzlich klar zu stellen,
»was man üblicherweise unter einem ›Lehrbuch‹ versteht«. Wie nicht anders zu erwarten, kommt er zu dem Ergebnis, dass sein Lehrbuch die gestellten
Anforderungen erfüllt, während von den schöpfungsgeschichtlich motivierten Lehrbuchautoren Junker & Scherer die »genannten Prinzipien
und Grundsätze [...] offensichtlich nicht eingehalten« werden. Diese allzu selbstgefällige Evaluierung, die augenscheinlich von dem Ziel getragen ist, Junkers
& Scherers kritisches Lehrbuch zu disqualifizieren und diffamieren, lohnt näher betrachtet zu werden, weshalb für mich der Kauf der zweiten Auflage
unvermeidlich war!
Kutschera hat die Kriterien dafür, was man »üblicherweise« unter einem »seriösen Lehrbuch« versteht, so formuliert, dass
sie a) zielgenau auf die 2. Auflage seines Lehrbuches »Evolutionsbiologie« zugeschnitten sind und b) Junkers & Scherers kritisches Lehrbuch als
unseriös einstufen. Dabei hat er allerdings übersehen oder in Kauf genommen, dass auch die erste Auflage seines Lehrbuches die von ihm formulierten Anforderungen
nicht erfüllt. So fordert Kutschera, dass der Autor in dem Gebiet, über das er ein Lehrbuch schreibt, eigene Forschungsarbeiten publiziert hat. Bis
2001 hat Kutschera selbst jedoch gar keine erkennbaren Fachbeiträge zum Thema »Evolution« publiziert. So tauchen in seiner umfangreichen, im Internet
veröffentlichten Publikationsliste erstmalig ab 2001 Beiträge auf, die eindeutig auf evolutionsrelevante Themen hinweisen*. Sollte dies der Grund
dafür sein, dass Kutschera in die Literaturliste der ersten Auflage keine Zeitschriftenaufsätze aufgenommen hat? Wie dem auch sei, immerhin sind in
den Abbildungslegenden 6 Aufsätze von ihm zitiert. Dabei handelt es sich um Studien, in denen es vorrangig um die Fortpflanzungsbiologie und Brutfürsorge
bei seinen »Lieblingstieren«, den Egeln geht. Deren Vermehrungsstrategien werden auch im »Lichte der Evolution« betrachtet. Auf seiner universitären
Website versucht Kutschera, diese randständige Beschäftigung mit evolutionären Fragen nachträglich zu einem
evolutionären Forschungsprogramm zu stilisieren. Damit kann er aber nur notdürftig verschleiern, dass er selber die von ihm für einen Lehrbuchautor
formulierten Anforderungen nicht erfüllt.
Als weitere Voraussetzung für die Erstellung eines seriösen Lehrbuches fordert Kutschera, dass »ein berufener, in der akademischen
Lehre erfahrener Universitätsprofessor« seine »über Jahre hinweg erstellten, auf Originalliteratur basierenden Vorlesungsaufzeichnungen« zusammen schreibt
und »einem Fachverlag« anbietet. Diese Anforderung zielt darauf ab, Junker, der nicht an einer Universität arbeitet und Scherer, dem an der TU
München das Lehrgebiet »Mikrobielle Ökologie« anvertraut ist, als Lehrbuchautoren zu disqualifizieren. Wie sieht es aber um Kutschera
selber aus? Im Lehrgebiet »Pflanzenphysiologie« mag er ein berufener und erfahrener Universitätsprofessor sein, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
der ersten Auflage seines Lehrbuches »Evolutionsbiologie« war er dies in dem, ihm erst Ende 2001 übertragenen Lehrgebiet »Evolution« sicherlich nicht.
Nach eigenen Angaben hatte Kutschera in 1997/1998 einige öffentliche Vorträge zum Thema »Evolution und Kreationismus« gehalten. Ferner war er
ab 1999 von Studenten gebeten worden, ersatzweise (ein Kollege war emeritiert worden und den anderen war die Aufgabe wohl lästig…) jeweils im Sommersemester
eine doppelstündige Evolutionsvorlesung zu halten. Kaum zwei Jahre später hat Kutschera seine »ausformulierten Vorlesungsaufzeichnungen« mit ›Buchdeckeln‹ versehen und
einem Verlag angeboten. Auch hier erfüllt sein eigenes Lehrbuch seine eigenen Kriterien nicht, denn hier hat ein Anfängerprofessor im Lehrgebiet »Evolution«
eine Vorlesung für Anfängerstudenten in ein Lehrbuch verwandelt.
Kutschera hat bei seinem erbitterten Kampf gegen schöpfungsgeschichtlich motivierte Wissenschaftler und deren Produkte offenbar
vergessen, dass er selbst ziemlich ›nackt‹ dasteht. Um seine eigenen Schwächen offen zulegen, braucht man daher nur seinen Argumentationsstil auf ihn selber
anwenden. Wer einigermaßen unvoreingenommen die erste Auflage von seinem Lehrbuch Evolutionsbiologie mit dem kritischen Lehrbuch »Evolution« von Junker
& Scherer vergleicht, wird feststellen, dass zwischen beiden Lehrbüchern Welten liegen. Dies zeigt schon ein Vergleich der Anzahl der
Stichworte im Sach- und Personenregister. In Junkers & Scherers kritischem Lehrbuch sind es mehr als doppelt so viele als in Kutscheras Evolutionsbiologie. Viele wichtige evolutionsbiologischer Forschungsfelder, wie z. B. homeotische
Regulatorgene, die ein zentrale Rolle bei der Gestaltbildung spielen oder Buntbarsche, an denen die explosive Artbildung bei Wirbeltieren studiert wird,
kommen gar nicht vor, andere Bereiche, wie die molekulare Phylogenetik und Systematik oder die Artbegriffe werden nur rudimentär oder stark verkürzt
dargestellt. Kutscheras allgemeine Einführung ist so lückig, dass man sie nicht einmal guten Gewissens einem Oberstufenschüler empfehlen kann.
Vergleicht man sein Lehrbuch mit der knapp gefassten »mentor Abiturhilfe Evolution« so wird deutlich, dass einige Kapitel (z. B. dasjenige über die
Evolution des Menschen) wahrscheinlich nicht einmal ausgereicht hätten, das Abitur zu bestehen. Und so resümiert Mahner, der Kutscheras
vorrangiges Anliegen, die deutschen Kreationisten zu attackieren, grundsätzlich unterstützt, in seiner schon erwähnten Rezension im Skeptiker wie folgt:
»Es ist jedoch zu befürchten, dass das Buch aufgrund seiner Mängel nicht den Erfolg haben kann, den sein Anliegen im Prinzip verdient. So bleibt zu hoffen,
dass es bald in einer zweiten Auflage überarbeitet werden kann«.
Die von Mahner erhoffte zweite Auflage liegt nun seit 2006 vor. Kutschera hat darin, die meisten der von seinen kritischen
Rezensenten angemahnten Schwächen und Auslassungen beseitigt. Ein wesentlicher Mangel bleibt allerdings bestehen und der besteht in dem ausgesprochen schlicht
naturalistischen Wissenschaftsbild, das von Kutschera vermittelt wird. Kutschera ist – wie er in einem Interview mit der
Zeitschrift »factum« (1/2003) einmal überdeutlich formulierte – davon überzeugt, dass in der Biologie als Naturwissenschaft »nur reale Dinge
erforschbar sind und Bausteine von Theorien« werden können. Das ist eine primitive Auffassung, die meilenweit von jedweder Erkenntnis moderner
Wissenschaftstheorie entfernt ist. Man kann Kutschera nur dringendst empfehlen, sich bei modernen Wissenschaftsphilosophen zu informieren, z. B. bei
Rheinberger, H.-J. (2006): »Epistemologie des Konkreten. Studien zur Geschichte der modernen Biologie«.
Da kann er dann nachlesen, dass die Gegenstände wissenschaftlicher Forschung nicht einfach, wie Ostereier im Nest herumliegen oder real vorhanden sind,
sondern von der wissenschaftlichen Forschung konstruiert werden. Die Objekte der Wissenschaft sind keine realen Gegenstände, sondern immer epistemische
Konstruktionen. Anders formuliert: Die Fakten, seien es nun gut bestätigte Evolutionstheorien oder gar unstrittige Interpretationen geologisch überlieferter
Fossilien sind gemacht. »Un fait est fait« wie der französische Wissenschaftsphilosoph Gaston Bachelards
einmal in einem Bonmot sagte. Jeder reflektierte Wissenschaftstheoretiker ist daher heute bereit zuzugeben, dass in allem Wissen auch immer Glauben ist.
Diese aufklärerische Devise ist Kutschera fremd, weil für ihn der ›Glauben‹ die Trennlinie zwischen naturalistischer
Wissenschaft und supranaturalistischem Kreationismus bildet. Doch hier sitzt Kutschera einem ›Köhlerglauben‹ auf.
In einem alten Lexikon habe ich über den ›Köhlerglauben‹folgendes gelesen: »Ein Köhler wurde von einem Theologen gefragt, was er
glaube? Er antwortete: ›Was die Kirche glaubt‹. Und auf die weitere Frage, was die Kirche glaube, antwortete er: ›Was ich glaube!‹«. Ein solcher, lediglich
auf die Aussagen anderer beruhender, unbedingter blinder Glaube wird nach dieser Legende auch als ›Köhlerglaube‹ bezeichnet. Auf Kutschera übertragen, würde man die Geschichte wie folgt
formulieren: Er glaubt, was die Evolutionsbiologie glaubt. Und auf die Frage, was die Evolutionsbiologie glaubt, würde er antworten, was in meinem Lehrbuch steht.
Wie wirkt sich nun Kutscheras ›Köhlerglaube‹ auf die Inhalte seines Lehrbuches aus? Darin neigt er dazu,
konkurrierende Theorien entweder kommentarlos nebeneinander zu stellen (und eben nicht auf die historischen Implikationen ihrer jeweiligen Bevorzugung zu
rekrutieren) oder sich ziemlich willkürlich für eine Theorie als »gesicherte Erkenntnis« zu entscheiden. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist die Entwicklung
des Vogelfluges. Nach einer schematischen Abbildung in Kutscheras neuem Lehrbuch hat er sich über den Flatterflug entwickelt.
Tatsächlich gibt es aber auch viele Wissenschaftler, die den Gleitflug als Vorform des freien Fluges für
wahrscheinlicher halten. Der führende amerikanische Forscher für gefiederte Dinosaurier Mark Norell kommentiert in seinem 2007 erschienenen Buch »Auf
der Spur der Drachen - China und das Geheimnis der gefiederten Dynosaurier« wie folgt: »Eine Fülle von Befunden spricht für bzw. gegen die eine wie die andere dieser beiden Hypothesen. Leider gibt es nur
wenige strenge Tests, und häufig spielt bei der Antwort auf die Frage nach der Entwicklung des Fluges ein tiefsitzender, fast religiöser Glaube an die eine
oder andere These eine Rolle«.
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* Unter »erkennbar evolutionsrelevanten Beiträgen« werden hier Beiträge verstanden, in denen der Titel einen evolutionsrelevanten Begriff (z. B. Evolution, molekulare
Phylogenetik, Sequenzanalyse, Endosymbiose, Ursprung) enthält oder Beiträge, die in einer evolutionsbiologischen Zeitschrift (z. B. »Trends in Ecology« and Evolution«, »International Journal of Systematic and
Evolutionary Microbiology« oder »Evolutionary Biology«) veröffentlicht worden sind.
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Reinhard Junker & Siegfried Scherer
Evolution Ein kritisches Lehrbuch
Weyel-Verlag Gießen 2001 (5. Auflage), 328 S.
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Dieses Lehrbuch ist zweifelsfrei die derzeit mit Abstand beste Veröffentlichung zum Thema Evolution und insbesondere
Evolutionskritik im deutschsprachigen Raum. Die Verfasser sind Dr. Reinhard Junker und Prof. Dr. Siegfried Scherer. Scherer
ist Direktor des Instituts für Mikrobiologie an der Technischen Universität München und Junker ist ehemaliger
Gymnasiallehrer für Biologie und Mathematik. Auch die neun weiteren Koautoren sind Biologen, Chemiker oder Mediziner.
Neben ihrer wissenschaftlichen Ausbildung ist allen Autoren gemeinsam, dass sie der biblischen Schöpfungslehre eng
verbunden sind.
Das Lehrbuch zeichnet sich dadurch aus, dass es die äußerst vielschichtigen Erkenntnisse und Problemstellungen
evolutionsbiologischer Ursprungsforschung fundiert und systematisiert darstellt und zwar auf dem aktuellsten Stand.
Im Einzelnen beinhaltet es eine wissenschaftstheoretische und geschichtliche Einführung, eine Darstellung und Diskussion
der Artbegriffe, der Grundtypenbiologie, der Evolutionsmechanismen sowie der Evolution auf organismischer, molekularer und
chemischer Ebene. Ferner widmet es sich in zwei Kapiteln der historischen Evolutionsforschung, nämlich der vergleichenden
Biologie und der Deutung der fossilen Überlieferung.
Ein besonderer Pluspunkt des kritischen Lehrbuches besteht darin, dass es die gravierenden Schwachstellen der konventionellen
evolutionsbiologischen Erklärungsmodelle auf überzeugende Weise offen legt. Diese Schwachstellen werden in den
schulwissenschaftlichen Lehrbüchern fast durchweg unterschlagen oder bagatellisiert. Die massive Kritik lässt sich
wie folgt auf den Punkt bringen: Der darwinsche Mutations-/Selektionsmechanismus und seine neodarwinistischen Neuformulierungen
taugen einigermaßen dazu, mikroevolutive Prozesse zu erklären. Völlig untauglich sind sie aber für die
Erklärung makroevolutiver Prozesse, d. h. die evolutive Entstehung völlig neuer Strukturen oder Physiologien.
Jeder halbwegs unvoreingenommene Leser wird nach der Lektüre dieses Buches zu der Einsicht gelangen, dass es kein Zeichen
von ignoranter Dummheit, sondern von kritischer Vernunft ist, wenn man die Frage nach der Entstehung der verschwenderischen Vielfalt
der Lebewesen auf unserem Planeten als weiterhin ungelöst betrachtet. Die ›erlösende‹ Botschaft dieses Buches
lautet daher: Wir dürfen über die Wunderwerke der Natur wieder staunen und müssen uns nicht durch dogmatisierte und
die öffentliche Meinung tyrannisierende Evolutionslehren davon abhalten lassen.
Die enge Verbundenheit der Autoren mit der biblischen Schöpfungsgeschichte kommt explizit in farbig abgesetzten und
durch den Begriff »Grenzüberschreitung« gekennzeichneten Passagen sowie im gleichnamigen Schlusskapitel
zum Ausdruck. Hier werden aus der biblischen Offenbarung abgeleitete Schöpfungsmodelle und ihre Kompatibilität mit
empirischen Daten diskutiert. Die Autoren beanspruchen, dass sich aus ihren Schöpfungsmodellen vergleichbar den
Evolutionsmodellen testbare Schlussfolgerungen ableiten lassen. Dieser Anspruch ist methodisch bedenklich, weil hier in
letzter Konsequenz »die Schöpfung« oder gar »Gott« getestet werden soll, womit jede
seriöse Wissenschaft hoffnungslos überfordert ist.
Nicht ganz so offensichtlich aber deswegen um so störender zeigt sich die strikte Bibelorientierung
der Autoren an ihrem beharrlichen Bemühen, Befunde in Frage zustellen, die auf eine gemeinsame Abstammung der Lebewesen
hinweisen. Ihre Versuche, den offensichtlichen Reliktcharakter und die Funktionslosigkeit rudimentärer
Strukturen (z. B. rückgebildete Hüftknochen bei Walen) wegzuinterpretieren, kann man nur als absurd bezeichnen.
Statt sich an der Vorstellung einer funktionsoptimierten Schöpfung festzuklammern, hätten die Autoren sich besser
an eine lakonische Bemerkung des Biochemikers Gottfried Schatz halten sollen: »Vieles in unserem Körper so unsinnig
ist, wie die Grenzen der Schweiz, aber beides hat sich im Laufe der Zeit eingespielt und nicht mehr verändert«.
Mit anderen Worten: Die heutigen Baupläne der Lebwesen sind sinnvoller Weise nur interpretierbar, wenn man berücksichtigt,
dass bei ihrer Entstehung die Zufälle der Geschichte eine wesentliche Rolle gespielt haben.
Auch die pessimistische Beurteilung der möglichen Reichweite und Bedeutung von neueren evolutionsbiologischen Forschungsergebnissen
kann dem Leser gelegentlich Bauchschmerzen bereiten. Hier hätten die Autoren an Glaubwürdigkeit gewonnen, wenn sie sich
eingestanden hätten, dass z. B. die erstaunlichen Befunde der Endosymbiontenforschung oder die faszinierenden Entdeckungen um die
Homeobox-Gene nicht nur aus neodarwinistischer, sondern auch aus schöpfungstheoretischer Sicht völlig unerwartet waren.
Solche ›missliebigen‹ Befunde müssen auch wenn es die ›Forscherseele‹ schmerzt
dazu führen, die Standardmodelle und nicht etwa die Befunde in Frage zu stellen. Zur Ermutigung sei den Autoren hier eine Zeile
aus Alfred Lord Tennysons berühmten Gedicht »In Memoriam« ans Herz gelegt: ›Rechtschaffener Zweifel hat mehr
Glauben als das stupide Festhalten an Bekenntnissen‹. Diese Zeile richtet sich natürlich ebenso an bekennende Neodarwinisten.
Die zuvor geschilderten Reflexionsdefizite verderben dem geneigten Leser zwar gelegentlich den Spaß an der Lektüre des
Lehrbuches; sie bleiben aber erträglich, wenn man die geradezu ignorante Überheblichkeit bedenkt, mit der in konventionellen
Lehrbüchern der vermeintliche Siegeszug der darwinschen Evolutionslehre und seiner Neuformulierungen dargestellt wird. Folglich
ist auch das vorliegende Lehrbuch ein Beleg dafür, dass die kreationistisch gesonnenen Evolutionstheoretiker in der Regel ein
ernsthafteres Verständnis der Gegenseite an Tag legen als umgekehrt. Damit ist die Frage, ob man von man von kreationistischer
oder darwinistischer Seite objektiver über evolutionsbiologische Probleme informiert wird, wieder einmal eindeutig zu Gunsten
der Kreationisten beantwortet.
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Robert M. Sapolsky
Mein Leben als Pavian Erinnerungen eines Primaten
Claassen München 2001, 456 S.
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Autobiographischer Bericht des renommierten Stress- und Primatenforschers Robert M. Sapolsky, der sich seit seinem einundzwanzigsten
Lebensjahr einer Pavianhorde in einem ostafrikanischen Nationalpark angeschlossen hat. Der Autor gewährt dem Leser mit
scharfsinnigen Beobachtungen und haarsträubend komischen Geschichten Einblicke in das Forscherleben in der afrikanischen Savanne.
Seine eigentlichen Zielobjekte der Beobachtung sind »Mantelpaviane«, genauer gesagt, deren heimtückischer Kampf
um Macht und Weibchen im Affenclan. Genauso viel, wie über das Leben der Paviane erfährt der Leser aber über
das Leben seiner Helfer und Nachbarn, den »Massai«. Die »Massai« lassen nichts unversucht, dem Forscher
alsbald einen Kulturschock zu verpassen, der sogar nichts mit unseren romantisch geprägten Vorstellungen des Lebens in der
Weite der afrikanischen Savanne zu tun hat.
Der Autor lässt uns auf diese Weise miterleben, dass von den idealistischen Vorstellungen über
das (Forscher-)Dasein in der Realität häufig nur ein klägliches ›Sosein‹ überbleibt.
Sapolskys Buch könnte auch manchen entrückten Neodarwinisten helfen, die Wahrheit statt in Tempeln der
Anbetung der darwinschen Evolutionslehre wieder in den Niederungen der Feldforschung zu suchen.
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Debora Cadbury
Dinosaurierjäger Der Wettlauf um die Erforschung der prähistorischen Welt
Rowohlt Reinbek 2001, 439 S.
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Die britische Buchautorin Deborah Cadbury begleitet bekannte und weniger bekannte Paläontologen des 19. Jahrhunderts
bei der Erforschung der prähistorischen Welt. Diese zeigte sich den Forschern zu Beginn dieses Jahrhunderts als
unerhörte Provokation, nämlich als Skelettrest eines ›Ungeheuers‹, das von der dreizehnjährigen
Mary Anning an der Südküste Englands gefunden wurde. Ihr Fund, der später als Ichthyosaurus bekannt wird,
setzt einen dramatischen Wettlauf um die Erforschung der »Zeit vor der Sinflut« in Gang, der nicht nur
Karrieren begründet und zerstört, sondern eine neue Wissenschaft hervorbringt und das herrschende Weltbild von
Grund auf ändert.
Cadbury schildert auf anschauliche Weise, wie die ersten Dinosaurierforscher, die neben der fossilen, vor allem der
biblischen Überlieferung verpflichtet waren, sich mühten, die Funde mit dem Schöpfungsbericht in Einklang
zu bringen. Im Zentrum des Buches steht der jahrzehntelange, hassgeladene Konflikt zwischen zwei höchst ungleichen
Persönlichkeiten: Gideon Mantell, Sohn eines Schusters, der sich aus eigener Kraft zum Mediziner und Mitglied der
Londoner Royal Society emporarbeitete, und Richard Owen, der sich frei von Geldsorgen ganz der Forschung widmen konnte.
Cadbury macht keinen Hehl aus ihrer Sympathie für Mantell, den sie zum Held ihrer Geschichte kürt.
Das Buch endet damit, dass der intrigante Richard Owen zwar gegen den ehrbaren Gideon Mantell die Oberhand
behält, aber später von den siegreichen Darwinisten systematisch aus der Geschichte hinausgeschrieben wird.
Nicht zu unrecht wird er als »verdammter Lügner« abgestempelt: »Er log für Gott und aus
Boshaftigkeit. Ein übler Fall«. Leider macht Cadbury nicht deutlich, dass der wissenschaftliche Diskurs im
Zeitalter des Darwinismus kein bisschen fairer geworden ist. So steht das skrupellose Vorgehen des Darwinprotagonisten
Thomas H. Huxley (»Darwins Bulldogge«) den intriganten Methoden eines Richard Owen in nichts nach.
Analog müsste man aus heutiger Sicht für Huxley formulieren: »Er log für Darwin und aus
Skrupellosigkeit. Ein ganz übler Fall«.
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Bernhard Kegel
Die Ameise als Tramp Von biologischen Invasionen
Ammann Verlag Zürich 1999, 417 S.
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Der promovierte Biologe Bernhard Kegel schreibt in diesem eindrucksvollen Buch über das Phänomen, dass
Pflanzen und Tiere dazu neigen, sich über die räumlichen Grenzen ihrer bisherigen Existenz hinaus
auszubreiten. In der natürlichen Umwelt gibt es normalerweise kaum überwindbare Hindernisse wie
Gebirge, Wüsten oder Ozeane, die sich auch der ausgeprägtesten Reiselust entgegensetzen. So war
es für eine europäische Ratte, ein Kaninchen oder einen Fuchs ziemlich lange unmöglich nach
Australien zu gelangen. Dies hat sich mit dem Beginn der Neuzeit und der sich rapide ausbreitenden europäischen
Zivilisation grundlegend geändert. Heute transportieren Schiffe, Flugzeuge, Eisenbahnen und Automobile nicht
nur Menschen und unermessliche Warenmengen zu jedem noch so entfernten Ziel auf unserem Planeten, sondern
auch »Natur«, die entweder legal oder als blinder Passagier mitreist
Nicht überall laufen biologische Invasionen so glimpflich wie in Europa ab. Hier hat es bisher noch
keine Immigrantenart geschafft, eine alteingesessene Art völlig zu verdrängen. In Neuseeland oder
Hawaii, wo der weitaus überwiegende Teil der Arten endemisch ist, sieht dies ganz anders aus. Hier
werden die lokalen Populationen massiv von den konkurrenzkräftigen Einwandererarten bedrängt und
oft sogar vollständig ausgelöscht. Dies liegt z. B. daran, dass es auf Neuseeland ursprünglich
keine bodenlebenden Säugetiere gab. Dort vorkommende Vogelarten sind daher darauf programmiert, dass
Gefahr nur aus der Luft droht und haben bis heute nicht gelernt, beim Anblick eines Wiesels oder einer Katze
das Weite zu suchen. Wissenschaftler bezeichnen dieses Verhalten als »säugetiernaiv«.
Engagierte Naturschützer versuchen, Jungtieren betroffener Arten diese verhängnisvolle ›Instinktlücke‹
in Angstseminaren abzutrainieren.
Dies ist aber bei weitem nicht der einzige Unterschied zu den üblichen Aufgaben eines mitteleuropäischen
Naturschützers. Kegel bringt es auf den Punkt: »Naturschutz in Neuseeland heißt in erster
Linie töten«! Dutzende Tonnen von Gift werden hier jährlich eingesetzt, um die biologischen
Invasoren und seien sie auch so niedlich wie die pelzigen australischen Fuchskusus auszurotten.
Auf uns ›brave‹ Mitteleuropäer, die wir uns gerade daran gewöhnt haben, den aus dem
Kaukasus stammenden und unsere Gesundheit bedrohenden Riesen-Bärenklau mitleidlos zu bekämpfen, wirkt
eine solch ›blutiger‹ Naturschutz befremdend. Andererseits geht es hier zweifelsfrei um die Bewahrung
von bedrohten Naturerbe. Kegels Buch macht daher nachdenklich.
Zum Nachdenken regt dieses Buch aber auch noch aus einem anderen, von Kegel vermutlich weniger beabsichtigten
Grund an: Lehrt der Darwinismus nicht seit über 150 Jahren, dass sich die Lebewesen im Laufe der Evolution
immer optimaler in ihre jeweiligen Umwelten einnischen und Neuankömmlinge daher hoffnungslos benachteiligt sind?
Die von Kegel angeführte, große Zahl von gelungenen biologischen Invasionen zeigt, dass dies offensichtlich
völliger Quatsch ist. Tatsächlich gelingt es zwar nur einem Bruchteil der Neuankömmlinge, sich zu
etablieren, aber diejenigen, die es schaffen, scheinen gerade zu leichtfüßig, entweder neue bisher nicht
besetzte Nischen zu finden oder etablierte Arten aus ihren Nischen zu verdrängen. Die Vielzahl erfolgreicher
biologischer Invasionen stellt daher eine erhebliche Herausforderung für die darwinistische Vorstellung von der
optimalen Einnischung der Arten in ihren jeweiligen Umwelten dar.
Kegel erweckt nicht ganz zu Unrecht den Eindruck, dass der moderne Mensch durch den weltweiten Verkehr eine neue
Qualität in das Phänomen biologische Invasionen gebracht hat. Schließlich können solche
Invasionen wie das Beispiel Neuseeland zeigt das (endemische) Naturerbe ganzer Länder bedrohen.
Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass massive Invasionen in der bewegten Naturgeschichte unseres
Planeten zwar kein alltäglicher aber doch ein relativ normaler Vorgang sind. Der Paläontologe Richard Fortey
spricht den biologischen Invasionen der Naturgeschichte die Qualität »militärischer Feldzüge«
zu, bei der die »Streitkräfte« mal in diese und mal in jene Richtung vorwärtsdrängen
und »Friedensverträge« ganz nach Laune gebrochen werden. Ein bekanntes Beispiel für die
Auslösung eines solch verheerenden Feldzuges ist die Bildung einer Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika
gegen Ende des Tertiärs. Diese Landbrücke hat es den überlegenen plazentalen Säugetieren Nordamerikas
ermöglicht, nach Südamerika einzuwandern, und die dort überwiegend vorhandene Beuteltierfauna massiv zu
dezimieren. Solche »Untaten« der Natur, werden von Autoren, die wie Kegel dem Naturschutz nahe stehen, aufgrund
ihres positiven Natur- und pessimistischen Menschenbildes gerne verdrängt.
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Georg Menting
Die kurze Geschichte des Waldes Plädoyer für eine drastische Kürzung der nacheiszeitlichen Waldgeschichte
Mantis Verlag Gräfelfing 2002, 164 S.
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Da der Autor nicht zugleich der Rezensent sein sollte, folgt hier die Besprechung eines unverdächtigen, d. h. der
Chronologiekritik nicht verbundenen Rezensenten. Dr. Hans-Gerd Michiels ist Mitarbeiter der Abteilung Waldökologie
in der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg. Die Rezension ist im August 2003 in
den Mitteilungen des Vereins für Forstliche Standortskunde und Forstpflanzenzüchtung erschienen.
»Das Buch hat den Anspruch, die bisherigen Vorstellungen über die zeitliche Abfolge der nacheiszeitlichen
Waldgeschichte in Mitteleuropa auf den Prüfstand zu stellen. Mit den Ergebnissen will der Autor den
Beweis führen, dass die zeitlichen Abschnitte des Holozäns insgesamt wesentlich kürzer waren, als es
bisher in der wissenschaftlichen Lehrmeinung dargestellt wurde.
In einem Abschnitt »Grundlagen und Methoden« beschreibt das Buch verschiedene Arbeitsweisen der
Paläoökologie und der Paläobotanik, auf denen die gängigen Ansichten über die prähistorische
Waldgeschichte beruhen. Neben der Pollen- und Großrestanalyse ist auch die Radiokarbon-Datierung und der
Dendrochronologie ein eigener Abschnitt gewidmet. Gemäß seiner Intention beleuchtet der Autor vorrangig die
Schwächen aller dieser Verfahren bei der Erstellung absoluter Chronologien und kommt zu dem Ergebnis, dass das
für frühe Postglazial noch keine verlässliche Methode zur absoluten Altersbestimmung von Pollenkörnern
und sonstigen Pflanzenresten zur Verfügung steht.
In den zwei folgenden Kapiteln werden die Ansichten über den Ablauf der nacheiszeitlichen Waldgeschichte diskutiert,
die der konventionellen Interpretation der vorliegenden Daten entstammen. Die fokussierten Themen sind in erster Linie die
vermuteten eiszeitlichen Refugien und die Ausbreitungsgeschichte einiger heimischer Baum- und Straucharten. Dabei ist der
Autor auf verschiedene Merkwürdigkeiten gestoßen, die im Widerspruch zu sonstigem Faktenwissen aus der
Erdgeschichts- oder der Ökosystemforschung stehen. Dann versucht er zu belegen, warum Klimaschwankungen oder
der frühe Einfluss des Menschen als Erklärung für diese Phänomene nicht in Betracht kommen.
Im letzten Kapitel beleuchtet der Verfasser schließlich bisher ungeklärte Vorgänge wie Ulmenfall,
Buchen-Stagnation und rätselhaftes Wanderverhalten von Gehölzen im Licht seiner eigenen Theorie einer
verkürzten nacheiszeitlichen Waldgeschichte, und leitet daraus Argumente für die Richtigkeit dieser
seiner Hypothese ab. Im Anhang findet sich dann ein allgemeiner Teil zur Historie naturgeschichtlicher
Erklärungsmodelle und ein Glossar.
Das vorliegende Werk vermittelt anschaulich und verständlich Grundwissen zur Methodik der
Vegetationsgeschichtsforschung. Weiterhin handelt es sich um eine sehr breit angelegte Zusammenstellung und
Diskussion von verschiedenen waldhistorischen Daten und Erklärungsmodellen ohne originäre
wissenschaftliche Beiträge. Verständlicherweise wird dabei auf die Tiefe in der Auseinandersetzung
mit den Einzelthemen verzichtet, zumal der Verfasser bewusst eine deutliche Kontraposition zu hergebrachten
Auffassungen besetzen wollte.
Nach der Lektüre bleibt dem Leser der Eindruck zurück, dass die Chronologie der nacheiszeitlichen
Waldgeschichte doch noch für Überraschungen gut sein könnte. Das Buch ist geeignet, den an der
Waldgeschichte Interessierten neue Aspekte zu vermitteln, auch wenn man der Schlussfolgerung des Autors, das
Holozän gleich um mehrere Jahrtausende zu verkürzen, nicht sofort folgen möchte.«
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Die Evolutionsbiologie ist ein komplexes Wissenschaftsgebiet. Sie gewinnt ihre Erkenntnisse aus vielen Teilgebieten
der Bio- und Geowissenschaften von der Molekular- und Populationsgenetik über die Morphologie, Physiologie und
Embryologie bis hin zur Paläontologie und Biogeographie. Mit Bezug auf den von Neodarwinisten (und so auch in
Kutscheras Lehrbuch) viel zitierten Satz des frühen ›Synthetikers‹ Theodosius Dobzhansky: »Nichts
macht Sinn in der Biologie außer im Licht der Evolution« wird daraus gerne geschlossen, die Evolutionsbiologie
sei die ›Königsdisziplin‹ der Biologie. Tatsächlich wird hier wird behauptet, was es erst noch
zu beweisen gilt, denn bisher beschreibt die Evolutionsbiologie mehr als sie ›erhellt‹, d. h. es fehlt
ihr an überzeugenden Theorien, um all die empirischen Daten der biologischen Teilgebiete plausibel zu interpretieren.
Vor diesem Hintergrund hat sich der Pflanzenphysiologe Ulrich Kutschera mit seinem Versuch, eine allgemeine Einführung
in die Evolutionsbiologie zu schreiben, sehr viel vorgenommen. Kutschera räumt zwar bereits im Vorwort ein,
dass »einige Sachgebiete im Rahmen seiner recht kurzen Abhandlung« nicht näher diskutiert werden
konnten, beansprucht aber paradoxerweise gleichzeitig, »eine möglichst repräsentative Auswahl eindrucksvoller
Höhepunkte der aktuellen Forschung zu referieren«. Was motiviert einen Autor, sich einen solchen Herausforderung
zu stellen und wie glaubt er, diese Aufgabe bewältigen zu können?
Ein Blick in das ziemlich ›magere‹ Literaturverzeichnis zeigt, dass Kutschera sich bei der Darstellung der
evolutionsbiologischen Erkenntnisse weniger auf die Ergebnisse der aktuellen Forschungsliteratur als auf die
gängige Übersichtsliteratur und seine persönlichen Steckenpferde verlassen hat. Sein erläuternd
gemeinter aber irritierend wirkender Hinweis, dass »aufgrund des unermeßlichen Umfangs der Fachliteratur
auf eine Auflistung von Zeitschriftenaufsätzen verzichtet werden musste«, lässt erste Zweifel an dem
wissenschaftlichen Anspruch seines Projektes aufkommen. Bereits in den einleitenden Sätzen des Vorwortes wird
deutlich, was den Autor motiviert, ein evolutionsbiologisches Lehrbuch zu schreiben. Kutschera zitiert dort die auf Sigmund
Freud zurückgehende Behauptung, die Menschheit habe im Laufe ihrer Geschichte von der Wissenschaft drei empfindliche
Kränkungen hinnehmen müssen: »Eine kosmologische durch das heliozentrische Weltsystem des Kopernikus,
eine biologische durch Darwins Abstammungslehre und eine psychologische durch die Freudsche Hypothese von der relativen
Ohnmacht des freien Willens gegenüber unstillbaren, aus dem archaischen Unbewussten aufsteigenden Triebwünschen«.
Diese elende Geschichte haben wir schon tausendmal gehört und sie wird deswegen kein bisschen wahrer. Sie zählt zu
den unausrottbaren Selbstidealisierungen und Selbststilisierungen einer allzu selbstgerechten und selbstgefälligen
Wissenschaftszunft.
Zweifelsfrei haben die Erkenntnis, dass der Mensch weder im Zentrum des Sonnensystems steht, noch eine biologische
Besonderheit ist, zu gewaltigen Veränderungen im Selbstbild des Menschen geführt. Aber weniger
als »empfindliche Kränkungen«, sondern eher als Aufwertungen. Vor Kopernikus war die Erde
zwar das Zentrum der Welt aber als sublunare Sphäre auch der minderwertigste Teil der Himmelsphären.
Als sumpfiger Bodensatz und schlechtester Teil des Universums beherbergte die Erde womöglich unter der
Erdoberfläche sogar die Hölle. Und vor Darwin konnte sich die Menschen den Himmel nur als von
Gott regiert und sich selbst als von Gott geschaffen denken. Seit Jahrhunderten hatte der Klerus verkündet,
dass der Mensch ein der göttlichen Vorbestimmung ausgeliefertes Wesen ist. Demgegenüber ermöglichte
die darwinsche Abstammungslehre den Menschen, sich aus den göttlichen Fesseln zu befreien und sich und die
Welt individueller zu interpretieren. Dabei war die Vorstellung, nicht nach Gottes Ebenbild geschaffen zu sein,
sondern in die unmittelbare Verwandtschaft der Tiere in Stall und Zoo gerückt zu werden, vielleicht zunächst
ein wenig gewöhnungsbedürftig aber insgesamt wohl eher nebensächlich.
»Empfindlichst gekränkt« waren wohl vor allem der Klerus und der Adel. Und dies aus sehr
pragmatischen Gründen: Beide Stände beriefen sich zur Festigung ihrer Besitzstände und Macht
seit Altersher auf die göttliche Vorbestimmung und hatten durch eine Weltanschauung, die Menschen
ermutigte, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und gegen ihr Schicksal aufzubegehren, nichts zu gewinnen.
Die privilegierten Stände befürchteten, dass die alte Ordnung durch das neue darwinistische Weltbild
in Frage gestellt werden könnte. Diese Angst vor einem neuen Weltbild hat sich besonders trefflich in dem
bekannten Ausruf der Frau des Bischofs von Worcester überliefert: »Du meine Güte! Wir sollen
vom Affen abstammen? Wir wollen hoffen, daß das nicht stimmt. Aber wenn es wahr ist, dann wollen wir
beten, daß es nicht bekannt wird!« Leider wird diese amüsante Anekdote in der evolutionsbiologischen
Literatur häufig so zitiert, als spiegele sie ein gesamtgesellschaftliches Stimmungsbild wider. Tatsächlich
dokumentiert sie die Befürchtungen der privilegierten Stände vor der Verbreitung neuer Selbst- und
Weltinterpretationen und ihr pragmatisches Interesse an einer biblisch geprägten Weltanschauung.
Bei der Lektüre des Vorwortes mag der Leser noch verwundert sein, dass in Kutscheras Lehrbuch solche Fragen
weder gestellt noch diskutiert werden. Später wird er feststellen müssen, dass die trivialisierende
Verkürzung von komplexen Sachverhalten ein durchgängiges Charakteristikum des gesamten Lehrbuches ist.
Kutschera interessiert an den von Sigmund Freud angeführten Umbrüchen nur, dass mindestens zwei von
ihnen zwischenzeitlich den »Status einer erwiesenen Tatsache« erreicht haben, nämlich das
heliozentrische Weltbild des Kopernikus und Darwins Abstammungslehre. Er begrüßt, dass am heliozentrischen
Weltbild im Zeitalter der Raumfahrt und dank so großartiger Naturforscher wie Johannes Kepler, Galileo Galilei
oder Isaac Newton niemand mehr zweifeln würde. Um so mehr empört es ihn, dass bis heute massive Zweifel
am evolutionistischen Weltbild geäußert werden: In der aktuellen Tagespresse würde es schon mal
als »Denkmodell aus dem Dampfmaschinenzeitalter« verunglimpft und viele Menschenwürden sich
immer noch weigern, die gemeinsame Abstammung aller Lebewesen als »erwiesene Tatsache« anzuerkennen.
Für Kutschera liegen die Ursachen für den respektlosen Umgang mit der darwinistischen Wahrheit auf
der Hand: Zum einen fühlten sich auch »viele Nichtbiologen (...) dazu berufen, über die
Evolutionstheorie zu urteilen, während zu anderen großen Problemen der Biologie (...) der Laie
mangels Sachkompetenz schweigt«. Zum anderen gäbe es zwischenzeitlich auch in Deutschland eine
kleine Gruppe von »christlich-konservativ ausgerichteten Evolutionsgegnern«, die sich »fast
unbemerkt von der Öffentlichkeit« etabliert habe und nichts unversucht lässt, mit ihren
evolutionskritischen Schriften, die Akzeptierung des Darwinismus als naturgesetzliche Tatsache zu torpedieren.
Beiden Ursachen will Kutschera mit seinem Kurzlehrbuch den Garaus machen, in dem er den Lesern
in »prägnanter, anschaulicher Form« das zum Verständnis der Evolutionstheorie
erforderliche »umfassende chemisch-biologische Grundlagenwissen« vermitteln will. Für ihn hat
das Lehrbuch sein Ziel erreicht, wenn es Kritiker der Evolutionstheorie vom »Wahrheitsgehalt dieses
grandiosen Gedankengebäudes« überzeugen kann. Schon im Vorwort wird deutlich: Dies ist nicht
Und die ›frohe Botschaft‹, die Kutschera der Vorsitzende der AG Evolutionsbiologie im Verband
der deutschen Biologen und selbsternannte Hüter und Verbreiter der reinen evolutionsbiologischen Lehre
in seinem Kurzlehrbuch ›an alle‹, d. h. an Biologen und gebildete Nichtbiologen richtet, lautet:
Darwins Abstammungslehre und insbesondere ihre jüngste Neuformulierung in der sogenannten »erweiterten
synthetischen Evolutionstheorie« ist durch wissenschaftliche Erkenntnisse so abgesichert, dass zum
evolutionistischen Weltbild keine Alternativen mehr möglich sind. Menschen, die dies bezweifeln sind
entweder so inkompetent, dass sie den »Wahrheitsgehalt dieses grandiosen Gedankengebäudes« nicht
begreifen können oder wie die Kreationisten durch ihren Glauben an die biblische Offenbarung irregeleitet.
Kurz: Darwins Abstammungslehre ist heute eine naturgesetzliche Tatsache und so wahr, wie es früher nur
Gott war. Was Kutschera uns hier anträgt, charakterisiert ihn als ausgesprochen schlechten Wissenschaftler.
Einen guten Wissenschaftler zeichnet bekanntlich aus, dass sein Hauptinteresse nicht darin besteht, recht zu
behalten, sondern Unerwartetes zu entdecken und damit die Falsifizierung seiner bevorzugten und für
besonders abgesichert gehaltenen Theorien zu riskieren.
Kutschera formuliert sein evolutionsbiologisches Credo derart doktrinär und einfältig, dass mich
sein Lehrbuch spontan an den unsäglichen katholischen Katechismus meiner frühen Schulzeit in den
1960er Jahren erinnert hat. Die Parallelen betreffen nicht nur die apodiktisch verkündigte Botschaft,
sondern auch die simplifizierende Verkürzung und den spröden Stil von Text und Abbildungen. Manchmal
war ich regelrecht verwundert, dass keine führende, mahnende oder belehrende Hand von oben in die
Abbildungen hineinragte. Im Text nimmt diese ›Hand‹ durch den unangenehm häufigen, weil
vereinnahmenden Gebrauch des »wir« (wir wollen, wir wissen, wir werden usw.) Gestalt an. Kutschera
will damit wohl suggerieren, dass er über einen so tiefen Einblick in die komplexe evolutionsbiologische
Erkenntniswelt verfügt, dass der Leser ihm sorg- und gedankenlos vertrauen kann. Ich kann mir daher gut
vorstellen, dass mancher Leser weniger Darwins berühmtes Werk über die Entstehung der Arten als
Kutscheras katechetisches Kurzlehrbuch als intellektuelle ›Kränkung‹ empfinden wird.
Tatsächlich kann man Kutscheras Auflistung der verbindlich anzuerkennenden evolutionsbiologischen
Glaubensinhalte als Versuch betrachten, den Menschen wieder die persönliche Freiheit zu nehmen, die
ihnen einst Darwins Abstammungslehre verschafft hat.
Das von Kutschera verkündete evolutionsbiologische Credo ist in mehrfacher Hinsicht fragwürdig:
Erstens kann und soll uns die Wissenschaft nicht vorschreiben, mit welcher Weltanschauung wir glücklich
werden. Begriffe wie »wahr« oder »falsch« haben da nichts zu suchen. Wenn Kutschera
glaubt, dass die in der Tradition der darwinschen Abstammungslehre stehende »erweiterte synthetische
Evolutionstheorie« für sein Seelenheil und seine Selbstinterpretation bekömmlich ist, dann
soll dies so sein. Wenn andere aber die in der Tradition der biblischen Schöpfungslehre stehende
kreationistische Grundtypentheorie für die bessere und ihr Leben bekömmlichere Lösung halten,
dann soll dies auch so sein. Nur weil einige zentrale Annahmen der biblischen Schöpfungslehre sich einer
wissenschaftlichen Überprüfung stärker entziehen als die Annahmen der darwinschen Abstammungslehre,
folgt daraus noch lange nicht, dass die biblische Schöpfungslehre auch die schlechtere Weltanschauung ist.
Selbst ein ausgewiesener Naturwissenschaftler wird es vorziehen, mit einer weniger rationalen Weltanschauung
glücklich als mit einer rationaleren unglücklich zu werden.
Zweitens ist es und das ist die von Neodarwinisten am meisten verleugnete Bilanz moderner evolutionsbiologischer
Forschung um die zwingende Beweiskraft der »synthetischen Evolutionstheorie« trotz ihrer
vielen »Erweiterungen« ziemlich schlecht bestellt. Es gibt zwar eine Vielzahl von paläontologischen,
entwicklungsbiologischen, morphologischen oder molekulargenetischen Indizien, die auf eine gemeinsame Abstammung der
Lebewesen hinweisen. Diese Indizien sind aber, wie z. B. widersprüchliche morphologische Merkmalskombinationen
oder abweichende molekulargenetische Stammbäume häufig so vieldeutig, dass unterschiedlichste Abstammungsverläufe
denkbar sind und sogar eine Interpretation im Rahmen kreationistischer Grundtypen nicht völlig aus der Luft gegriffen
erscheint. Als orthodoxer Neodarwinist ist Kutschera gar nicht willens, solche Probleme angemessen wahrzunehmen und zu
diskutieren. Dies spiegelt sich in seiner naiv-erbaulichen Bewertung »klassischer Methoden der Beobachtung und
Beschreibung rezenter Organismen für Einblicke in Evolutionsvorgänge« wider: »Auch ohne Fossilreihen,
mikroskopische bzw. biochemische Studien und aufwendige Genomanalysen kann die Stammesgeschichte ausgewählter
Organismengruppen rekonstruiert und anhand von Modellen plausibel gemacht werden«.
Zu der bisher unzureichend interpretierten Vieldeutigkeit der phylogenetischen Indizien passt, dass die »erweiterte
synthetische Evolutionstheorie« bis heute keinen Mechanismus kennt, der die im paläontologischen Befund
dokumentierte rapide variierende Geschwindigkeit der Entwicklung der Baupläne von Lebewesen auch nur einigermaßen
plausibel erklären könnte. Es gibt keine überzeugende Theorie, die z. B. die Vervielfachung der Baupläne
zu Beginn des Kambriums, die Radiation der Säugetiere zu Beginn des Tertiär, die explosive Artbildung von
Buntbarschen gegen Ende des Quartär sowie die erstaunliche Stagnation der Baupläne der sogenannten lebenden
Fossilien erklären könnte? Was man findet sind bestenfalls umstrittene Hypothesen oder Spekulationen zur
Erklärung einzelner Teilphänomene. Doch damit nicht genug. Seit dem rasanten Zuwachs der Erkenntnisse über
die Komplexität der mikrobiologischen bzw. molekulargenetischen Organisation des Lebens wird immer deutlicher,
dass der neodarwinistische Mutations-/Selektionsmechanismus maximal dazu taugt, mikroevolutive Prozesse zu erklären,
wie wir sie etwa bei der Züchtung von Haustieren oder der Entwicklung von Rassen durch geographische Isolation
beobachten können. Für die Erklärung makroevolutiver Prozesse, also der Entwicklung neuer Baupläne
greift er demgegenüber viel zu kurz!
Wie gelingt es nun Kutschera, sich und dem Leser diesen Erklärungsnotstand zu verheimlichen? Zunächst
wiederholt er in alter darwinistischer Tradition die bis heute durch nichts belegte Behauptung, dass sowohl die
Mikro- als auch die Makroevolution auf den selben Mechanismus zurückführbar sind, d. h. dass Makroevolution
nichts anderes als Mikroevolution in der Zeit ist. Nachdem dies erst einmal ausgesprochen ist, hat er keine Skrupel
mehr, dem Leser all die jämmerlichen und längst entzauberten Beleg-Ikonen der darwinschen Evolutionslehre
von der adaptiven Radiation der Darwin-Finken über den Industrie-Melanismus bei Birkenspannern bis hin zur linearen
Entwicklung des Pferdefußes wieder aufzutischen. Dieser Unsinn gipfelt darin, dass er die Züchtung des
Kulturmais aus einer Wildform als »experimentellen Beleg« (!) für eine darwinistische
Makroevolution anführt: »Durch wiederholte Variation und Selektion kann relativ rasch ein neuer
Pflanzenbauplan entstehen. Die Makroevolution von Teosinte zum Kulturmais war somit ein Resultat weniger
Mikroevolutionsschritte. Ein zentrales Postulat der Synthetischen Theorie der Evolution konnte so durch experimentelle
Genomanalysen bestätigt werden«. Tatsächlich kann die Züchtung des Kulturmais, der zwar von seiner
wahrscheinlichen Wildform (Teosinte) morphologisch stark abweicht, aber mit seiner Wildform problemlos kreuzbar
ist, nicht einmal als Beispiel für die Entwicklung einer ›biologischen‹ Art herhalten.
Kutschera rundet die Anführung der neodarwinistischen Beleg-Ikonen dadurch ab, dass er wichtige Erkenntnisse
der modernen evolutionsbiologischen Forschung nur sehr verkürzt oder gar nicht darstellt. So erfährt der
Leser zwar, dass man aus dem Abgleich von DNA-Sequenz-Daten verschiedener Spezies Gen-Stammbäume erstellen kann.
Er erfährt allerdings nicht, dass diese Methode auf der Theorie der neutralen molekularen Evolution des Genetikers
Motoo Kimura basiert. Die neutrale Theorie besagt, dass die meisten Mutationen die Fitness eines Individuums nicht
beeinträchtigen also selektionsneutral sind. Kutschera erwähnt die neutrale Theorie nur kurz im Glossar u
nd begründet seinen Verzicht auf eine ausführlichere Darstellung damit, dass sie »kontrovers
diskutiert« wird. Kontrovers werden aber vor allem die von ihm angeführten, neodarwinistischen Beleg-Ikonen
diskutiert. Nach Auffassung vieler Forscher sind sie ziemlich nebensächliche Epi-Phänomene der Evolution.
Entscheidend für die Auslassung war daher wohl, dass sich die neutrale Theorie nur sehr schwer mit dem
Mutations- und Selektionskonzept der synthetischen Theorie vereinen lässt. Während für Neodarwinisten
das wichtigste Mittel der evolutiven Veränderung die Selektion ist, ist dies für Kimura die auf neutrale
Mutationen wirkende Zufallsdrift. Offensichtlich mag Kutschera seinen Lesern soviel Kontroverse nicht zu muten,
weil sie womöglich den ›grandiosen Wahrheitsgehalt‹ seines evolutionsbiologischen Credos
gefährden würde.
Doch damit nicht genug: Kutschera verschweigt dem Leser, dass auch ein zweiter Grundpfeiler der synthetischen
Theorie wackelt. Der besagt, dass alle Erbinformation vom Gen ausgeht, d. h. dass die Übertragung von
genetischer Information in Richtung Proteine eine Einbahnstraße ist. Das vererbliche »Rohmaterial für
die Evolution« kann nach dieser auf den Zoologen August Weismann zurückgehenden Auffassung nur von
spontanen, rein zufälligen Mutationen bereitgestellt werden. Originalton Kutschera: »Eine Vererbung
erworbener Eigenschaften (...) wurde bisher nie nachgewiesen«. Diese Behauptung ist ein Beleg für
seine neodarwinistisch verkürzte, selektive Wahrnehmung der einschlägigen Forschungsliteratur.
Tatsächlich gibt es schon seit Ende der 1980er Jahre experimentelle Anhaltspunkte dafür, dass
einzellige Organismen wie Bakterien oder Hefen ihre DNA in einer gerichteten, adaptiven Weise verändern
können. So verlassen sich mit Antibiotika behandelte Bakterien zur Erzielung von Resistenzen nicht
auf zufällige Mutationen, sondern spielen bei der mutativen Veränderung ihres Genoms eine aktive
Rolle, in dem sie DNA-schädigende Proteine synthetisieren. Solche »adaptiven Mutationen«
sind in der Mikrobiologie mittlerweile als existierendes Phänomen anerkannt. Auch bei höheren
Lebewesen mehren sich die Hinweise dafür, dass es in der Zelle eine Schnittstelle gibt, an der sich
Erbgut und Umwelteinflüsse wechselseitig verzahnen. Unter starken Verdacht stehen die Histone, die
man bisher für einen simplen Verpackungsstoff der DNA hielt.
Die vielleicht schwerwiegendste Auslassung des Lehrbuches besteht darin, dass Kutschera den Lesern
nicht über die schon in den 1980er Jahren entdeckten homeotischen Gene berichtet. Homeotische
Gene sind ›Masterkontrollgene‹, die Identität und Reihenfolge der Körpersegmente
in einer heranwachsenden Eizelle spezifizieren. Durch homeotische Mutationen können ganze Körperteile
in einen anderen verwandelt werden. Bei fast allen Lebewesen, seien es nun Insekten oder Säugetieren
erfolgt die Festlegung des Bauplans durch ähnliche homeotische Gene. Ihre Entdeckung hat daher einen
universalen genetischen Kontrollmechanismus der Morphogenese ans Licht gebracht. Dieser Mechanismus ist
so konservativ, dass z. B. bei Insekten und Säugetieren die für die Entwicklung des Auges
zuständigen homeotischen Gene austauschbar identisch sind. Darüber hinaus scheinen Mutationen
in homeotischen Genen für charakteristische stammesgeschichtliche Merkmalsunterschiede, wie
z. B. die Anzahl der Halswirbel bei Reptilien und Säugern verantwortlich zu sein. Auch für die
unterschiedlichen evolutiven Strategien der Gestaltbildung etwa bei Fischen und Säugern werden
zwischenzeitlich partielle Genomduplikationen und anschließende Genverluste in homeotischen
Gen-Clustern verantwortlich gemacht. Damit verfügt die moderne Evolutionsbiologie erstmals über
ein zukunftsträchtiges Forschungsfeld, welches dazu beitragen könnte, die klaffende Lücke
zwischen der Molekulargenetik und der Gestaltbildung zu schließen.
In den von einigen Rezensenten als »löblicher« Höhepunkt des Lehrbuches gefeierten
Schlusskapiteln setzt sich Kutschera mit der kreationistischen Evolutionskritik auseinander. Spätestens
hier erreicht das Buch seinen intellektuellen Tiefststand. Kutschera bemängelt, dass die Kreationisten
mit ihrer »irrationalen Kritik« an der synthetischen Theorie der Evolution diesen »intellektuellen
Prachtbau der Naturwissenschaften« auf »unakzeptable Art und Weise mit Schmutz beworfen«
haben. Sich selbst an die Spitze der ›Säuberungsbewegung‹ setzend, kündigt er an, dass
er in seinem Lehrbuch »die Argumente der deutschen Kreationisten und Evolutionskritiker zitiert und durch
ausführliche Gegendarstellungen entkräftet«. In der Praxis sieht das dann so aus, dass er nur
einen einzigen Satz aus dem Vorwort des 600 Seiten umfassenden Mammutwerk »Artbegriff, Evolution und
Schöpfung« des renommierten Genetikers und Evolutionskritikers Wolf-Ekkehard Lönnig
zitiert. Dies hält er für ausreichend, um dieses voluminöse und den geistigen Nährwert
seines eigenen ›Lehrbuches‹ um ein Vielfaches übersteigende Werk als unwissenschaftlich zu
disqualifizieren. Man kann daher nur hoffen, dass Kutscheras Lehrbuch möglichst wenigen Biologen und
Nichtbiologen in die Hände fällt, weil sie zurecht geneigt sein könnten, die viel pfiffiger,
fundierter und fortschrittlicher argumentierenden Kreationisten für die eigentliche evolutionsbiologische
Forschungsfront zu halten.
In seinem Epilog »Naturwissenschaft und Glaube« liefert uns Kutschera zu allem Überfluss
dann auch noch eine ökologische Bibelkritik und so etwas wie eine universelle evolutionäre Ethik.
Anklagend bilanziert er, dass die christliche Glaubenslehre mit ihrer Auffassung von der biologischen Sonderrolle
des Menschen für die »seit 1950 zu beobachtende Massenvermehrung des Spezies Mensch« verantwortlich
ist. Die Bevölkerungsexplosion habe »drastische Folgen für das gesamte Leben auf der
Erde (Hunger, Artensterben etc.)«. Demgegenüber laute der aus der Evolutionsbiologie ableitbare moralische
Grundsatz, »alle Spezies sind gleichwertig«. Auch diesen Unsinn haben wir schon oft gehört, weniger
von Evolutionsbiologen als von Grün-Alternativen. Man kann es nicht oft genug wiederholen, zu Wertsetzungen und
Bewertungen ist nur der Mensch in der Lage. Das ›gutgemeinte‹ Streben nach einer universellen biozentrischen
Ethik, bei der alle Spezies die gleichen Rechte (und Pflichten), wie der Mensch haben, endet im Chaos oder um es biblisch
auszudrücken, in ›Tod und Verderbnis‹: Dann sitzt etwa der verwundete Baum, den Kutschera fahrlässig
mit seinem Auto angefahren hat, als Nebenkläger auf der Gerichtsbank und fordert zusätzlich zum Bußgeld,
eine Verurteilung Kutscheras zur Zwangsarbeit in einer Baumschule. Dann wird das letzte tiefgefrorene Pockenvirus, nach
dem es von der universalen evolutionsbiologischen Ethik erfahren hat, einen Asylantrag für den Aufenthalt in
Kutscheras Körper stellen und eine Verfassungsklage für die ungehinderte Verbreitung seiner Erbinformation einreichen.
Und der neue Alphalöwe, der gerade die Jungen seines Vorgängers umgebracht hat, wird wegen mehrfachen Mordes aus
triebgesteuerten Motiven und einer negativen Verhaltensprognose zu einer lebenslangen Sicherheitsverwahrung in der von Kutschera
neueingerichteten forensischen Abteilung eines Zoos verurteilt.
Lieber Herr Kutschera, viel Spaß in Ihrer schönen neuen evolutionsbiologisch ›erhellten‹ Welt wünscht
Ihnen Ihr Georg Menting!
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Thomas Gold (2000)
Biosphäre der heißen Tiefe,
edition steinherz, Wiesbaden, 256 S.
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Auf Existenz einer »Biosphäre der heißen Tiefe« bin ich erstmals durch den Spiegel-Artikel »Verlorene Welten« (43/1995)
aufmerksam geworden. In dem Beitrag wurde berichtet, dass sich mindestens 10 % der irdischen Biomasse
in Tiefenschichten der Erde und zwar unter ausgesprochen lebensfeindlichen Bedingungen in Öl- und Methangasvorkommen
sowie in Ozeansedimenten befindet. Allein in den letzten Jahren haben Mikrobiologen schon zwischen 10.0000 und 15.000
neue Arten im »Keller der Erde« entdeckt - und ein Ende ist nicht abzusehen. Zwischenzeitlich schätzt man, dass die
gesamte Menge der unterirdischen Lebensformen, die oberirdische locker erreicht und vielleicht sogar übertrifft.
Von einem Thomas Gold und seinen faszinierenden Theorien war in diesem Artikel allerdings nicht die Rede und so
habe ich den Artikel auch nur aufbewahrt, weil er mir als Argumentationshilfe bei Auseinandersetzungen mit Naturschützern nützlich erschien.
Die »verlorenen Wel¬ten« waren ein kurioser Beleg dafür, dass der Naturschutz keineswegs dem gesamten irdischen Leben
seine Aufmerksamkeit schenkt, sondern einen spektakulären Anteil des Lebens bisher nicht wahrgenommen, geschweige
denn seine Zuneigung geschenkt hat.
Dass den »verlorenen Welten« tief unter der Erdoberfläche eine weitreichendere Bedeutung zukommt, wurde mir erst
bewusst, als ich auf das Buch »Biosphäre der heißen Tiefe« von Thomas Gold (1920-2004) aufmerksam wurde. Schon nach der ersten flüchtigen
Lektüre des Buches war mir klar, dass es sich bei den Lebewesen der Tiefe um bedeutend mehr als eine kuriose
Randerscheinung des uns vertrauten irdischen Oberflächenlebens handelt. Und so formuliert Thomas Gold schon in
seinem knappen Vorwort den Wunsch, der Leser möge begreifen, dass es genau umgekehrt ist: Wir an der Erdoberfläche
sind es, die unter extremen Umweltbedingungen leben, während das Leben tief unter unseren Füßen nicht nur das
ursprünglichere ist, sondern in gewisser Hinsicht sogar über die komfortableren Umweltbedingungen verfügt, da
es u. a. nicht so schutzlos dem Beschuss durch kosmische Boliden ausgeliefert ist. Nach Golds Vermutung könnten
wenigstens zehn Planeten und Monde unterirdisches Leben beherbergen, und Leben
im Untergrund ist vielleicht nichts Ungewöhnliches im Universum. Und auf diese unterirdische Biosphäre, die
bisher keineswegs nur vom Naturschutz, sondern auch von den Schulwissenschaften wenig beachtet wurde, möchte
Thomas Gold seine Leser neugierig machen.
Gold gelingt es in seinem Buch mit nur wenigen zusätzlichen hypothetischen Grundannahmen, die Existenz von
umfangreichen Leben in der Tiefen der Erdkruste zu erklären. Darüber hinaus kann er auch für viele andere,
von der erdgeschichtlichen Forschung bisher nur wenig befriedigend gelöste Probleme überraschend plausible
Lösungen anbieten – und zwar von der Entstehung von Gas-, Öl-, Kohle- oder Erzvorkommen über die Ursache von
Erdbeben bis hin zur Entwicklung des Lebens auf unserem oder gar anderen Planeten. Golds zentrale von der
Schulwissenschaft abweichende Grundannahme lautet: Kohlenwasserstoffe gehören zum Urmaterial der Erde, d. h.
sie waren bereits ein Bestandteil des Staubes, aus dem sich vor Urzeiten die Erde gebildet hat. Kohlenwasserstoffe
sollen daher nach Gold in großen Massen im porösen Gestein des Erdmantels vorkommen und bei den dort herrschenden
hohen Drücken und hohen Temperaturen stabile Moleküle bilden. Aus den Tiefen der Erdkruste strömen diese
Kohlenwasserstoffe dem abnehmenden Dichtegradienten folgend über Gesteinsporen in Richtung
Erdoberfläche. Sie sind damit die direkte Quelle für Gas- oder Ölfelder und indirekt über Aufquell- und
Auswaschungsvorgänge auch wesentlich an der Entstehung von Kohlevorkommen oder Erzlagern beteiligt. Aufsteigende
Gase sind nach Gold auch die Hauptursache für Erdbeben.
Gold befindet sich mit seiner Hypothese vom abiogenetischen Ursprung der sogenannten ›fossilen‹ Brennstoffe im
krassen Widerspruch zur schulwissenschaftlichen Forschung, die von einem biogenetischen Ursprung dieser
Energieträger ausgeht. So wird z. B. der abiogenetischen Theorie für die Entstehung von Erdöl üblicherweise
entgegengehalten, dass dieser Energieträger nachweislich auch Moleküle und Zellbestandteile organischer
Herkunft enthält. Dies wird von Gold nicht bestritten, sondern nur anders gedeutet. Nach seiner Auffassung stammen die
biologischen Spuren im Erdöl nämlich von Mikroben, die ihren Lebensraum in den oberen Schichten der Erdkruste im Strom
der aufsteigenden Kohlenwasserstoffe haben. Diese druckresistenten thermophilen oder hyperthermophilen Mikroben können
vermutlich Temperaturen von bis zu 150 Grad aushalten. Man kennt sie aus heißen Quellen oder aus dem Umfeld von
Tiefseevulkanen (›Black- and White Smoker‹). Die heißen Tiefseevulkane sind jedoch nicht der ursprüngliche Lebensbereich
der Biosphäre der heißen Tiefe. Der eigentliche Lebensbereich sind die Poren und Spalten in der oberen Erdkruste bis
zu einer Tiefe von vielleicht maximal 10 km. Noch tiefer wird es auch für hyperthermophile Bakterien zu heiß.
Die Energiequelle für das Leben in der heißen Tiefe sind Kohlenwasserstoffverbindungen wie Methan oder Äthan.
Diese organischen Molekülverbindungen werden von den Mikroben oxidiert, wobei Energie freigesetzt wird. Der
für die Oxidation notwendige Sauerstoff kann dabei – wenn kein freier Sauerstoff in den Gesteinsporen vorhanden
ist – auch aus hochoxidierten Eisen- und Schwefelverbindungen gewonnen werden. Die Oxidation von Kohlenwasserstoffen
ist im Unterschied zur Photosynthese, für die das Sonnenlicht als Energiequelle notwendig ist, eine sehr
primitive Form, um Energie für Lebensvorgänge verfügbar zu machen. Hierauf baut eine der interessantesten Thesen von Gold auf:
Die These besagt, dass die Erdoberfläche für die Primärprozesse, die für Entstehung des Lebens erforderlich sind,
kein optimaler Standort war. Mit anderen Worten: Die warmtemperierte ›Ursuppe‹ oder Uratmosphäre (oder gar Darwins
Idee von einem warmen Tümpel!) ist nicht das geeignete chemische Milieu, um die Entstehung komplexer Moleküle aus
einfachen Molekülen zu ermöglichen. Auch die Photosynthese, d. h. die Umwandlung von Lichtenergie in chemische
Energie ist so komplex und kompliziert, dass sie unmöglich als Ausgangspunkt für die Entstehung
von Leben gedient haben kann. Demgegenüber herrscht in den Tiefen der Erdkruste bei hohen Temperaturen und
Drücken sowie gleichmäßigem Zustrom von Kohlenwasserstoffen ein chemisches Milieu, das viel eher in der Lage
ist zur Eigenkatalyse fähige, d. h. komplexe sich selbst kopierende Moleküle und darauf aufbauend einfachste
Lebensformen zu erzeugen. Golds These kann sich auf neuere wissenschaftliche Forschungsergebnisse stützen.
Zum Beispiel hat sich zwischenzeitlich bestätigt, dass hyperthermophile Lebensformen (Archaebakterien), diejenigen
sind, deren Wurzeln am weitesten zurückreichen also die ältesten sind.
Auf seiner Theorie von der Entstehung des Lebens aufbauend, entwickelt Gold auch noch eine alternative
Evolutionstheorie. Er vertritt die Auffassung, dass die neodarwinistischen Zufallsmutationen schon aus
Gründen der Wahrscheinlichkeit allenfalls bei Mikroben mit hohen Fortpflanzungsraten und gewaltigen
Individuenzahlen günstige Veränderungen bewirken können. Demgegenüber treten bei größeren Lebewesen positive
Veränderungen viel zu langsam auf. In Überstimmung mit einigen anderen Evolutionsforschern (wie z. B. Lynn Margulis) vertritt
Gold daher die Auffassung, dass alle wesentlichen Neuerungen bezüglich des Stoffwechsels von Lebenswesen
nur im Lebensbereich der Mikroben erzielt worden sein können. Komplexere und höherentwickelte Lebensformen
sind nach dieser Theorie dadurch entstanden, dass Mikroben mit unterschiedlichen Eigenschaften eine Symbiose
eingegangen sind (Endosymbiontentheorie). Der Motor dieses evolutiven Prozesses ist nach Gold die Biosphäre
der heißen Tiefe, weil hier der ursprünglichste und umfangreichste Lebensbereich für Mikroben existiert. Und daher
ist nach Gold auch nicht ausgeschlossen, dass von dort noch weitere Neuerungen zu uns unterwegs sind. Hier
begibt sich Gold auf das weite Feld der Spekulationen. Allerdings zähle ich seine Spekulationen zu den
naturwissenschaftlich interessantesten und fundiertesten, die ich in den letzten Jahren zum Thema Evolution gelesen habe.
Natürlich werfen seine Antworten auch neue Fragen auf, die mir aber allesamt fruchtbarer erscheinen als die
winzigen Problemstellungen, mit denen sich das große Heer scholastischer Naturgeschichtler und Evolutionsbiologen
in mühsamer Kleinstarbeit ohne jeglichen philosophischen Weitblick und wesentlichen Fortschritt herumschlägt.
Golds nur knapp 250 Seiten umfassendes Buch hat mich in der Originalität und Eleganz seiner Fragestellungen und
Lösungsstrategien an Immanuel Velikovskys »Welten im Zusammenstoß« erinnert. Gold besitzt wie Velikovsky die Fähigkeit
scheinbar unvereinbare Aspekte eines Problems zu assoziieren und seine Auffassungen so darzustellen, dass jeder
seine Theorien auch ohne große naturwissenschaftliche Vorbildung verstehen kann. Dies irritiert manchmal, denn von
den Forschungsergebnissen der scholastischen Wissenschaftler sind wir gewohnt, dass deren Lösungen wissenschaftlicher
Probleme meistens sehr kompliziert, unverständlich und eben selten wie bei Velikovsky oder Gold von einer
allgemeinverständlichen Plausibilität sind.
Doch es gibt auch Unterschiede zwischen den beiden großen Außenseitern: So schreibt Gold zwar auch fesselnd aber
eben doch nüchterner und weniger wortgewaltig als Velikovsky. Dies liegt wohl daran, dass Gold im Unterschied zum
Psychiater Velikovsky habilitierter Astronom mit ausgeprägt ingenieurmäßigen Interessen ist, z. B. hat er den Bau
des noch größten Radio-Observatorium der Welt in Arecibo verantwortlich geleitet. Darüber hinaus hat sich Gold
zunächst in der wissenschaftlichen Gemeinde (und auch der Energieindustrie) einen Namen gemacht. Ende der 1940er Jahre
nahm er an einem britischen Programm zur Erforschung und Anwendung der Radartechnik teil. Dadurch erhielt er ein tieferes
Verständnis über die kosmophysikalischen Zusammenhänge. 1956 erhielt er einen Ruf an die Harvard University. Den
Schulwissenschaftlern wird es daher erheblich schwerer fallen, seine bahnbrechenden Thesen wie im Falle des
Chronologiekritikers Velikovsky zu ignorieren, tabuisieren oder lächerlich zu machen.
Zeitlebens galt der extrovertierte Gold als »Ideenmaschine«, der es liebte konventionelle Auffassungen in
Frage zu stellen und in völlig neuer Weise zu betrachten. Gleichwohl war für ihn die Überwindung bisheriger
Lehrmeinungen kein Selbstzweck, sondern nur eine selbstverständliche Einstellung für den
Erkenntnisfortschritt: »Es ist wie bei der Religion« meinte er, »Häresie wird als etwas Schlechtes angesehen,
dabei sollte sie gerade das Gegenteil sein«. Z. B. postulierte 1968, dass die neu entdeckten Pulsare rotierende
Neutronensterne sind. Eine Fachkonferenz lehnte den entsprechenden Vortrag als so absurd ab, dass man ihn nicht
einmal diskutierte: »Shortly after the discovery of pulsars I wished to present an interpretation of what pulsars
were, at this first pulsar conference: namely that they were rotating neutron stars. The chief
organiser of this conference said to me, ›Tommy, if i allow for that crazy interpretation, there is
no limit to what I would have to allow‹. I was not allowed five minutes floor time, although I in fact spoke
from the floor. A few months later, this same organiser started a paper with the sentence, ›It is now
gennerally considered that pulsares are rotating neutron stars‹.«
Link zu:Wikipedia - Thomas Gold
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Links
»Berliner Geschichtssalon«, veranstaltet von Christian Blöss und Hans-Ulrich Niemitz
http://www.berliner-geschichtssalon.de
Aus der Selbstdarstellung: »Der Berliner Geschichtssalon öffnet seit dem 3. September 1994 viermal im Jahr seine Tore, um
seinem Publikum brandneue und ebenso umstrittene wie vorwärtsweisende Thesen zur Menschheits- und Naturgeschichte vorzustellen.
Der Ort des Geschehens ist die Galerie Bellevue in Berlin. Vom ›Erfundenen Mittelalter‹ bis zur Evolution des Sonnensystems,
von der Entstehung des Islam bis hin zum Mikrokosmos der Biophotonen wurde hier schon alles vorgestellt und diskutiert. Es
gibt nichts, was nicht beleuchtet werden könnte - vorausgesetzt, es ist spannend und wirft ein Licht auf unsere Vergangenheit
und damit auch in die Zukunft«. Die Veranstaltungen finden jeweils an einem Montagabend statt. Für Interessenten, die von
weither anreisen müssen, ist dies kein günstig gewählter Termin. Von solcherlei Unbilden Betroffenen bleibt nur der Besuch
der Internetseite des Geschichtssalons.
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Links zu anderen Seiten werden manchmal zu Zerreissproben.
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»Der Chiemgau-Impakt«, vom Chiemgau Impact Research Team (CIRT)
http://www.chiemgau-impakt.de/index.html
Worum geht es auf dieser spannenden Internetseite? Seit dem Jahr 2000 stieß eine Gruppe von Heimatforschern im Raum
zwischen Altötting und Traunstein nahe dem Chiemsee immer wieder auf eigenartige metallische Stücke im Untergrund,
die sich als die extrem seltenen bzw. auf der Erde in natürlicher Form nicht vorkommenden Eisensilizid-Minerale
erwiesen. Die Gruppe der Entdecker um Werner Mayer, die einen offiziellen Auftrag und eine entsprechende Genehmigung
zur Suche nach archäologisch bedeutenden Objekten in der Region besaß, stellte fest, dass das ungewöhnliche Material
regelmäßig in der Nähe von auffälligen Kraterstrukturen und an Stellen gefunden wurde, für die ein menschlicher Eintrag
nicht in Frage kam. Die Krater hatten meist einen ausgeprägten Ringwall.
Die Verbreitung der eigenartigen Funde und flächig korrespondierende (chemische) Auffälligkeiten eines
Bienenhonig-Monitoring erregte auch bei einigen Universitäts-wissenschaftlern Interesse. In der Folge – kam es
nach den üblichen wissenschafts-betriebstypischen Querelen – zu einem Zusammenschluss der Gruppe der Heimatforscher
um Werner Mayer mit folgenden Wissenschaftlern zum Chiemgau Impact Research Team (CIRT): Dr. Michael Rappenglück,
Astronom und Archäoastronom, Institut für Interdisziplinäre Forschung Gilching, Prof. Dr. Kord Ernstson, Geologe,
Geophysiker und Impaktforscher von der Universität Würzburg, Dr. Uli Schüßler, Mineraloge und Petrologe, ebenfalls
von der Universität Würzburg und der Historikerin Barbara Rappenglück. Im Verlauf der systematischen Erforschung der
Geländebefunde nahm die Idee des Einschlages eines extraterrestrischen Körpers in historischer Zeit immer mehr Gestalt
an. Im Oktober 2004 veröffentlichte die amerikanische Zeitschrift ASTRONOMY online einen Artikel über den »Chiemgau-Kometen«.
Dieser und ein weiterer ausführlicher Artikel des CIRT wurde auch über das wissenschaftliche Internetforum
CCNet (Cambridge Conference, Dr. Benny Peiser) verbreitet. Innerhalb kürzester Zeit setzte ein enormes Medieninteresse
ein und der Chiemgau-Impakt wurde als »Big Bang of Bavaria« weltweit bekannt. (Der erwähnte Dr. Benny Peiser ist übrigens
ein alter »Zeitensprüngler«, der sich vermutlich aus Karrieregründen frühzeitig von seinen alten Mitstreitern abgewendet hat.)
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind durch die Gruppe der Heimatforscher um W. Mayer annähernd 100 Krater meteorischen
Ursprungs identifiziert, vermessen und katalogisiert worden. Die Durchmesser der dokumentierten Krater bewegen sich
zwischen 3 m und einigen 100 m. Die Krater-Streuellipse überdeckt mit eine Länge von ca. 58 km und einer Breite von 27 km
eine Fläche von 1.200 qkm. Der größter bisher gefundene Einschlags-Krater ist der Tüttensee mit einem Durchmesser von über
400 m. Einige größere Krater befinden sich vermutlich auch im Chiemsee. Die Chiemgau-Streuellipse gehört damit zu den
größten Kraterstreufeldern der Welt.
Aufgrund verschiedener Indizien vermutet das Research Team, dass ein im Durchmesser ca. 1.000 m großer Komet mit
ca. 12 km/s im flachen Winkel die Erdatmosphäre eingedrungen und in einer gigantischen Methaneis-Explosion auseinandergebrochen
bzw. verdampft ist. Nur kleinere ›überlebende‹ Brocken im Dekameter haben den Erdboden erreicht und die Einschlagskrater in
der Streuellipse erzeugt. Wie verheerend sich das um etwa 350 vor der Zeitenwende angesiedelte Ereignis auf die Bevölkerung
ausgewirkt hat, kann nur abgeschätzt werden. Eine völlige Verödung des betroffenen Gebiets für längere Zeit ist wahrscheinlich
und für die betroffene Bevölkerung (Kelten) muss der Impakt wie der Einsturz des Himmels gewirkt haben.
Die oft kolportierte Äußerung der Kelten, dass sie ›nichts fürchteten, es sei denn dass der Himmel ihnen auf den
Kopf fiele‹, wird bisher in erster Linie als Anekdote zur Illustration ihrer Furchtlosigkeit gedeutet. Alternativ
kann sie jetzt als Furcht vor der Wiederkehr eines angsteinflößenden realhistorischen Ereignis gedeutet werden. Auch
die legendäre Härte der keltischen Schwerter erscheint jetzt in einem neuen Licht gesehen, weil sie mit den seltenen
extraterrestrischen Eisenverbindungen des Impaktors in Zusammenhang gebracht werden kann. Und möglicherweise können auch
Berichte antike Autoren über auffällige Leuchterscheinungen ›jenseits‹ der Alpen als Hinweise auf den Chiemgau-Impakt
gedeutet werden.
Die Geschichte der Entdeckung des Chiemgau-Impaktes ist auch ein eindrückliches Beispiel dafür, dass konservativen
Schulwissenschaftlern immer wieder von Amateuren (diesmal engagierten Heimatforschern) auf die Sprünge geholfen werden
muss, damit es zu nennenswerten Erkenntnisfortschritten kommt. Trotz der Vielzahl der Indizien, die für einen Impakt
sprechen, vertreten noch heute akademisierte Mitarbeiter des Bayrischen geologischen Landesamtes die Auffassung,
dass es sich bei den Impaktkratern um postglaziale Toteislöcher handelt. Sie versuchen also mit aller Kraft an dem
überkommenen Paradigma festzuhalten, dass morphologische Strukturen nur aus der regionalen Geologie heraus erklärt
werden dürfen. Zur ignoranten Weigerung großer Teile der Geologenschaft, Impaktstrukturen anzuerkennen, siehe auch
den Diskussionsbeitrag von Prof. Dr. Kord Ernstson in der Rubrik »Forumbeiträge«.
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»Chronologie-Rekonstruktion«, von Andreas Otte
http://www.chrono-rekonstruktion.de/
Aus der Selbstdarstellung: »Wieso Chronologie-Rekonstruktion? Was gibt es da zu rekonstruieren? Ist da etwas
zu kritisieren, zu reparieren, zu korrigieren an unserer Chronologie? Es gibt tatsächlich Menschen, die sich
mit solchen Fragen beschäftigen und die diese Fragen mit einem entschiedenen "Ja!" beantworten.
Indizien für Fehler in unserer Chronologie gibt es genug. Und wir reden hier nicht über Kleinkram.
Es geht nicht um einige wenige Jahre, es geht in der Summe um Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende«. Die
Internetseite dient auch der Verbreitung der Inhalte des chronologiekritischen Zeitensprünge-Bulletins
(vgl. Link zum »Mantis Verlag«). Auf der Seite
http://www.chrono-rekonstruktion.de/links.html findet sich
eine Übersicht zu interessanten Links zur Chronologiekritik und Geschichtsrekonstruktion.
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»Cronologo«, von Uwe u. Ilya U. Topper
http://www.cronologo.net
Die Website »Cronologo« ist eine Initiative des deutschen Schriftstellers, (Lebens-)Künstlers, Altertumsforschers u.
Chronologiekritikers Uwe Topper und (seines Sohnes) des spanischen Journalisten Ilya U. Topper, die einer neuen
Sicht unserer Geschichte zum Durchbruch verhelfen will:
»Cronologo gibt einen Überblick über die Arbeit mehrerer Forscher aus verschiedenen Bereichen der
Wissenschaft, die die hergebrachten Daten unserer Geschichte, und vor allem die Chronologie, neu
und kritisch analysieren.
Die bisher durchgeführten Debatten haben uns zu der Überzeugung geführt, daß die Chronologie unserer
Geschichte, so wie wir sie in der Schule lernen, falsch ist und völlig neu überprüft werden muß.
Das geschichtliche Gerüst, an dem wir die Abfolge unserer Kulturen orientieren - Griechen, Römer,
Christentum, Mittelalter... - beruht auf einer Übereinkunft, die im 14. und 15. Jahrhundert ausgearbeitet wurde.
Sie hat wenig mit wirklichen Daten zu tun, sondern diente vor allem den Interessen bestimmter Mächte; diese
wollten eine Geschichte nach Maß schaffen, die ihren Zwecken dienlich war«.
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»AG Evolutionsbiologie«, von Ulrich Kutschera (Vorsitzender)
http://www.evolutionsbiologen.de/
Offizielle Seite des Arbeitskreises Evolutionsbiologie des Verbandes deutscher Biologen (vdbiol). Der
Arbeitskreis hat sich zum Ziel gesetzt, dass die moderne Evolutionsbiologie in der Forschung und Lehre
wieder die zentrale Stellung einnimmt, die ihr zusteht. Ferner soll dem zunehmenden »evolutionären
Analphabetismus« in der Bevölkerung entgegen gearbeitet werden. Kurz: Der Besucher dieser
Seite erfährt alles, was er schon in der Schule gelernt hat oder gelernt haben sollte, nämlich
dass die darwinistische Evolutionslehre die Frage nach der Entstehung der Artenvielfalt und des Lebens
abschließend gelöst hat und diese ewige Wahrheit allenfalls noch durch wenige, weltanschaulich
verbohrte, allerdings gut organisierte (und teilweise sogar verdeckt arbeitende) Kreationisten in Frage
gestellt wird. Wer mehr wissen will (der Arbeitskreis neigt dazu, kritische Passagen in der
Auseinandersetzung mit Andersgläubigen zu unterschlagen), sollte parallel die
Internetseiten »Internet Library«, »Intelligent Designer« oder »Studiengemeinschaft
Wort und Wissen« (vgl. die entsprechenden Links) besuchen.
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»Information zur Altbau und Denkmalpflege« von Konrad Fischer
http://www.konrad-fischer-info.de/
Vielschichtige Internetseite des Architekten Konrad Fischer, auf der sachkundige klientenorientierte
Information zur Altbau- und Denkmalpflege sowie frech-forsche Kritik am Klima-, Öko- und Energieschwindel
eine faszinierende Verbindung eingehen. Prädikat: Unbedingt lesenswert.
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»Intelligent Designer«, von Frieder Meis
http://www.intelligentdesigner.de/
Aus der Selbstdarstellung: »Der Kreationismus kränkelt an den gleichen Schwächen wie
die Evolutionstheorie: Behauptungen oder Vermutungen ersetzen den experimentellen Beweis. Die
Intelligent-Design-Theorie ist den beiden zuvor erwähnten weltanschaulichen Auffassungen
vorgeschaltet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Design-Signale, die ausschließlich auf eine
intelligente Ursache zurückzuführen sind, als solche zu erkennen«.
Die Intelligent-Design-Theorie geht davon aus, dass es in Lebewesen »irrreduzible Komplexitäten«
gibt, die nur durch einen »intelligenten Designer« erklärt werden können und deshalb auch am
besten nur als Design-Signale (»Nachrichten eines Designers«) verstanden werden sollten. Von vielen
Autoren wird die Intelligent Design-Theorie in Abgrenzung zur üblichen Schöpfungslehre auch als
Neo-Kreationismus bezeichnet, weil sich Inhalte und Argumentation beider Denkrichtungen gleichen. Diese
Internetseite interessiert hier vor allem in ihrer Funktion als kritischer Gegenpart zu diversen Inhalten der
Internetseite der AG Evolutionsbiologie (vgl. den entsprechenden Link).
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»Internet Libray«, von Wolf-Ekkehard Lönnig
http://www.weloennig.de/internetlibrary.html
Umfangreiche evolutionskritische Internetseite des am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPIZ) in Köln
arbeitenden renommierten Genetikers Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig. Inspiriert durch seine wissenschaftliche Arbeit und seinen
Schöpfungsglauben ist er der wohl bedeutendste deutsche Kritiker der »Synthetischen Evolutionstheorie«.
Diese Theorie wurde in den 1930er Jahren von den sogenannten Neodarwinisten entwickelt, um neue, den darwinschen
Evolutionsvorstellungen z. T. massiv widersprechende Erkenntnisse der Mutations- und Vererbungsforschung sowie der
Populationsgenetik mit dem darwinschen Variations- und Selektionsmechanismus zu versöhnen.
Lönnig, der seit über 25 Jahren am MPIZ arbeitet, ist Autor oder Koautor ein Vielzahl von fachwissenschaftlichen
Beiträgen zur Mutations- und Transposongenetik. Darüber hinaus publiziert er auch in seinem Eigenverlag bzw. in
seiner »Internet Library«. Seine wohl bedeutendste Monographie ist das 600 Seiten umfassende
Mammutwerk »Artbegriff, Evolution und Schöpfung«. In dieser Arbeit entlarvt er die ignorante Gewissheit
der Neodarwinisten, dass mit der »Synthetischen Evolutionstheorie« nicht nur mikro-, sondern auch makroevolutive
Veränderungen, d. h. die evolutive Entstehung völlig neuer Baupläne und Strukturen erklärt
werden können, als wissenschaftliche Scharlatanerie.
Die offiziellen Vertreter des Neodarwinismus scheuen bis heute eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Lönnigs
naturwissenschaftlichen Einwänden gegen die »Synthetische Evolutionstheorie«. Durch seine Doppelfunktion
als Genetiker an einem renommierten Forschungsinstitut und unermüdlicher Kritiker von Schwachstellen der »Synthetischen
Evolutionstheorie« hat er sich zum Hauptfeind der deutschen Neodarwinisten gemacht. An die Spitze der
Anti-Lönnig-Bewegung hat sich Ulrich Kutschera, der Vorsitzende der AG Evolutionsbiologie im Verband der deutschen
Biologen, gesetzt. Unter seiner missionarischen Führung lässt die Arbeitsgemeinschaft bis hin zur Diffamierung
nichts unversucht, ihn mundtot zu machen oder als Wissenschaftler zu disqualifizieren (vgl. den Link zur »AG Evolutionsbiologie«).
Wie alle Schöpfungsgeschichtler (und Wissenschaftler, die eine bestimmte Theorie zu ewigen Wahrheit erklären) ist allerdings
auch Lönnig mehr an Bewahrung und Bekehrung als an umfassender kritischer Wahrheitsfindung interessiert. So besteht für ihn
kein Zweifel daran, dass mit rein naturwissenschaftlicher Erkenntnis der darwinschen Evolutionsmechanismus ad absurdum geführt
werden kann. Völlig undenkbar ist für ihn aber, dass mit den gleichen Erkenntnissen auch die wesentlichen Inhalte der
biblischen Schöpfungsgeschichte obsolet werden könnten. Diese sind für ihn nämlich aufgrund
ihres »Offenbarungscharakters« sakrosankt. Darin unterscheidet er sich allerdings nicht allzu sehr von den
Neodarwinisten, für die wesentliche Inhalte von Darwins berühmtesten Werk ebenso unantastbar sind.
Forschungspsychologisch hängt dies wohl damit zusammen, dass der »Schöpfer« bei Schöpfungsgeschichtlern
bereits als bedeutungsvoller vorwissenschaftlicher Bezugspunkt (z. B. als »Gott der Liebe«) da war, bevor sie überhaupt
angefangen haben, sich wissenschaftlich mit der Evolution oder der Schöpfungsgeschichte zu beschäftigen. Die kritische
Auseinandersetzung der Schöpfungsgeschichtler mit dem darwinschen Evolutionsmechanismus kann daher wie schon die
physikotheologischen Gottesbeweise der gläubigen Wissenschaftler des frühen 19. Jahrhunderts am Besten als
eine Art ›Lobpreisung Gottes› oder ›Gottesdienst‹ verstanden werden. Dies kann, wie das eindrucksvolle
Beispiel Lönnig zeigt, in Teilen hervorragende Wissenschaft sein dies kann aber auch, wie der s
tupide ›Darwindienst‹ der Neodarwinisten zeigt, in Teilen scholastische Wissenschaft im übelsten Sinne sein.
»Mantis Verlag«, von Dr. Heribert Illig
http://www.mantis-verlag.de/
Internetseite des von schulwissenschaftlichen Historikern gefürchteten ›Mediävistenschreck‹ Dr. Heribert Illig.
Illig ist zusammen mit Prof. Dr. Gunnar Heinsohn Herausgeber des interdisziplinären Zeitensprünge-Bulletin ist. Das seit
nunmehr über 15 Jahren erscheinende Bulletin ist eine der wenigen ernstzunehmenden wissenschafts- und chronologiekritischen
Zeitschriften in Deutschland.
Es kann als ein neokatastrophistisch und weltanschaulich nicht festgelegtes Forum kritischer Historiker und Naturgeschichtler
bezeichnet werden, die vielfach von Immanuel Velikovsky (1895-1972) inspiriert wurden. Velikovsky hat die Theorie der kosmischen
Katastrophen entwickelt und ist der wohl bedeutendste und zugleich umstrittenste Neokatastrophist des 20. Jahrhunderts.
Ein thematischer Schwerpunkt des Bulletins ist die von Illig entwickelte »Phantomzeitthese«. Sie besagt, dass
das erste nachchristliche Jahrtausend um genau 297 Jahre zu lang war und die Zeit zwischen 614 und 911 n. Chr. als fiktiv, d. h. hier
nachträglich erfunden einzustufen ist. Erstaunlicherweise hat diese auf den ersten Blick unglaubliche These bisher allen
Angriffen von Schulwissenschaftlern standgehalten.
Die Herausgeber versuchen das Bulletin deutlich von schöpfungsgeschichtlich und eher esoterisch (Präastronautik etc.) orientierten
wissenschaftskritischen Zeitschriften abzugrenzen. Ein erheblicher Schwachpunkt des Bulletins besteht darin, dass es über keine
Fachredaktion verfügt bzw. der redigierende Herausgeber Dr. Heribert Illig glaubt, diese Funktion alleine ausüben zu können.
Bei Themenbereichen, bei denen er fachlich nicht auf der Höhe ist (oder schlimmer noch glaubt auf der Höhe zu sein), verlässt
er sich daher lieber auf seine Intuition als auf Fachleute, die etwas von der Sache verstehen. Auf die Intuition des Herausgebers ist
aber insbesondere bei naturgeschichtlichen Themen wenig Verlass, weil sie von seiner fachlichen Selbstüberschätzung getrübt ist.
Auf meiner Internetseite habe ich die fachliche und redaktionelle »Halsstarrigkeit« des Herausgebers in der
Rubrik Über Größen auf heitere Weise karikiert. Illig hat daraufhin umgehend von seiner Internetseite
den Link entfernt, der bisher auf meine Internetseite verwiesen hat. Ein ›herber‹ Verlust für das ›Ranking‹ meiner
Seite, der aber durch Links anderer Internetseiten wett gemacht wurde, deren Betreiber offensichtlich über mehr Humor als der
Herausgeber verfügen.
Dies soll nicht heißen, dass der langjährig mit mir befreundete Herausgeber humorlos ist, aber
leider hört der Humor bei ihm dort auf, wo er eigentlich so richtig anfängt, nämlich beim Lachen über die
eigenen Schwächen. Trotz der genannten Defizite ist das Bulletin zu empfehlen, zumal es derzeit im deutschsprachigen Raum
keine Alternative dazu gibt.
siehe hierzu auch folgenden Text
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Uwe Topper gehört neben Dr. Eugen Gabowitsch u. Christoph Pfister zu den streitbaren Chronologiekritikern, die sich schon frühzeitig mit Dr. Heribert Illig überworfen haben.
Dies liegt nicht nur an Illigs speziellen Be- oder Empfindlichkeiten, sondern vor allem auch daran, dass diese Herren jederzeit bereit sind,
den Spruch »Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus« zu widerlegen. Dies durfte ich noch jüngst im Umgang mit Uwe Topper erfahren:
Topper hatte mir in einer freundlichen Mail vorgeschlagen, unsere Internetseiten gegenseitig zu verlinken. Ich stimmte zu und nahm seine Anfrage zum Anlass,
gleich auch noch einige alte Verstimmungen auszuräumen, die zwischenzeitlich schon reichlich ›Gilb‹ angesetzt hatten. Als ich dann aber zufällig auf seiner website die Beschreibung u. Kommentierung
meiner Seite las, traf mich fast der Schlag: Eine völlig schräge, ja hingeschmierte Kurzbeschreibung, gefolgt von einer noch schrägeren verrissähnlichen Kommentierung.
(»Obwohl von Überlegungen zur Evolution ausgegangen wird, ist der breiteste Raum der Naturschutz-Polemik gewidmet«).
Ich war zunächst sprachlos: Profitierte Topper nicht in Sachen ›Ranking‹ erheblich mehr von meiner Verlinkung als ich von seiner, da meine Seite bereits ziemlich gut verlinkt ist?
Und hatte mir Topper nicht in seiner ersten Mail geschrieben, dass er meine Internetseite sehr informativ findet? Trotz des andauernden (spröden) Mailverkehrs (der schlussendlich dazu geführt hat, dass Topper den Link auf meine Seite wieder aus seiner Seite entfernt hat)
ist mir völlig schleierhaft, ob sich hinter Toppers irritierendem Verhalten, nur Gedanken- oder doch eher Skrupellosigkeit verbirgt.
Als erstes Fazit darf ich aber warnend festhalten: Diese ›Krähen‹ neigen nicht nur dazu, Mitstreitern die Augen auszuhacken, sondern ihnen (ggf. sogar in umgekehrter Reihenfolge) auch noch den ›Speck‹ zu klauen.
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»Planung in der Natur: Illusion oder Realität«,von Markus Rammerstorfer,
www.intelligentdesign.de.vu
Aus den allgemeinen Hinweisen des Autors: »Die Homepage wurde von mir Ende 2002 hochgeladen. Seitdem hat
sich (neben ihrem Layout) auch das Konzept geändert: Damals hatte ich eigentlich primär vor, evolutionskritische
Gedanken darauf zu präsentieren, obwohl ich bereits vom ID-Ansatz gehört hatte. Von Kritikern wurde ich jedoch
dazu gedrängt, nicht nur evolutionäre Ansätze zu kritisieren, sondern Alternativen zu präsentieren. Ich
begann damals, mir intensive Gedanken über den ID-Ansatz und seine Stellung im Bereich der Naturwissenschaften
zu machen. Ich entwickle sowohl meine evolutionskritischen Ansätze als auch meine Auffassung von ID ständig weiter und
hoffe, dass mir auch in Zukunft konstruktive Kritiken dabei behilflich sind«.
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»Studiengemeinschaft Wort und Wissen«, inhaltlich verantwortlich: Reinhard Junker
http://www.wort-und-wissen.de/
Internetseite der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, die sich selbst als ein wissenschaftlicher gemeinnütziger
Verein bezeichnet. Thematische Schwerpunkte der Arbeit bilden nach eigener Darstellung Grundlagenforschung und Bildungsarbeit
im Spannungsfeld »Naturwissenschaft und christlicher Glaube«. Kurz: Der Verein will zeigen, dass die Bibel
und nicht die Naturwissenschaft recht hat. Thematische Schwerpunkte sind die naturwissenschaftliche Rekonstruktion der
Erdgeschichte vor dem Hintergrund eines »Kurzzeit-Horizontes« sowie die umfassende Auseinandersetzung mit
der darwinschen Evolutionslehre und ihren neodarwinistischen Neuformulierungen.
Die Studiengemeinschaft ist Herausgeber der Zeitschrift »Studium Integrale«. Das halbjährlich erscheinende
Journal verfügt bezüglich evolutionsbiologischer, geologischer, paläontologischer und wissenschaftstheoretischer
Fragestellungen über ein Autorenteam, das auch nach universitären Maßstäben als überdurchschnittlich kompetent
zu bezeichnen ist. Leider wird der Lesegenuss dadurch getrübt, dass nach bestechender Herausarbeitung der
Schwächen verschiedenster schulwissenschaftlicher Theorien die als Alternative angebotenen schöpfungsgeschichtlichen
Erklärungsmodelle oft ziemlich ›stereotyp‹ daher kommen.
Dieser Mangel lässt sich wie folgt erklären: Einerseits ist das kompetente Autorenkollektiv motiviert durch
seinen Schöpfungsglauben in der Lage, eine gewinnende, fundierte Kritik an den schulwissenschaftlichen Erklärungsmodellen
zu üben. Andererseits kann (oder darf) das Autorenkollektiv aber keine ergebnisoffene Suche nach (naturalistischen)
alternativen Erklärungsmodellen durchführen, weil die strikte Bibelorientierung der Autoren die Wahrheit immer
schon vorgibt. Das geschilderte Defizit ließe sich abmildern, wenn sich die Autoren mit alternativen und
schulwissenschaftlichen Erklärungsmodellen gleichermaßen intensiv auseinandersetzen würden.
Sollten sich dann immer noch keine befriedigenden Lösungen abzeichnen, könnte niemand etwas dagegen haben,
wenn als zusätzliche Lösungsmöglichkeit die »unhinterfragbare Wirklichkeit der biblischen
Ur- und Heilsgeschichte« ins Spiel gebracht würde.
Kurioserweise nimmt die Internetseite allerdings genau dann, wenn in ihr Außenseitenmodelle vorgestellt und
diskutiert werden, geradezu groteske Züge an. So wird die Leserschaft der Bücher des Neokatastrophisten
Immanuel Velikovsky unter den Generalverdacht gestellt, eine »religiöse Splittergruppe« zu sein.
Dieser Verdacht wird u. a. damit begründet, dass die Leser sich an ein »Kontaktzentrum« wenden können,
dessen Ziel darin bestehe, »Anhänger (oder mit anderen Worten: Gläubige) zu rekrutieren«. Zufällig
ist mir der Initiator dieses ›Rekrutierungszentrums‹ näher bekannt:
Als früherer Übersetzer von Velikovsky-Büchern ist er der wohl beste Velikovsky-Kenner im deutschsprachigen
Raum. Für die missionarische Aufgabe, Anhänger zu »rekrutieren«, ist er aber völlig untauglich.
Als äußerst scharfsinniger Analytiker, dem nichts außer dem Streit ›heilig‹ ist, ist es
ihm in der Vergangenheit gelungen, fast jeden an Velikovsky Interessierten nachhaltig zu vergraulen. In dem er die Leute
gegen sich aufbringt, erreicht er nämlich, was jeder Missionar mit allen Mitteln vermeidet: Er provoziert die Leute
dazu, sich abzuwenden und sich ihre eigenen Gedanken zu machen!
Vor dem Hintergrund des albernen Generalverdachtes rät Wort und Wissen seiner eigenen Anhängerschaft, zu
Velikovskys »verführerischen« Büchern auf Distanz zu gehen. Auf den Punkt gebracht: Hier warnen
Rechtgläubige vor ›Falschgläubigen‹ und dies hat immer, seien es nun die ignoranten
Neodarwinisten, die vor Anhängern des Schöpfungsglauben oder die rechtgläubigen Schöpfungsgeschichtler,
die vor Neodarwinisten oder Neokatastrophisten warnen, einen ziemlich faden Beigeschmack. Die fast ängstliche Aversion,
mit der Schöpfungsgeschichtler auf Velikovsky reagieren, lässt sich damit erklären,
dass er mit seinen naturalistisch-neokatastrophistischen Erklärungsmodellen, den Kurzzeitmodellen der
Schöpfungsgeschichtler äußerst unangenehm in die Quere kommt.
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