Naturschutz · Ökologie · Artenschutz
Przewalski-Pferd
Naturschutz · Ökologie · Wiederansiedlung

Was schützen
wir eigentlich?

Hinter jedem Schutzprogramm steckt eine implizite Entscheidung über den "richtigen" Zustand der Natur.

~1 Mio.
Arten vom Aussterben bedroht
~75 %
Rückgang Fluginsekten (DE)
16 %
Schutzgebiete weltweit
1992
Biodiversitätskonvention CBD
I.

Das Konzept des Naturerbes

Das Wort "Naturerbe" setzt einen Normalzustand der Natur voraus. Die Natur war jedoch zu keinem Zeitpunkt statisch — Arten sind immer entstanden und ausgestorben, Klimazonen haben sich verschoben. Was als "natürlich" gilt, ist immer auch eine kulturelle Entscheidung.

Artenschutz

Einzelne Tier- und Pflanzenarten

Lebensraumschutz

Ökosysteme und Habitate

Rewilding

Dynamische Renaturierung

II.

Wiederansiedlung: Erfolge und Grenzen

Das Przewalski-Pferd in der Mongolei, der Luchs in Bayern, der Wolf in Deutschland — Wiederansiedlungsprojekte zeigen, dass Ökosysteme regenerationsfähig sind.

Przewalski
Flaggschiff-Artikel

Das Przewalski-Pferd

Genetik, Wiederansiedlung, die Botai-Kontroverse

III.

Artenschutz im Anthropozän

Aktuelle Aussterberaten liegen 100–1000× über dem Hintergrundwert. Der Artenschutz steht vor einem Dilemma: begrenzte Ressourcen in einem System, das immer schneller kippt.

"Wir sind die erste Generation, die den Schaden vollständig versteht — und möglicherweise die letzte, die ihn noch begrenzen kann."
— David Attenborough
IV.

Schutzgebiete: Geschichte und Grenzen

Die Idee des Naturschutzgebietes ist keine ursprünglich europäische. Der Yellowstone-Nationalpark, 1872 gegründet, gilt als das erste staatliche Schutzgebiet der Welt — und war ein Produkt seiner Zeit: Der Schutz der Landschaft ging einher mit der Verdrängung indigener Bevölkerungen, die diese Gebiete seit Jahrtausenden bewohnt hatten. Diese dunkle Seite der Schutzgebietsgeschichte wird heute zunehmend aufgearbeitet.

In Deutschland sind Nationalparks, Naturschutzgebiete und Biosphärenreservate rechtlich unterschiedlich definiert. Nationalparks — derzeit 16 in Deutschland — stehen für 'Prozessschutz': Natur soll sich ohne menschlichen Eingriff entwickeln. Das Ziel ist nicht die Erhaltung eines historischen Zustands, sondern die Ermöglichung natürlicher Prozesse einschließlich Störungen durch Feuer, Sturm oder Borkenkäfer.

Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt, aber begrenzt: Die meisten deutschen Schutzgebiete sind zu klein, zu isoliert voneinander und zu stark von intensiver Landnutzung in ihrer Umgebung beeinflusst, um vollständige Ökosysteme zu schützen. Das Konzept der 'Grünen Infrastruktur' und ökologischer Korridore versucht, diese Fragmentierung zu überwinden.

V.

Naturerbe und Klimawandel: eine doppelte Bedrohung

Naturerbe steht unter einem doppelten Druck: Der direkte Habitatverlust durch menschliche Nutzung und die indirekten Auswirkungen des Klimawandels wirken gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Arten, die sich in kleine Schutzgebiete zurückgezogen haben, können auf Klimaveränderungen nicht reagieren, indem sie in kühlere oder feuchtere Gebiete wandern — sie sind gefangen.

Korallenriffe sind ein besonders dramatisches Beispiel: Sie bieten 25 Prozent aller Meeresarten einen Lebensraum, obwohl sie weniger als 0,1 Prozent des Meeresbodens bedecken. Bereits bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius werden 70–90 Prozent aller Korallen zerstört sein, bei 2 Grad nahezu alle. Das Great Barrier Reef in Australien hat seit 2016 bereits mehrere schwere Bleichepisoden erlebt, bei denen bis zur Hälfte der Korallen abgestorben sind.

Die Bergwälder der Alpen verlagern ihre Höhengrenzen nach oben: Pflanzengemeinschaften wandern im Durchschnitt sechs bis sieben Meter pro Jahr bergwärts. Für spezialisierte Gipfelbewohner gibt es irgendwann keinen Ausweg mehr — sie verschwinden buchstäblich von der Landkarte.

VI.

Ex-situ-Erhaltung: Zoos, Saatgutbanken, Kryokonservierung

Wenn Habitatschutz allein nicht reicht, kommt Ex-situ-Erhaltung ins Spiel: die Sicherung von Arten außerhalb ihres natürlichen Lebensraums. Moderne Zoos haben sich von reinen Schauanstalten zu Institutionen mit ernsthaften Zucht- und Wiederansiedlungsprogrammen entwickelt. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert die Zucht von über 400 gefährdeten Tierarten.

Saatgutbanken wie der Svalbard Global Seed Vault auf Spitzbergen (Norwegen) sichern die genetische Vielfalt von Nutzpflanzen für künftige Generationen. Das Vault beherbergt über eine Million Saatgutproben aus fast allen Ländern der Welt — ein 'Backup' der globalen Nahrungsgrundlage. 2015 wurde erstmals ein Notfall-Rückgriff notwendig, als das syrische Nationalinstitut seine Saatgutkollektion im Bürgerkrieg verlor.

Kryokonservierung — das Einfrieren von Zellen, Geweben oder Gameten in flüssigem Stickstoff — eröffnet theoretisch die Möglichkeit, genetisches Material unbegrenzt zu erhalten. Das 'Frozen Zoo' der San Diego Zoo Wildlife Alliance konserviert Zellen von über 10.000 Individuen aus über 1.000 Arten. Ob und wie dieses Material dereinst für Wiederherstellungsprojekte genutzt werden kann, ist noch offen — aber die Option bleibt erhalten.